Boi
Liebe Frau Welter, ich hatte bereits schon einmal Ihren Rat gebraucht. Nun 3 Monate später hätte ich gerne wieder Ihre Meinung zum Thema Abstillen. Unser Kind 22 Monate liebt das Stillen - morgens mittags, abends und die ganze Nacht. Sie wacht stündlich auf und nuckelt bzw. trinkt zwischen 10 und 60 Minuten. Unser Kind ißt gut und ist gut entwickelt. Beim Termin in der Schlafklinik in der Uni wurde mir der Rat gegeben abzustillen, um ruhigere Nächte zu bekommen. Somit würde unser Kind lernen ohne Brust weiterzuschlafen. Das komplette Abstillen sei notwendig, damit es nicht ständig an die Brust erinnert wird. Meine Hebamme meinte, ich solle erst einmal nur Nachts abstillen. Da Tags und Nachts abzustillen zu viel Stress für das Kind wäre und würde scheitern. Das Problem ist, ich versuche seit 6 Monaten abzustillen, aber es wird nicht weniger. Nuckelt unser Kind tagsüber weniger, holt es sich abends wieder “Brustzeit”. Dann noch das Zahnen und Krankheiten führten zu keiner Reduzierung des Stillens. Wir haben auch bereits zwei mal über fast zwei Wochen ein nächtliches Abstillen versucht. Wir mussten dann aber vor Erschöpfung und ausbleibenden Erfolg aufhören. Ich will Abstillen, um ruhigere Nächte zu bekommen. Ich bin momentan kein richtiger “Mensch” mehr. Seit fast 22 Monaten schlafe ich maximal 1,5 h am Stück. Das sieht und merkt man mir an. Das soll sich ändern. Meine Frage: Sollte ich wirklich vorerst nur Nachts abstillen oder doch besser Komplett; also plötzlich - nach Erklärung - gar keine Brust mehr geben? Wenn ja, welchen Weg können Sie empfehlen? Meine Hebamme empfiehlt nur Nachts und mit der Methode nach Gordon vorerst abzustillen. Haben Sie Erfahrungswerte dazu? Ich bin besorgt, ob das funktioniert, da unsere Versuche Nachts abzustillen scheiterten. Wir haben damals einfach vom Einschlafen bis zum Aufwachen gar keine Brust gegeben, sondern nur durch herumtragen beruhigt. Besten Dank für Ihre Arbeit in dem Forum und liebe Grüße.
Kristina Wrede
Liebe Boi, ganz und radikal abzustillen ist sehr hart, sowohl für das Kind als auch für die Mutter. Darum empfehlen auch wir, es schrittweise anzufangen und allmählich auszudehnen in der Nacht. Hast du schon von der Pantley-Methode gehört, die eine stillfreie Zeit in der Nacht erreichen kann? Vielleicht wäre das eine Möglichkeit auch für euch? Allerdings: Ob ein Baby nach dem Abstillen besser schläft kann leider nicht vorhergesagt werden. Nicht bei allen ist das nämlich so, was in erster Linie damit zusammen hängt, dass die Kleinen ein ganz anderes Schlafmuster haben als wir Großen, und von Natur aus dafür "programmiert" sind, häufig aufzuwachen. Mit einem Jahr können mache Kinder es schon verkraften, ein paar Stunden lang in der Nacht nicht zu stillen. Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch weinen oder schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Natürlich kannst Du ihr während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten, doch sei nicht allzu überrascht, wenn das anfangs mit Wut abgewiesen wird. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Einen "Knacks" beim Kind brauchst du nicht befürchten, wenn du ihm wirklich beistehst und ihn nicht "strafst" für seine natürliche Reaktion auf diese Veränderung. Nur wenn sich dein Kind über mehrere Tage hinweg gegen diese stillfreie Zeit sperrt, oder gar tagsüber extrem anhänglich bzw. weinerlich wird, oder gar eine Hautreaktion zeigt, dann weißt du, dass es noch zu früh ist und du vielleicht einfach noch ein paar Wochen warten und durchhalten solltest. Dieser Vorschlag stammt von Elizabeth Pantley, Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte", das erst im Herbst auf Deutsch erschienen ist und das ich wärmstens empfehlen kann. Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Wichtig ist dann vor allem eure liebevolle Konsequenz und die Sicherheit zu wissen, dass euer Baby es schafft, wenn ihr selbst nur klar genug seid!! Lieben Gruß, Kristina
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