Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen- aber wie?

Frage: Abstillen- aber wie?

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Liebe Biggi, Anna ist bald ein Jahr alt und ich stille momentan v.a. nachts/morgens (1 x) und ansonsten vor dem Schlafen (1-2x). Da ich Allergikerin bin, möchte ich auf jeden Fall das Jahr "voll" machen und danach langsam abstillen. Aber wie? Anna schreit vor dem Schlafen, wenn sie die Brust nicht bekommt. Soll man sie dann schreien lassen? Was soll sie als Ersatz für die Muttermilch bekommen? Und wie (Flasche)?(Sie hat bisher außer Muttermilch nur noch Wasser oder Fencheltee aus der normalen Tasse bekommen) Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie mir da irgendwelche Tips geben könnten. Herzlichen Dank. Angela


Biggi Welter

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? Liebe Angela, wenn Sie für sich jetzt beschlossen haben, dass für Sie der Zeitpunkt zum Abstillen gekommen ist, dann denken Sie bitte daran, dass das Stillen für Ihr Kind eine sehr große Bedeutung hat und Abstillen nicht nur bedeutet, die Muttermilch durch andere Nahrung zu ersetzen und lassen Sie Ihr Kind bitte nicht weinen. Ich werde Ihnen nun einige Methoden vorstellen, die sich beim Abstillen eines älteren Babys oder Kleinkindes bewährt haben: Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt „biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Sie Ihrem Kind die Brust nicht von sich aus anbieten, aber auch nicht ablehnen, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Ihre Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Sie müssen die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Sie viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmen, die Ihrem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Sie Ihr übliches Verhalten in bestimmten Situationen verändern. Wenn Sie zum Beispiel sitzen bleiben anstatt sich hinzulegen, wenn Sie Ihr Kind zum einschlafen bringen. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal ist es sinnvoll, wenn der Vater das abendliche Zubettbringen übernimmt. Manchmal bringt es das Abstillen auch weiter, wenn Sie das Stillen immer dann, wenn Ihr Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschieben. Das können Sie flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Sie können auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Beim nächtlichen Abstillen kann es hilfreich sein, dass statt Ihnen Ihr Partner die Nachtschicht bzw. das zu Bett bringen zum Teil übernimmt. Also nicht Sie wenden sich jedesmal dem Kind zu, sondern ihr wechselt euch ab und da ein Mann keine Brust zum Stillen hat, wird er euer Baby auf andere Weise beruhigen müssen. Das Verändern von Ritualen kann helfen. Wenn Ihr Partner nicht einspringen kann, bleibt es an Ihnen, Ihr Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt oft hilfreich. Außerdem möchte ich Ihnen das Buch „Wir stillen noch - über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Das Buch ist leider zur Zeit vergriffen (die Neuauflage kommt hoffentlich Anfang nächsten Jahres heraus), doch vielleicht können Sie es in der Bücherei ausleihen oder per Fernleihe bestellen. Wichtig ist, dass Ihr Kind spürt, dass Sie ihr zwar die Brust entziehen, nicht aber Ihre Liebe. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Eine Flasche brauchen Sie bei einem über einem Jahr alten Kind nicht mehr einführen. Ihr Kind kann weiterhin aus einem ganz normalen Becher, Glas oder Tasse trinken. Als Durstlöscher ist Wasser optimal und um den Milchbedarf zu decken können Sie Ihr Kind entweder vorsichtig an Kuhmilch und Milchprodukte heranführen oder es auch ganz milchfrei ernähren. Sollten Sie sich für eine milchfreie Ernährung entscheiden, wenden Sie sich am besten zu einem ausführlichen Beratungsgespräch an eine Ernährungsberaterin, die damit Erfahrung hat. Ernährungsberaterinnen finden Sie in den Gelben Seiten und fragen Sie auch mal bei Ihrer Krankenkasse nach, manche Krankenkassen beschäftigen Ernährungsberaterinnen. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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