Frage im Expertenforum Beziehungsprobleme an Xenia Bukowsky:

Soziale Kontakte

Frage: Soziale Kontakte

Tina0302

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Hallo, mein Sohn ist 5 Jahre alt. Geht total gerne in den Kiga und hat dort auch viele Freunde mit denen er super gerne spielt. Jetzt ist es so, dass wir uns auch gelegentlich nachmittags verabreden aber nicht häufig. Kann auch sein, dass wir ein paar Wochen nur Zuhause sind bzw keine sozialen Kontakte am Nachmittag haben. Ich Frage mich immer, ob das zu wenig ist und er sich mehr verabreden "muss". Ich bin vor gut 10 Jahren hier her gezogen. Habe viele neue Menschen kennengelernt aber so eine richtig dicke Freundschaft hab ich nicht gefunden. Ich beneide die anderen Mamas, die einfach viele Kontakte haben, zusammen ins Schwimmbad gehen usw. Ich wüsste aber aktuell gar nicht, mit wem wir das machen sollten. So sitzen wir oft Zuhause und mir fällt auch einfach die Decke auf den Kopf.. Haben sie mir einen Rat bzw "muss" ich darauf achten, dass mein Sohn mehr Verabredungen hat? Vielen Dank 


Xenia Bukowsky

Xenia Bukowsky

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Hallo Tina,  danke für deine offenen Worte hier im Forum. Was du beschreibst, kennen viele Mütter, und es lohnt sich, genauer hinzuschauen, warum das so ist.  Du machst schon vieles richtig. Er geht gern in die Kita, hat dort Freunde, fühlt sich wohl, das ist die Basis. Gelegentliche Verabredungen sind schön, aber kein Muss. Spielen ist für Kinder wichtig, ja, das ist sogar in der UN-Kinderrechtskonvention verankert, aber das schließt das Spielen allein zuhause ein. Dabei lernt dein Sohn Kreativität, Selbstwirksamkeit und seinen eigenen Interessen zu folgen, was genauso wertvoll ist wie gemeinsames Spiel. Die soziale Komponente, also verhandeln, streiten, sich versöhnen, erlebt er ja bereits täglich im Kindergarten.  Frag ihn ruhig mal direkt: Wünscht er sich mehr Kontakt, oder spielt er auch gern für sich? Kinder sind oft entspannter mit der Situation, als wir Eltern es uns ausmalen.  Für die Sommerferien gibt es viele Angebote für Familien und Kinder: Schau, ob es in deiner Region Sommerpässe oder kostengünstige Programme von Familienzentren gibt. Das nimmt dir Organisationsdruck ab und ihr sucht gemeinsam nur noch aus einem Programm ansprechende Punkte heraus. Und bei Aktivitäten im Schwimmbad, am Spielplatz, am Marktplatz suchen Kinder sich ihre Kontakte oft selbst, ganz ohne verabredetes Treffen.  Falls du dabei ohne Begleitung unterwegs bist und dich das komisch anfühlt: Das ist total normal und total in Ordnung. Viele Mütter trauen sich allein mit ihrem Kind kaum auf den Spielplatz oder ins Schwimmbad, weil sie sich beobachtet oder fehl am Platz fühlen, wenn alle anderen in Grüppchen dort sind. Aber dieses Gefühl sagt nichts darüber aus, ob es richtig ist, was du tust. Du musst niemandem erklären, warum du allein da bist, und du brauchst keine Begleitung, um dazuzugehören. Es kann helfen, sich das bewusst zu machen und sich kleine Routinen zu schaffen, zum Beispiel immer zur gleichen Zeit an den gleichen Ort zu gehen. Dadurch entstehen oft wie von selbst Kontakte zu anderen Eltern, weil man sich wiedererkennt. Aber auch wenn das nicht passiert, ist ein entspannter Nachmittag zu zweit genauso wertvoll.  Du beschreibst zwei Dinge, die gesellschaftlich oft miteinander vermischt werden, aber getrennt gehören: das soziale Leben deines Sohnes und dein eigenes. Es ist auffällig, wie sehr Mütter dazu erzogen werden, ihre eigene Einsamkeit über die Verabredungskultur ihrer Kinder zu lösen, sich also über andere Mütter zu definieren, statt eigenständig Freundschaften zu suchen. Das ist keine persönliche Schwäche von dir, sondern ein Muster, das vielen Frauen anerzogen wird, nämlich dass das eigene Bedürfnis nach Verbindung über die Mutterrolle laufen "muss".  Du darfst dir erlauben, dein soziales Leben unabhängig von der Mutterrolle zu gestalten. Du brauchst keine Freund*innen mit gleichaltrigen Kindern, du brauchst Menschen, mit denen es "klickt". Das kann über einen Sportverein, einen Kreativworkshop, eine Volkshochschule oder auch über Freundschafts-Apps wie Bumble BFF laufen. Gerade das mit den Apps klingt für einige Personen abschreckend, aber daraus sind schon viele tiefe Verbindungen entstanden. Wenn du die Möglichkeit hast, dir ein-, zwei-, dreimal im Monat einen Abend frei zu organisieren, in dem dein Sohn anders betreut wird, nutze das für dich, nicht als Luxus, sondern als legitimes Bedürfnis für deine Freizeitgestaltung und Erholung.  Nach einem Umzug dauert es oft Jahre, bis sich tiefe Freundschaften entwickeln. Das ist normal und liegt nicht an dir. Du bist mit diesem Gefühl nicht allein, und es macht dich nicht zu einer schlechteren Mutter, dass du gerade keine Schwimmbad-Mama-Clique hast. Im Gegenteil: Dass du aktiv nach Lösungen suchst, zeigt, wie sehr du sowohl für dich als auch für deinen Sohn sorgst.  Wir wünschen dir einen tollen Sommer und viele schöne Unternehmungen, auf die du Lust hast!  Leonie und Xenia 


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