NestWiese39
Hallo zusammen, ich stehe aktuell vor einer schweren Entscheidung. kurz zu mir, ich bin 40 Jahre alt, war über 10 Jahre in einer toxischen Beziehung mit meinem Expartner und den Papa meiner Tochter. Ich habe eine Tochter mit 5 Jahren, sie kommt nächstes Jahr im September in die Schule. Ich bin von ihrem Papa seit 1,5 Jahren getrennt wir haben aber ein gutes Verhältnis. Ich habe jetzt die grandiose Möglichkeit erhalten, für 18 Monate als Trainee in den USA zu arbeiten und zu leben. Der Papa meiner Tochter ist allerdings nicht dafür, dass sie mit mir mitgeht (wir haben das gemeinsame Sorgerecht) er ist besorgt, dass sie aus ihrer sicheren Umgebung gerissen wird (Omas und Opas sind auch hier) und wenn sie sich eingewöhnt hat, gehen wir wieder nach Deutschland. Ich will das beste für meine Tochter, und das beste ist, dass ich in Deutschland bei ihr bleibe, aber dann auch eine einmalige Chance verpasse. Er hat mir angeboten, während dieser Zeit sich Vollzeit um sie zu kümmern. Meine Eltern sind absolut dagegen, es wird mir von allen Seiten auch einiges eingeredet wo ich hin und herschwanke. Ich hätte allerdings auch immer die unterstützung von ihnen. Mein jetziger Partner kommt aus den USA, und will aber für uns und die Familie nach Deutschland ziehen, damit meine Tochter hier weiterhin bei Ihrer Familie sein kann. Er bittet mich um 18 Monate in den USA, da er sein ganzes Leben drüben aufgibt. Es ist kein Druck dahinter, wenn es nicht geklappt hätte, ist es für ihn auch vollkommen ok. Es ist auch der Meinung, dass sie bei mir besser aufgehoben ist, und sie mitkommen sollte. Ich bin zwiegespalten, ich liebe meine Tochter und weiss nicht, ob ich so lange (also es sind besuche geplant, ja) ohne sie auskomme und was das in ihr auslösen könnte, auf der anderen Seite die unglaubliche Möglichkeit, für die ich auch gearbeitet habe... Vielleicht haben Sie eine andere Perspektive auf das ganze... Herzlichen Dank!
Hallo NestWiese, erst einmal möchten wir dir zu dieser Chance gratulieren. Solche Möglichkeiten fallen nicht einfach vom Himmel. Du hast dafür gearbeitet, Erfahrungen gesammelt und überzeugt. Das ist eine große Leistung. Nun stehst du aber zwischen den Stühlen, was sehr nachvollziehbar ist. Auf der einen Seite deine Verantwortung als Mutter, die du dir genauso wenig absprechen lassen musst wie einen eigenen Lebensweg. Denn auch Väter lieben ihre Kinder und stellen dennoch ihre Karriere nicht automatisch hinten an. Viele Frauen kennen genau diesen Konflikt. Noch immer wird oft selbstverständlich erwartet, dass Mütter ihre Wünsche zurückstellen, während dieselbe Entscheidung bei einem Vater häufig anders bewertet würde. Du darfst diese Chance ernst nehmen. Du musst deine Wünsche und Karriere nicht automatisch hintenanstellen, weil du Mutter bist. Gleichzeitig darfst du die Traurigkeit und die Sorge ernst nehmen, die du beim Gedanken an 18 Monate ohne deine Tochter spürst. Beides hat seinen Platz. Gleichzeitig würde ich aufpassen, dass du die Entscheidung nicht für einen Mann (also den neuen Partner) triffst, sondern für dich selbst. Wenn du in die USA gehst, dann weil du das möchtest und weil es sich für dich richtig anfühlt, nicht weil dein Partner sich diese Zeit wünscht. Das macht einen wichtigen Unterschied. Noch eine Frage, die du dir ehrlich stellen darfst: Wie gut kennst du den Alltag mit deinem neuen Partner? Eine Fernbeziehung und ein gemeinsames Leben sind zwei sehr verschiedene Dinge und er gibt gerade sehr viel auf, was auch Erwartungen erzeugen kann, auch wenn er das nicht so meint. Stelle dir also ehrlich die Frage, wie du deine Tochter während dieser Zeit betreuen könntest und was geschieht, wenn der Alltag drüben anders aussieht als vorgestellt. Das ist kein Grund, die Chance nicht zu ergreifen, aber ein Grund, die Augen offen zu halten und verschiedene Möglichkeiten mitzudenken. Trotzdem sind die Sorgen deines Expartners nachvollziehbar. Eure Tochter steht vor einem großen Lebensabschnitt, dem Schulstart, und sie hat hier ihr gewohntes Umfeld mit dir, dem Vater, Großeltern und Freund*innen. Dass er sich Gedanken macht, spricht nicht gegen dich, sondern zeigt auch seine Verantwortung als Vater. Es gibt hier vermutlich keine einfache richtige oder falsche Entscheidung. Sowohl das Mitnehmen als auch das Bleiben beim Vater können gute Gründe haben. Entscheidend ist, dass ihr als Eltern gemeinsam schaut, was für eure Tochter tragbar ist und welche Bedürfnisse sie in ihrem Alter hat. Vielleicht wäre es hilfreich, das Ganze nicht nur zwischen den verschiedenen Meinungen von Familie und Umfeld auszuhandeln, sondern euch als Eltern professionelle Unterstützung zu holen. Eine Erziehungs- oder Familienberatung könnte euch dabei helfen, die Chancen und Risiken für eure Tochter gemeinsam zu beleuchten und eine Entscheidung zu treffen, die von beiden getragen werden kann. Neben den Bedürfnissen der Erwachsenen würde ich auch die Perspektive deiner Tochter in den Blick nehmen. Mit fünf Jahren kann sie die Tragweite einer solchen Entscheidung natürlich noch nicht erfassen, aber sie kann durchaus ausdrücken, woran sie hängt, was ihr Sicherheit gibt, wovor sie Angst hat und worauf sie sich vielleicht auch freuen würde. Vielleicht wäre genau das ein Thema für eine Familien- oder Erziehungsberatungsstelle. Dort könntet ihr gemeinsam überlegen, wie die Stimme deiner Tochter altersgerecht einbezogen werden kann, ohne ihr die Verantwortung für die Entscheidung aufzubürden. Eine Beratungsstelle könnt ihr hier finden: https://www.dajeb.de/beratungsfuehrer-online/beratung-in-ihrer-naehe/ Was auch immer du entscheidest, du darfst dir erlauben, diese Chance zu ergreifen. Nicht trotz deiner Mutterschaft, sondern als vollständige Frau, die beides ist: eine liebende Mutter und jemand, der für sich selbst lebt. Liebe Grüße Leonie und Xenia
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