Frage im Expertenforum Beziehungsprobleme an Leonie Traub:

Mutter lässt sich ausnutzen und belügen

Frage: Mutter lässt sich ausnutzen und belügen

Anonymus39

Beitrag melden

Hallo, meine Mutter braucht öfter schon Hilfe im Alltag. Allerdings, spielen sich bei uns in der Familie Dinge ab, was das betrifft, wo ich nicht mehr weiß, ob ich jetzt "aussteigen" sollte.  Und zwar, nutzen meine erwachsenen Nichten es aus und machen bei Oma verschiedene Dinge und verlangen dann für ihre "Dienste" Geld oder sie kommen auch zwischendurch (also außer der Reihe) und fordern. Es handelt sich dabei nicht um kleine Geldbeträge, sondern durchaus höhere Geldsummen, wie mehrere hundert Euro, teilweise darüber Hinaus in den tausender Bereich. Wenn meine Mutter sagt, dass es nun gut sei und sie hätte nicht schon wieder Geld, wird sie massiv unter Druck gesetzt, sie wird manipuliert oder es wird ihr vorgemacht, dass die Urenkel nichts zu essen hätten oder dass sie andere Dinge bräuchten. Und schon hat es wieder geklappt.... Jetzt ist es so, dass meine Mutter aber dann zu mir ankommt. Sie könnte sich beim Zahnarzt die Zähne nicht machen lassen, die Brille wäre zu teuer etc. Ich selbst habe ihr nicht finanziell geholfen, weil sie eine gute Rente bekommt und wenn sie jedesmal fast Pleite ist, weil von den Nichten gefordert wird, bin ich der Meinung, dass sie es selbst zu verantworten hat.  Das geht einfach nicht. So, wie man sagt, sie soll mit ihrem Geld beschenken, wen sie will. Dann soll sie aber auch damit klar kommen, wenn sie sich ausnutzen und belügen lässt. Das Problem ist, sage ich ihr das, was da schiefläuft bin ich die Böse, die Neidische und sonst was alles und gleichzeitig macht sie mich dann auch noch schlecht. Also mit ihr ist da nicht zu reden, es ist so als ob man einen Alkoholiker die Flasche wegnehmen möchte.  Auch meine Hilfe habe ich jetzt etwas eingeschränkt, weil ich mir in der ganzen Situation so langsam ausgenutzt oder wie Aschenputtel vorkomme. Ich selbst habe derartige Forderungen noch nie gestellt, wie es die anderen tun.  Wäre es besser, dass ich auf Distanz gehe? Mir tut das langsam auch nicht mehr gut. Einerseits ihre "Sucht" die vermeintliche Retterin zu spielen und andererseits, ständig dann mit ihren finanziellen Problemen konfrontiert zu werden, zumal sie für ein Gespräch nicht zugänglich ist. 


Leonie Traub

Leonie Traub

Beitrag melden

Hallo Du,  danke für deinen Beitrag!     Es ist schön, dass du dir Gedanken um deine Mutter machst und ihre finanzielle Situation mit im Blick behältst. Was du über das Verhalten deiner Nichten beschreibst, klingt für uns nach Druckausübung. Grenzen, die deine Mutter ausdrückt, werden ignoriert und übergangen.  Deine Mutter kommt dadurch selbst in finanzielle Schwierigkeiten. Das ist nicht ok!     Es ist gut, dass du deinen Eindruck an sie rückgemeldet hast. Oftmals werden übergriffige Verhaltensweisen von betroffenen Personen erstmal nicht erkannt. Dann ist es gut, wenn Personen von außen eine Rückmeldung dazu geben und diese als problematisch einordnen.     Deine Mutter ist eine erwachsene Person und trifft ihre eigenen Entscheidungen. Wenn sich diese Entscheidungen negativ auf ihr Leben auswirken, kann das für nahestehende Personen sehr schwer aushaltbar sein. Wir können gut verstehen, dass das eine schwierige Situation für dich ist!    Töchtern wird gesellschaftlich häufig die Rolle der Kümmernden zugeschrieben und gleichzeitig werden sie bestraft, wenn sie diese Rolle nicht bedingungslos ausfüllen. Das ist nicht fair und du musst diese Rolle nicht annehmen. Es ist auch wichtig, sich Zeit für sich zu nehmen, eigene Freund*innenschaften zu pflegen oder aufzubauen, um die Alltagsschwierigkeiten besser bewältigen zu können. Gibt es etwas, was du auch für dich und deine Entspannung unternehmen oder dich ablenken kannst?    Du fragst, ob es besser wäre, auf Distanz zu gehen. Wir denken: Ja, das kann eine sehr sinnvolle Entscheidung sein. Dass dir die Situation nicht mehr guttut, ist ein wichtiges Signal, das du ernst nehmen solltest. Distanz zu wahren bedeutet nicht, deine Mutter im Stich zu lassen, sondern dich selbst zu schützen. Beides hat gleichzeitig Platz. Könntest du dir vorstellen, dass ihr ihre finanziellen Entscheidungen aus eurer Beziehung ausklammert? Du könntest ihr dies beispielsweise so beispielsweise rückmelden: “Ich mache mir Sorgen um dich und bin gerne für dich da. Aber ich kann das Thema mit den Nichten nicht mehr mittragen und werde es aus unseren Gesprächen ausklammern. Wenn du dazu Unterstützung möchtest, kann ich dir eine Beratungsstelle empfehlen und gemeinsam mit dir überlegen, was du ihnen sagen kannst.”     Deine Mutter kann sich beispielsweise an eine Beratungsstelle wenden (https://www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/allgemeine-soziale-beratung/start). Hier kann sie kostenlos und anonym anrufen oder schreiben und ihre Erlebnisse schildern. In manchen Fällen ist es hilfreich, wenn professionell ausgebildete Personen eine Einordnung übernehmen und beraten, wie ein Umgang mit der Situation gefunden oder eine Grenze gezogen werden kann.    Um sich selbst zu schützen und Abstand von den Themen anderer zu bekommen, die man derzeit nicht ändern kann, kann es manchmal auch hilfreich sein, sich ein paar Gedanken zu notieren. Vielleicht findest du eine ruhige Minute um dir zu überlegen, was du gerade brauchst und was du heute tun würdest, wenn du nur an dich denkst.      Euch beiden Alles Gute!  Xenia und Leonie


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.