Frage im Expertenforum Beziehungsprobleme an Xenia Bukowsky:

Kindergarten

Frage: Kindergarten

User-1775631825

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Ich weiß nicht genau ob ich in diesem Forum richtig bin, ich probiere es einfach. Ich habe es endlich geschafft, mich aus meiner hauptsächlich von psychischer Gewalt geprägten Ehe zu lösen. Geendet hat nun alles mit dem ersten körperlichen Übergriff, bei dem ich zum Glück nur leicht verletzt wurde, trotzdem kam es aber zu einer Wegweisung durch die Polizei und zu einem Kontaktverbot. Ich habe nun 3 sehr schwierige Wochen hinter mir, in denen ich nur von Termin zu Termin gerannt bin mit beiden Kindern im Schlepptau, unzählige Telefonate geführt und Mails geschrieben habe. Ich konnte erreichen, dass mir die Wohnung zugewiesen wird, außerdem habe ich nun das alleinige ABR und es gibt eine Grenzsperre wegen drohender Kindesentführung. Ich bin absolut erschöpft. Heute habe ich dem KiGa eine Kopie eines Teils des ABR Beschlusses gebracht und mitgeteilt, dass aktuell nur ich die Kinder abholen darf. Ein Gesprächsangebot habe ich dankend abgelehnt. Heute beim Abholen wurde mir dann gesagt, dass ich das Original mitbringen muss und sie selbst eine Kopie machen wollen. Sie wollen so viele Informationen wie möglich. Aus dem Gesprächsangebot wurde nun eine dringliche Bitte um ein Gespräch. Ich möchte das alles nicht. Ich möchte dem Kindergarten nicht den gesamten Beschluss zeigen, dort stehen noch Dinge zur Vorgeschichte die den Kindergarten einfach nichts angehen. Ich möchte ihnen nur so viele Infos wie nötig geben, nicht so viele wie möglich.  Wir überlegen bereits seit längerem, den Kindergarten zu wechseln und ich weiß, dass vertrauliche Informationen dort nicht gut aufgehoben sind (anonyme Anliegen an den Elternbeirat werden namentlich der Leitung mitgeteilt). Ich erlebe die Leitung als sehr übergriffig. Ich möchte auch kein Gespräch mit dem Kindergarten führen. Ich möchte einfach nur, dass meine Kinder dort hingehen können , während ich arbeite, mehr nicht. Ich möchte auch nicht, dass der Kindergarten Gespräche mit den Kindern über unsere Familiensituation führt. Wenn wir psychologische Hilfe benötigen, möchte ich das außerhalb des Kindergartens machen - mit Menschen, die den entsprechenden Hintergrund für diese Hilfe haben.  Wie kommuniziere ich das alles am besten? Ich bin so belastet, ich habe durch meine Ehe so viele emotionale Übergriffe erlebt, ich möchte jetzt zumindest unsere Privatsphäre vor Menschen schützen, denen ich einfach nicht vertraue. Ich fühle mich gerade so ausgeliefert. 


Xenia Bukowsky

Xenia Bukowsky

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Hallo Du,    vielen Dank für deinen Beitrag. Deine letzten drei Wochen klingen sehr kräftezehrend und aufreibend. Wir können gut nachvollziehen, dass du sehr erschöpft bist.    Es ist gut, dass du es geschafft hast, direkt so viel klar zu regeln und dich und die Kinder schützen konntest. Dabei ist es auch verständlich, dass du gerade sehr klare Grenzen hast und nicht alle Informationen teilen magst. Das ist dein gutes Recht! Du solltest entscheiden, was du mit wem teilen magst.     Gewalt zu erleben, greift tief in das eigene Empfinden ein. Viele Personen fühlen sich danach erstmal überwältigt oder hilflos. Häufig braucht es eine Weile, bis sich Dinge um einen herum wieder bewältigbar anfühlen. So lange ist es gut, wenn du besonders auf dich Acht gibst. Gibt es Personen in deinem Umfeld, die dich unterstützen können? In vielen Fällen ist es schon hilfreich, eine Freundin an der Seite zu haben, die sich bei schwierigen Telefonaten neben einen setzt oder zu einem Termin begleitet. Wenn du eine Person zum Aussprechen brauchst, kannst du auch immer beim bundesweiten Hilfetelefon anrufen (kostenlos und anonym unter 116 016 oder per Online-Chat).    Personen, die Gewalt in der Partnerschaft erlebt haben, haben häufig sehr viele Grenzüberschreitungen als Teil dieser Gewalt erfahren. Leider berichten viele Betroffene von überschrittenen Grenzen im Hilfesuchprozess oder durch das nahe Umfeld. Diese Fehlreaktion des Umfelds, die zusätzlich belastet, nennt sich sekundäre Viktimisierung. Das können Schuldzuweisungen, Verharmlosungen, ermüdende Verfahrensabläufe oder das dauerhafte Aufzwingen von wiederholten Darstellungen der Geschehnisse sein.   Auch das Verhalten der Kita kann in diese Richtung gehen, wenn von dir mehr Informationen eingefordert werden, als für die Betreuung notwendig sind, oder Druck auf dich ausgeübt wird. Das, was du dort erlebst, ist leider eine Realität vieler Betroffener. Und es ist nicht okay, dass eine Institution, die dich und deine Kinder schützen soll, zusätzlichen Stress auslöst und in dir Ängste hervorruft.     Zu deiner konkreten Frage, wie du mit der Kita umgehen kannst:    Du bist verpflichtet, die Kita über betreuungsrelevante Änderungen zu informieren. Das hast du bereits getan. In vielen Fällen reicht eine geschwärzte Kopie des Beschlusses aus, solange die relevanten Punkte (wie das Aufenthaltsbestimmungsrecht) erkennbar sind. Die Kita kann zwar im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht nachfragen oder um einen nachvollziehbaren Nachweis bitten, du musst jedoch keine sensiblen Details zur Vorgeschichte offenlegen, die für den Kita-Alltag nicht erforderlich sind. Wenn die Kita Zweifel an der Echtheit hat, kannst du das Original vorzeigen, ohne es aus der Hand zu geben, oder alternativ eine kurze Bestätigung durch das Jugendamt oder deine Anwält*in einreichen.   Du kannst deine Grenze auch klar und ruhig kommunizieren, zum Beispiel so:  „Ich stelle euch die notwendigen Informationen in geschwärzter Form zur Verfügung. Weitere persönliche Details möchte ich nicht weitergeben.“  Falls weiter Druck gemacht wird, kannst auch du deutlicher werden:  „Ich verstehe den Wunsch nach Informationen. Ich beschränke mich aktuell auf die für den Kita-Alltag notwendigen Informationen, denn für das Wohl meiner Kinder ist gesorgt. Für alles Weitere kann ich eine Bestätigung meiner Anwält*in vorlegen.“  Falls die Kita weiter nachfragt, dann kannst du dich in einer Erziehungs- und Familienberatungsstelle oder bei eine*r Familienrechtler*in beraten lassen, was deine Möglichkeiten sind. Über die genauen Bestimmungen können wir dir leider keine Auskunft geben, da ist eine rechtliche Beratung für Familienrecht notwendig. Vielleicht kannst du aber weitere Nachfragen der Kita durch Grenzziehung unterbinden. Hier kannst du eine Beratungsstelle in deiner Nähe finden: https://www.bke.de/bke/beratungsstellensuche Falls die Kita auf ein Gespräch besteht, könntest du dir überlegen, ob du eine Vertrauensperson mit hinnimmst, die dir zur Seite stehen kann. So bist du nicht allein in der Situation. Du kannst aber auch versuchen zu kommunizieren, dass du dich mit einem Gespräch nicht wohlfühlst: „Im Moment sehe ich keinen Bedarf für ein persönliches Gespräch. Für die Sicherheit meiner Kinder habe ich bestmöglich gesorgt. Ich habe das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht, was die relevante Information für den Kita-Alltag darstellt. Ihr wisst, dass wir uns getrennt haben und es eine schwierige Zeit für mich und die Kinder ist. Konkrete Details möchte ich aktuell nicht teilen. Für eine Beratung zu den Erlebnissen wende ich mich an eine Fachberatungsstelle, die dafür spezialisiert ist.“  Wichtig ist: Du setzt hier berechtigte Grenzen, auch um dich vor weiteren Grenzüberschreitungen zu schützen. Die Kita hat die Aufgabe, die Abholregelung umzusetzen und nicht, deine persönliche Situation im Detail aufzuarbeiten. Dafür kannst du dich in einer Fachberatungsstelle beraten lassen.    Der Gedanke, die Kita zu wechseln, ist nach deiner Beschreibung gut nachvollziehbar. Wenn du in ein paar Wochen wieder mehr Kraft hast, kann es hilfreich sein, das in einer Familien- und Erziehungsberatungsstelle gemeinsam zu reflektieren. Dort kannst du in Ruhe klären, ob ein Umfeldwechsel für deine Kinder in der aktuellen Situation unterstützend wäre oder sie eher zusätzlich belasten würde. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, die du am besten mit einer Fachkraft besprichst. Wenn du den Erzieher*innen nicht traust, dass sie dich und deine Informationen schützen, ist es aber schon ein deutliches Warnsignal.    Du hast in den letzten Wochen großartige Arbeit geleistet, dich durchgesetzt und deine Kinder geschützt. Du darfst dir die Ruhe und den Schutz nehmen, den ihr jetzt braucht. Deine Grenzen zu wahren, ist nicht nur legitim, sondern ein Akt der Selbstfürsorge und Sicherheit für dich und deine Familie. Deine Kinder haben großes Glück, dass sie eine so tapfere und kämpferische Mama haben!    Wir wünschen euch eine gewaltfreie, selbstbestimmte und glückliche Zukunft!  Liebe Grüße 


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