Frage im Expertenforum Beziehungsprobleme an Leonie Traub:

Patchworkkeben läuft nicht gut

Frage: Patchworkkeben läuft nicht gut

Motzi

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Hallo,  ich bin seit über 3 Jahren mit meinem Partner zusammen. Als ich ihn kennengelernt habe, war er noch verheiratet und hatte einen 3 Monate alten Sohn. Die Ehe stand vor dem Aus, weshalb ich mich auf ihn eingelassen habe. Nun haben wir 2 eigene Kinder und leben auch zusammen. Kind 1 ist 1,5 und Kind 2 wurde im Januar geboren. Sein Sohn ist nun 3,5 Jahre alt. Anfangs hatte ich überhaupt kein Problem mit dem Kind. Leider entwickelt er sich sehr auffällig, soll in einer Psychiatrie vorgestellt werden und ist überhaupt nicht händelbar. Der Kontakt zur leiblichen Mutter ist schwierig, da sie sehr unbeholfen ist und alles ins lächerliche zieht.  Wir sind inzwischen so weit, dass ich den Sohn überhaupt nicht mehr sehen möchte, da er die Familie absolut sprengt. Wir gehen nirgendwo mit ihm hin und auch innerhalb der Familie haben wir alles eingeschränkt, da immer schlechte Stimmung ist, wenn der Sohn dabei ist. Inzwischen bin ich so weit, dass ich mich definitiv gegen das Patchworkleben entschieden habe, die Beziehung zu meinem Partner, der ja auch der Vater meiner Kinder ist, nicht aufs Spiel setzen möchte.  ps: der Sohn ist jedes 2. Wochenende und alle 2 Wochen Mo und Dienstag bei uns, da die Mutter arbeiten geht.  Ich weiß einfach nicht mehr weiter und bin schon Tage vorher, bevor der Sohn kommt, schlecht drauf und passiv aggressiv. Die Stimmung ist immer miserabel. Wenn der Sohn nicht da ist, haben wir das schönste Familienleben überhaupt. habt ihr Vorschläge, wie die Beziehung halten kann, ohne dass wir uns trennen, ich aber nicht mehr mit dem Sohn in Kontakt treten muss? 


Leonie Traub

Leonie Traub

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Hallo Motzi,   schön, dass du deine Gedanken teilst. Du hast ein Baby von wenigen Monaten, ein Kleinkind von 1,5 Jahren und bist jeden zweiten Wochenende und zweimal die Woche zusätzlich mit einem verhaltensauffälligen Kind konfrontiert. Das ist objektiv sehr viel und es ist nachvollziehbar, dass du an deine Grenzen stößt und dir wünschst, dass es einfacher wird. Deine Erschöpfung und dein Wunsch nach einem ruhigeren Familienleben sind berechtigt.  Wir möchten aber ehrlich mit dir sein, weil wir denken, dass das hilfreicher ist als einfach nur Tipps zu geben.  Ein 3,5-jähriges Kind, das auffälliges Verhalten zeigt, zwischen zwei Haushalten wechselt, eine überforderte Mutter hat und spürt, dass es im Haushalt seines Vaters als störend erlebt wird, leidet. Sein Verhalten ist sehr wahrscheinlich ein Ausdruck genau dieser Situation. Kinder in diesem Alter können nicht anders kommunizieren. Das bedeutet nicht, dass du sein Verhalten einfach aushalten musst, aber es bedeutet, dass die Lösung nicht sein kann, dass er wegbleibt.  Dein Partner ist der Vater dieses Kindes. Die Frage, wie viel Verantwortung er für seinen Sohn übernimmt und wie er euch beide unterstützt, ist eine, die ihr gemeinsam beantworten müsst. Am Ende ist er aber dafür zuständig eine Lösung zu finden, mit der ihr alle klarkommt. Denn er trägt die Verantwortung für alle drei Kinder, auch rechtlich. Und er hat sich für diese Situation entschieden. Das hat Einfluss auf die Beziehung zu seiner ex Frau und auch auf die Beziehung zu dir. Könnt ihr darüber offen sprechen? Schafft euch in der Zeit ohne das Kind einen Rahmen, um das in Ruhe zu besprechen. Thematisiert dabei Ängste, Erschöpfung und Wünsche, ohne dabei in Vorwürfen zu verharren.   Eine Erziehungs- und Familienberatung kann eine gute Anlaufstelle sein, in der ihr als Patchworkfamilie Unterstützung bekommt, nicht um das Kind loszuwerden, sondern um einen Weg zu finden, der für alle funktioniert: https://www.dajeb.de/beratungsfuehrer-online/beratung-in-ihrer-naehe/. Es gibt auch offene Beratungsstellen im Jugendamt, die beratend zur Seite stehen. Das kann auch eine gute Möglichkeit sein, um zu schauen, ob eine geeignete Hilfe eingesetzt werden könnte.  Da die Eltern das gemeinsame Sorgerecht zu haben scheinen, wird die Mutter der Vorstellung in einer Psychiatrie zugestimmt haben. Das ist ein wichtiger erster Schritt. Für solche Termine kann es hilfreich sein, dass dein Partner sich aufschreibt, was auffällig ist und auch, was das Kind für Bedürfnisse mitteilt. Manchmal sind diese Termine von Stress und Zeitdruck geprägt, dass man nicht alles im Kopf hat und wichtige Details vergisst. Hoffentlich kann die Mutter durch die Einschätzung des Fachpersonals das Thema annehmen und in Zukunft auch ernster.  Dass du schon Tage vorher angespannt bist, zeigt wie sehr die Situation auf dich einwirkt. Das ist ein deutliches Signal, dass du Unterstützung brauchst, nicht nur die Familie, sondern auch du persönlich. Du kannst dich zum Beispiel bei deinem*r Hausärzt*in auch über die Möglichkeit einer Mutter-Kind-Kur informieren und da einen fachlichen Rat einholen.   Wir wünschen dir, dass du wieder mehr Kraft und Freude empfindest und dass das Kind auch die Unterstützung findet, die es verdient und benötigt. Liebe Grüße Leonie und Xenia


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