Frage im Expertenforum Beziehungsprobleme an Xenia Bukowsky:

Partner schweigt Konflikte aus

Frage: Partner schweigt Konflikte aus

KleinesWunder

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Hallo, Das ist das erste Mal, dass ich wegen eines Problems in einem Forum schreibe, aber aktuell weiß ich nicht mehr weiter und brauche Rat wie ich wieder glücklich werden kann.  Mein Partner und ich sind seit 14 Jahren zusammen und haben 2 Kinder (4 Jahre und 4 Monate).  Mein Partner war schon immer der Typ "Schweigen". Wenn es ihm schlecht geht oder er sich nicht wohl fühlt oder ihn etwas stört dann sagt er nichts sondern schweigt einfach mit Leidensmiene vor sich hin. Wenn man ihn darauf anspricht bekommt man keine Antwort. Genauso bei einem Streit. Das sind nämlich eigentlich keine Streits sondern viel Schweigen.  früher war es eben nur vereinzelt, aber es wird immer schlimmer. Vor 2 Jahren beschwerte er sich über zu wenig Freizeit. Er war nie der Typ für Ausflüge und das wurde mit den Jahren nicht besser auch wenn ich gerne mal unterwegs bin. Also machte ich alles alleine mit meinem Kind: Besuche bei Oma und Opa, Ausflüge in den Tierpark oder ins Schwimmbad oder Freizeitpark, Spielverabredungen, Kinderturnen und Urlaube. Alleine mit Freunden bin ich eigentlich gar nicht mehr unterwegs und wir als Familie eigentlich auch so gut wie nie. Paarzeit hatten wir in 4 Jahren genau einmal. Da waren wir im Kino und dann Essen. Ansonsten abends vor dem Fernsehr. Obwohl er echt viel Zeit alleine hat, bringt er regelmäßig Sprpche dass er ja nie richtig Urlaub hätte weil wenn er nicht bei der Arbeit ist dann müsste er für die Kinder da sein. Wenn ich ihn frage was er denn machen wollen würde, kommt nichts. Alle 6 Wochen ist er mit Freunden den Tag Über Weg.  So eine lange Zeit für mich hatte ich seit Jahren nicht mehr.  Ich kümmere mich tagsüber um die Kinder und Hund um den Haushalt und den Garten. Er geht arbeiten, einkaufen und kochen. Und eigentlich dachte ich das wäre nun nicht unfair.  Aber jetzt schon seit Monaten hat er eigentlich permanent schlechte Laune. Dann sitzt er die meiste Zeit mit geschlossenen Augen und der Stirn in Falten irgendwo rum und redet nicht. Wenn ich ihn frage was ist dann kommt meistens gar nichts. Er ist auch super oft und schnell genervt von unserem Sohn und fährt ihn dann echt schnell und auch hart an. Da zucke ich schon zusammen. Wenn mein Sohn wegen irgendwas weint, kommt dann er soll nicht jammern etc. Ich habe auch das Gefühl ihn interessiert nichts mehr. Er fragt nie nach wie irgendwas war wenn ich mit den Kindern unterwegs bin. Er redet über die Arbeit oder eben gar nicht. Abends sitzen wir meistens schweigend vor dem Fernseher. Wenn er Mal mit bei meiner Familie ist dann sagt er teilweise die ganze Zeit kein Wort so dass ich schon gefragt werde was denn los ist mit ihm oder ich merke wie sich die anderen über ihn unterhalten. Und wenn er mal nicht schweigt dann motzt er meine Nichten an in einem Ton...die haben schon richtig Angst vor ihm. ich bin schon richtig grlücköicj wenn er mal gute Laune hat und laufe auf Eierschalen damit das so bleibt. Manchmal bin ich schon verzweifelt wenn mein Sohn traurig ist weil ich denke gleich geht das Gemecker wieder los und alles eskaliert noch mehr und dann ist wieder Totenstimmung.  Das alles ist viel schlimmer seit wir vor 4 Monaten unser zweites Kind bekommen haben. Als ich aus dem Krankenhaus nach Hause hat er ca 3 Wochen fast kein Wort gesagt. Warum weis ich bis heute nicht. Wahrscheinlich weil er erkältet war. Ich saß jeden abend alleine mit dem Baby im Bett und habe geheult. Bei den hebammterminen war er nie dabei und hat auch nie gefragt ob alles gut Ist. Das hat mich alles so verletzt, dass ich es glaube ich bis jetzt nicht überwunden habe.  als er vor einer Woche unser Kind wieder so anfuhr dass er weinte, habe ich mal meine Meinung gesagt. Er ist dann wortlos raus. Nachdem beide Kinder im Bett waren habe ich ihn gesucht und er saß schweigend irgendwo. Dann wollte ich mit ihm drüber reden dass ich einfach nur will dass er versucht einen anderen Umgang zu finden mit dem Kind auch wenn er genervt ist, da meinte er dann er könne das alles nicht mehr dass er der böse sein muss weil ich keine Grenzen setzen kann...Dass er auf dem Zahnfleisch geht weil er nie Zeit hätte und sich immer ums Kind kümmert.  Aber immer wenn ich gefragt habe was er denn WILL - was will er denn mit seiner Zeit machen?! Kommt schweigen. Wir saßen da ca 3 Stunden und von ihm kamen 6 Sätze wenn's hochkommt. Ich meinte zu ihm wenn wir was ändern sollen dann soll er sagen was: Schweigen; wenn er das Gefühl hat er braucht mal richtig Urlaub was er denn machen will wenn kickt Zeit mit den Kindern: schweigen  was ich ändern könnte: schweigen  Wenn ich dann rede und mich erkläre sagt er ich würde die Fehler nur bei ihm suchen oder ihn kritisieren. Ich weiß einfach nicht was ich noch machen soll. Entweder trifft mich Schweigen oder Vorwürfe. Als ich geweint habe und ihm gesagt habe wie sehr mich das verletzt hat dass er kaum mit mir geredet hat als unser Sohn neugeboren war, kam wieder schweigen. Da bin ich dann ins Bett. Dann wurde wieder 1 Tag nicht geredet und einen Tag war dann wieder "alles normal". Heute waren wir dann wieder bei meinen Eltern (er kam freiwillig) und er hat nur geschwiegen wieder. Ich glaube meine Familie fühlt sich schon richtig unwohl wenn er da ist. Ich bin schon ungern zu Hause weil ich nur auf den nächsten Konflikt zwischen ihm und meinem Sohn warte oder wieder dieses missmutige Schweigen ertragen muss.  Es ist mir heute wieder aufgefallen wie mir eine Last abgefallen ist als ich bei meinen Eltern war alleine und wie es wieder trüb wurde als mein Mann kam und kaum geredet hat. Ich bin so einfach nicht mehr glücklich und weiß nicht mehr wie ich etwas ändern kann. 


Xenia Bukowsky

Xenia Bukowsky

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Hallo Du, danke, dass du dich getraut hast, das hier aufzuschreiben, auch wenn es das erste Mal ist. Was du beschreibst, ist eine tiefe Erschöpfung, die sich über Jahre aufgebaut hat, und es ist gut, dass du jetzt nach Wegen suchst, wieder glücklich zu werden. Das steht dir zu. Du schreibst, du hättest gedacht, die Aufteilung sei fair: er geht arbeiten, einkaufen und kochen, du kümmerst dich um Kinder, Hund, Haushalt und Garten. Wenn man das rein nach Aufgabenlisten sortiert, mag das ausgeglichen aussehen. Aber die sogenannte Mental Load (also das ständige Mitdenken, Organisieren, Planen und emotionale Auffangen von allem, was mit den Kindern passiert) liegt komplett bei dir. Das ist ein Muster, das in heterosexuellen Partnerschaften nach der Geburt von Kindern sehr häufig auftritt: Frauen übernehmen automatisch die unsichtbare, nie endende Verantwortung, während die sichtbaren, zeitlich begrenzten Aufgaben (Job, Einkaufen) als „der Beitrag" gelten. Es ist keine Fairness, denn es ist eine gesellschaftlich eingeübte Rollenverteilung, die vor allem Frauen einschränkt: dich in die der endlos Verfügbaren, aber auch ihn in die des emotional Abwesenden. Du beschreibst, wie du auf Eierschalen läufst, damit die Stimmung nicht kippt. Das ist ein enormer Preis, den du täglich zahlst für seine Unfähigkeit oder Unwilligkeit, seine Gefühle zu benennen. Schweigen wirkt oft harmlos, denn es ist ja „nur" Stille. Aber wenn Stille benutzt wird, um andere zappeln zu lassen, um Verantwortung für Konflikte abzuwälzen oder um sich Auseinandersetzungen zu entziehen, dann ist das eine Form von emotionaler Kontrolle. Du bist diejenige, die immer wieder versucht, Kontakt herzustellen, Gespräche einzufordern, Verständnis zu finden und bekommst dafür Schweigen oder den Vorwurf, ihm die Schuld zuzuschieben. Das ist eine unfaire Dynamik, in der du die gesamte emotionale Arbeit der Beziehung trägst, während er sich ihr entzieht. Dass er schnell genervt ist und hart reagiert, wenn euer Sohn weint oder „jammert", ist besonders besorgniserregend. Kinder brauchen einen sicheren Raum für ihre Gefühle und du beschreibst, dass du schon Angst hast, wenn dein Sohn traurig ist, weil du weißt, was dann kommt. Das ist eine Belastung, die auch bei deinem Kind Spuren hinterlassen kann. Es ist nicht deine Aufgabe, ständig zu vermitteln oder zu deeskalieren, damit dein Partner nicht ausrastet. Gegenüber deiner Nichte und deinen Eltern trägst du nicht die Verantwortung für sein Verhalten, auch wenn es sich so anfühlt. Dass er in den ersten drei Wochen nach der Geburt eures zweiten Kindes kaum mit dir gesprochen hat, während du abends allein mit dem Baby geweint hast, ist etwas, das wehtun darf und das du nicht einfach abhaken musst. Die Zeit nach einer Geburt ist eine der verletzlichsten Phasen im Leben sowohl körperlich, hormonell als auch emotional. Dass er bei Hebammenterminen nie dabei war und nie nachgefragt hat, wie es dir geht, zeigt ein Muster von Abwesenheit genau dann, wenn du ihn am meisten gebraucht hättest. Das darfst du benennen, ohne dass es dir als „Vorwürfe suchen" ausgelegt wird. Du hast schon versucht, das Gespräch zu suchen und das stundenlang, mit sehr wenig Resonanz. Das ist erschöpfend, und es ist verständlich, dass du nicht mehr weißt, wie es weitergehen soll. Eine Paarberatung, zum Beispiel bei ProFamilia, kann hier ein geschützter Rahmen sein, in dem eine dritte Person das Gespräch moderiert. Das nimmt dir nicht die ganze Last, aber unterstützt bei der Gesprächsführung. Es ist kann Chance sein, dass ihr nicht wieder in dieselbe Sackgasse aus Schweigen und Vorwürfen lauft. Hier kannst du nach Beratungsstellen suchen: https://www.profamilia.de/beratung/unsere-beratungsstellen. Wichtig: Auch wenn er nicht mitkommen möchte, kannst du allein hingehen, um für dich selbst Klarheit zu gewinnen, was du brauchst und was du bereit bist, weiter mitzutragen. Du schreibst, dass du dich erleichtert fühlst, wenn du bei deinen Eltern bist, und dass die Stimmung wieder kippt, sobald er dazukommt. Das ist ein sehr klares Signal, das du ernst nehmen solltest. Es gibt dir wichtige Information über das, was dir guttut und was dich belastet. Du hast schon so viel getragen. Es ist völlig in Ordnung, jetzt für dich selbst einzustehen und zu sagen: So möchte ich nicht weiterleben, und ich verdiene eine Partnerschaft, in der beide Seiten sichtbar und emotional präsent sind. Alles Gute für dich und eure Kinder. Herzliche Grüße Leonie und Xenia


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