Frage im Expertenforum Beziehungsprobleme an Leonie Traub:

Keine Vater-Kindbeziehung mehr

Frage: Keine Vater-Kindbeziehung mehr

medow

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Liebe Leonie, ich bin ein Vater mit 44 von einem Sohn (6) und Mädchen (3).  Mit der Mama bin ich zwar noch zusammen aber es kriselt schon länger. Eine Trennung steht aktuell aber nicht an. Mein Problem ist eine Trennung ist für mich nicht möglich, da ich die Kinder dann komplett verliere, was ich vermeiden will. Wir haben das gemeinsame Sorgerecht und ich gebe mit Mühe wo immer ich kann, aber die Kinder sind 100% Mama fixiert. Vermutlich weil die Mama beide Kinder sehr lange gestillt hat, was ich nicht so gut fand. Bis zu einem Alter von 3 Jahren war der große ein Papakind und es wechselte von einem Tag zum anderen. Die Kleine nimmt mich schon länger nicht mehr wahr. Selbst Besuch, der nur alle paar Monate zu Besuch kommt, hat mehr Glück als ich. Beide Kinder können ausschließlich von Mama ins Bett gebracht werden und brauchen diese Nähe und vor allem Kontakt zur Brust (mit Händen, werden beide zum Glück nicht mehr gestillt). Wir hatten es mehrfach versucht, aber es war ein großes Leid für alle Beteiligten. Wir waren auch schon bei der Familienberatung aber das führte zu keiner Lösung. Ich vermute die Abhängung ist beidseitig (Mutter-Kind), da die Mama es nicht schafft den Kontakt zur Brust den Kindern zu verbieten. Obwohl ich meine Kinder sehr, sehr liebe spiele ich mit dem Gedanken die Familie dauerhaft zu verlassen, das Sorgerecht abzugeben und nur noch ein Zahlpapa zu sein und mein Glück wo anders zu suchen. Es fühlt sich einfach so unfair und gemein an, zumal ich alles gebe für meine leiblichen Kindern gebe, aber keinen Stich habe, keinen einzigen! Ich denke auch, dass es meinen Kindern recht egal ist, wenn ich gehe und Sie mich nur wie ein "Erzieher" oder "netten Kumpel" sehen. Vor 2 Wochen war die Mama eine Woche bei Ihren Eltern mit den Kindern und die Kinder haben nicht einmal nach mir gefragt. Das Wiedersehen war schön aber eher ganz kurz und abgestumpft. Da die Kinder mit 18 eh eigene Wege gehen, sind die Jahre des Einflusses auch eher begrenzt. Können Sie mir eventuell einen Ratschlag geben ? Ich kann und spiele gerne und oft mit den Kindern aber alleine unternehmen funktioniert nur wenige Stunden ohne Mama. Alles wollen Sie seit über einem Jahr nur mit Mama machen weshalb ich ernsthaft über einen harten Exit nachdenke.  


Leonie Traub

Leonie Traub

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Hallo Medow,  Vielen Dank für deinen Beitrag!  Es ist spürbar, wie sehr du unter der von dir beschriebenen Situation leidest, und mutig, dass du so offen über deine Sorgen schreibst.  Wichtig ist, die enge Bindung deiner Kinder an ihre Mutter ist kein Zeichen dafür, dass du versagst oder dass sie dich nicht lieben. Kinder in diesem Alter binden sich oft besonders stark an die Person, die die meiste körperliche und emotionale Fürsorge geleistet hat. Stillen und Körperkontakt stärken nachweislich die emotionale Sicherheit von Kindern. Es ist schön, dass deine Kinder und deine Frau diese Verbindung haben. Denn sie ist wichtig für die weitere Entwicklung deiner Kinder. Wir denken, du kannst dich darüber freuen, dass du eine Partnerin hast, die eine so enge Bindung aufbauen konnte. Dabei geht es nicht um "Abhängung", sondern um gelebte Fürsorge.   Die Entscheidung, ob und wie lange Personen stillen, liegt bei den Personen selbst. Du kannst deine eigene Meinung dazu haben, aber nicht darüber entscheiden.   Bindung zu einem Vater entsteht oft anders und auf einem anderen Zeitstrahl. Das ist nicht weniger wertvoll. Kinder erinnern sich daran, wer mit ihnen gespielt hat, wer da war, wer nicht aufgegeben hat. Bindung entsteht nicht durch Liebe allein, sondern durch konsequente, alltägliche Präsenz. Windeln wechseln, nachts aufstehen, Trösten, Kranksein aushalten. Wenn deine Partnerin das überwiegend getan hat, ist die Bindung der Kinder zu ihr kein Unrecht dir gegenüber, sondern eine logische Konsequenz.   Vielleicht kannst du dir überlegen, auf welche Art du körperliche und emotionale Fürsorge geben kannst? Du könntest auch mit deiner Frau besprechen, welche Aufgaben sie gerne an dich übergeben würde und welche in Zukunft deine sein könnten. Kannst du beispielsweise die tägliche Morgenroutine übernehmen und Frühstück zubereiten und zusammen essen? Oder du übernimmst abends das Zähne putzen und baden? Auch Einschlafrituale wie Vorlesen und ein Lied, das nur du mit ihnen singst, kann helfen. Ihr könnt die Kinder gemeinsam ins Bett bringen und deine Frau zieht sich nach und nach hinaus, übergibt das Ritual an dich. Vielleicht zeigen deine Kinder besonderes Interesse an bestimmten Themen oder Tätigkeiten und du kannst dir dazu etwas überlegen, was nur du mit ihnen machst? Vielleicht führt ihr eine Routine ein, dass du jeden Tag eine halbe Stunde mit den beiden auf den Spielplatz gehst. Oder du überlegst dir einen wöchentlichen Ausflug mit den beiden.   Der Gedanke, das Sorgerecht abzugeben und "nur noch Zahlpapa" zu sein, weil die Bindung gerade schwierig ist, ist kein Exit-Plan, das ist eine Kapitulation vor den Bedürfnissen deiner Kinder. Kinder brauchen keinen perfekten emotionalen Gleichstand zwischen den Elternteilen. Sie brauchen einen Vater, der bleibt, auch wenn es sich unfair anfühlt. Der Gedanke, die Familie zu verlassen und das Sorgerecht abzugeben, ist verständlich als Ausdruck von Erschöpfung und Schmerz. Vielleicht kannst du hier nochmal in dich gehen und dir überlegen, wie du in 10 Jahren auf diese Entscheidung zurückblicken würdest und wie deine Kinder dann darauf schauen könnten.  Du hast auch beschrieben, dass es in deiner Beziehung kriselt. Besprecht ihr in der Beziehung, wie es dir derzeit geht? Was sagt deine Partnerin dazu? Was würde sie unterstützen in Bezug auf eure gemeinsame Sorgearbeit mit den Kindern?  Für uns klingt es auch, als wäre bei dir eine Kränkung und ein Konkurrenzgefühl entstanden. Das geht vielen Vätern so. Wäre es für dich eine Möglichkeit, diese entstandenen Gefühle in einer Psychotherapie aufzuarbeiten? An Eltern entstehen viele Erwartungen, die nicht immer leicht zu erfüllen sind. Unter der Nummer 116 117 kannst du eine zeitnahe Sprechstunde ausmachen. Das ist deutschlandweit möglich und ein guter Weg, um ein Erstgespräch zu erhalten. Von dort aus hast du dann Unterstützung, um den weiteren Weg zu planen und zu schauen, was du gerade brauchst.  Wir wünschen euch alles Gute!  Xenia und Leonie 


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