Frage im Expertenforum Beziehungsprobleme an Leonie Traub:

Ehekrise nach Geburt

Frage: Ehekrise nach Geburt

mohnblume_26

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Hallo,  mein Mann und ich haben vor knapp 4 Wochen unser erstes Kind bekommen. In der Schwangerschaft hat er sich sehr gut immer um uns zwei gekümmert, auch wenn er dort trotzdem erwartet hat, dass ich den Haushalt so schmeiße wie zuvor auch. Gegen Ende hatte er dann verstanden, das dies körperlich nicht mehr alles so geht und mich zumindest mit der Wäsche unterstützt.  Ich hatte eine Geburt die mit Geburtsverletzungen einherging. Nachdem wir das Krankenhaus verlassen haben, begann er schon damit, dass seine komplette Familie (er kommt aus Rumänien- andere Nationalität) vorbeikommen wollte um uns zu sehen. So wirklich "Nein" sagen konnte ich nicht. Also startet mein Wochenbett nicht mit "im kann im Bett erstmal mit meinen Kind ankommen und auch meine Geburtsverletzung kann in Ruhe heilen". Eigentlich habe ich seit Woche 1, den Haushalt wieder normal geführt und mich nicht wirklich schonen können, auch da mein Mann arbeiten musste. Vor meiner Familie, habe ich dies immer verheimlich und gesagt, das er mich super unterstützt und ich mich schonen kann.  Das mit den Wochenbett ist das erste Problem, wo mein Mann auch null Verständnis zeigen kann. Gerade auch jetzt wo ich eine Brustentzündung habe und meine Hebamme sagt, das ich mich schonen soll. Von mein Mann kam nur " wieso du schonst dich doch sowieso die ganze Zeit und tust nichts?!" Dabei müsste er eigentlich sehen, dass ich den Haushalt mache und auch wieder mit unseren Hund Gassi gehe.  Das zweite Problem ist, dass mein Mann sagt das er nicht wirklich schlafen kann (sehe ich etwas anders, da er eigentlich nicht wirklich mitbekommt wie oft ich nachts aufstehe zum stillen etc.) und sich von unseren Sohn gestört fühlt. Zunächst hat es ihn gestört, dass ich mit ihn im Elternbett im Arm bzw. auf der Brust eingeschlafen bin und so geschlafen habe, weil er das Beistellbettchen nicht mochte. Dadurch konnte mein Mann nicht wirklich schlafen und auch nicht mit mir kuscheln. Nun schläft unser Sohn einigermaßen im Beistellbett, macht dort aber viele Geräusche und bewegt sich auch viel. Allgemein gesagt, ist dort unruhiger im Schlaf. Dadurch kann mein Mann jetzt aber auch nicht schlafen. Er meint ich soll ihn doch in sein Kinderzimmer legen, dies vernein ich aber. Er macht mir nur Vorwürfe, dass ich den Kleinen verwöhnt hätte und er sich daran gewöhnt hat, nur bei mir oder bei ihn auf den Arm genommen werden will und dort schlafen will. Zudem sei ich ja nur noch Mutter und nicht mehr Ehefrau..  Mittlerweile bin ich echt fertig, ich fühl mich total allein gelassen und unverstanden. Mein Mann und ich hatten immer wieder in unseren 8 Jahren Beziehung (2 Jahre Ehe) Höhen und Tiefen, Tiefen mit vielen Verletzungen und Respektlosigkeit. Aber haben es immer wieder geschafft. Ich wollte immer jung Mutter werden, nun bin ich es und jetzt hab ich das Gefühl, alles falsch zu machen. Ich weiß dass ich auch Ehefrau bin und ich möchte auch körperliche Nähe, nur für mich ist mein Sohn gerade an erster Stelle. Wenn er nachts Nähe braucht dann gebe ich diese und wenn er weint, dann beruhige ich ihn sofort. Das mein Mann zu kurz kommt, dass ist mir klar. Allerdings setzt er, in meinen Augen, auch gerade andere Prioritäten.  Ich weiß halt nicht, wie wir unser dieser Spriale der ständigen Vorwürfe und Streitigkeiten rauskommen.. 


Leonie Traub

Leonie Traub

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Hallo Mohnblume,  Vielen Dank dass du dich an uns wendest. Es ist sehr verständlich, dass du dich in deiner aktuellen Situation allein gelassen und unverstanden fühlst!     Du beschreibst, dass dein Mann gerade zu kurz kommt. Du hast als Ehefrau keinerlei Pflichten, was körperliche Nähe angeht. Wir sind als Gesellschaft weiter als das. Es ist nicht ok, dass er dir Vorwürfe macht, dass du “nur noch Mutter” bist. Du hast vor vier Wochen ein Baby bekommen und trägst die körperlichen Auswirkungen davon. Es ist wichtig, dass du jetzt im Fokus bist und dich in Ruhe erholen kannst.     Natürlich ist dein Sohn gerade an erster Stelle. Es ist gut, dass du dich um seine Bedürfnisse kümmerst und danach schaust, was er braucht. Ihr beide solltet so schlafen, wie es für ihn gut ist im Moment. Nach vier Wochen ist es ganz normal, dass dein Sohn nur in deiner Nähe schlafen kann und nachts Geräusche macht. Wenn sich dein Mann daran stört, muss er eine Lösung für sich finden und eventuell woanders übernachten. Eine andere Lösung wäre aber auch, dass er dich und deinen Sohn nachts unterstützt. Ihr seid beide Eltern geworden und die anfallenden Aufgaben sollten so zwischen euch aufgeteilt werden, dass es für dich ok ist. Gibt es die Möglichkeit mit eurer Hebamme zu besprechen, welche Aufgaben er (nachts) übernehmen kann?    Dein Mann muss genau wie du Aufgaben im Haushalt übernehmen. Das ist nicht automatisch deine Aufgabe, weil du eine Frau bist. Er muss seinen Anteil übernehmen, vor allem wenn du gerade körperlich eingeschränkt bist. Noch immer ist es leider so, dass Männer in heterosexuellen Beziehungen deutlich weniger Aufgaben im Haushalt übernehmen. Das ist leider bis heute sehr normalisiert und wird von der Gesellschaft mitgetragen. In Folge entsteht dadurch eine starke Benachteiligung von Frauen. In einer fairen Beziehung sollten die Aufgaben so aufgeteilt werden, dass es für beide gerecht ist. Könnt ihr besprechen, ob sich dein Mann gemeinsam mit dir Elternzeit nimmt für eine bestimmte Zeit, so dass du Unterstützung hast in diesen intensiven Anfangswochen? Oder er nimmt sich ein paar Tage Urlaub, dass du erstmal ausruhen kannst? Wenn beides nicht spontan geht, gibt es für Extremsituationen, in denen sich die Belastung auch auf deine Gesundheit auswirkt, auch immer die Möglichkeit, sich für ein paar Tage krank schreiben zu lassen.     Vor allem muss dein Mann auch deine Grenzen respektieren. Er kann nach deiner Geburt nicht entscheiden, wer wann zu Besuch kommt. Diese Entscheidung liegt ausschließlich bei dir. Deine Bedürfnisse nicht zu respektieren, ist eine klare Grenzüberschreitung!     Nach der Geburt ist es medizinisch notwendig, sich zu erholen und den Körper heilen zu lassen. Deine Hebamme hat dir zusätzlich empfohlen, dich wegen einer Brustentzündung zu schonen. Dir in deinem jetzigen Zustand vorzuwerfen, du würdest nichts tun und dich zu viel schonen ist gewaltvolles Verhalten. Dein Mann bringt dich damit in Gefahr.     Du schreibst, dass du deiner Familie verheimlicht hast, dass du wenig unterstützt wirst. Das können wir gut verstehen. Über schwierige Situationen in der Beziehung mit anderen zu sprechen, kann sehr schwer und schambehaftet sein. Denn wir sind daran gewöhnt, dass es in einer Familie keine Probleme geben darf und alles “perfekt” laufen muss. Die Realität ist aber, dass es in allen Beziehungen zu schwierigen Situationen kommen kann. Gerade bei großen Veränderungen wie Umzügen, Hochzeiten oder Geburten, in denen sich Dynamiken automatisch ändern können, ist die Gefahr für Streits und Auseinandersetzungen groß. In eurer Situation bist nicht du das Problem. Dein Mann verhält sich unfair und in Teilen sogar gewaltvoll. Deine Wut ist berechtigt. Es ist wichtig, dass du damit nicht allein bleibst.    Gibt es Personen in deinem Umfeld, denen du davon erzählen kannst? Vielleicht ist es leichter, sich erstmal einer Freundin oder Nachbarin anzuvertrauen? Oder du probierst mal die anonyme Hotline des Frauenhilfetelefons (116 016 oder online)? Wir denken aber auch, es wäre gut, wenn du mit deiner Familie darüber reden kannst. Du brauchst derzeit Unterstützung. Indem du das Verhalten deines Mannes verheimlichst, schützt du ihn. Das ist gerade nicht deine Aufgabe. Du fühlst dich, als ob du alles falsch machst. Wir denken, du machst gerade alles richtig, aber kannst auf Dauer nicht alles allein meistern. Du brauchst Unterstützung und dein Mann muss sich anders verhalten!    In manchen Fällen kann es schwierig sein, aus eingefahrenen Dynamiken in der Beziehung herauszukommen. Gerade, wenn, wie du beschrieben hast, eine Spirale der ständigen Vorwürfe entstanden ist. Könnte es eine Möglichkeit sein, dass ihr gemeinsam mit einer weiteren Person, der ihr beide vertraut, über eure derzeitige Situation sprecht? Ihr seid noch jung. Vielleicht hilft es mit einer älteren Person zu sprechen, die ebenfalls Kinder bekommen hat?     Wenn du Bedenken hast, deine Situation mit Personen aus deinem Umfeld zu teilen, kannst du auch nach einer Erziehungs- und Familienberatungsstelle in deiner Nähe suchen: https://www.bke.de/bke/beratungsstellensuche. Die Beratung dort ist kostenlos und die Mitarbeitenden kennen sich gut mit Fragestellungen und Situationen wie deiner aus. Hier könntest du allein hingehen oder gemeinsam mit deinem Mann einen Termin ausmachen.     Wenn es in deiner aktuellen Situation zu kraftaufwändig ist, dich mit der Beziehung auseinanderzusetzen, kannst du auch erstmal schauen, wie du konkrete Unterstützung bei den Haushaltsaufgaben bekommst. Dann kannst du dich erstmal schonen und wieder zu Kräften kommen und dann in einem weiteren Schritt mit deinem Mann sprechen. Die Krankenkasse übernimmt beispielsweise nach ärztlich angeordneter Schonung auch die Kosten einer Haushaltshilfe. Hier kannst du nach Schwangerschaftsberatungsstellen in deiner Nähe suchen, in denen du dich dazu beraten lassen kannst: https://awo-schwanger.de/beratungsstellen/ Auf der Seite findest du auch einen Link für Online Beratung, wenn dir das im Moment lieber ist.     Wir hoffen, bei den vorgeschlagenen Ideen war etwas für dich dabei. Herausfordernde Situationen wie deine, brauchen genau abgestimmte Lösungen, dir für jede Person anders aussehen können. Wichtig ist aber, dass du nicht allein bleibst. Du hast ein Recht darauf, Unterstützung zu bekommen.     Du klingst wie eine fürsorgliche und starke Person. Du kannst das schaffen.    Liebe Grüße  Xenia und Leonie 


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