Frage im Expertenforum Beziehungsprobleme an Leonie Traub:

Schwiegereltern-Auszug

Frage: Schwiegereltern-Auszug

Poan

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Guten Abend,  Ich bin vor gut 1,5 Jahren mit meinem Sohn zum Vater ins Elternhaus gezogen. Vorher haben wir als kleine Familie etwas weiter weg in einer Wohnung gelebt.  Wider Erwarten ist es furchtbar.  Ich bin komplett mit den Nerven fertig  und ich werde mit dem Kind ausziehen und hoffe, dass mein Partner auch mitkommt. Es sind einige Dinge vorgefallen,  mein Schwiegervater spricht kaum mit mir, wirft mir Sachen an den Kopf die nicht wahr sind. Zuletzt schrie er mich an, dass er mit mit nicht reden dürfe. Warum? Weiß ich nicht,  er sagt auch dass er es nicht wissen. Angeblich hat mein Partner gesagt, dass sid mit mir nicht reden dürfen.  Dieser wollte aber nur, dass sie sich nicht einmischen. Im Grunde ist mein Schwiegervater seit meinem Einzug schlecht gelaunt,  redet mit mir und dem Kind kaum, streitet fast jeden Tag mit meinem Partner . Normale Gespräche sind nicht mehr möglich.  Im Herbst war ein großer Streit,  weil ich wohl nicht normal bin,  zuviel unterwegs bin, zu wenig in Haushalt mache, der Kleine ja wegen mir immer krank ist ( keine Socken etc, er schwitzt aber schnell und stark)....es geht dann auch wieder um meine Eltern  ( um eine Sache die einfach nicht stimmt). Ich schleiche durchs Haus, versuche so oft wie möglich weg zu sein, nicht aufzufallen,  bin furchtbar nervös und gereizt, sehr ungerecht ,leider, meinem Kind gegenüber,  streite mit meinem Partner leider auch zu oft, schlafe schlecht, Weine viel. Ich möchte einfach nach Hause kommen und mich wohl fühlen.  Unbeschwert sein, singen und vorlesen ohne,  dass der "Alte" vor Wut fue Stiegen auf und abläuft, mich deswegen sogar anschreit. Leider gehen sid auch einfach in unsere Räume und räumen um, schalten Heizung ein. Ich habe versucht,  es nicht an mich hersnzulassen aber es geht nicht.  Am Wochenende ging es mir so schlecht,  dass ich mich fast ins Krankenhaus begeben hatte. Mein Schwiegervater meinte sogar, dass das Kind ja so blöd sei wegen uns "Alten ". Es hört sich irgendwie nicht schlimm an, aber ich empfinde es als sehr anstrengend und angespannt und belastend.  Zuhause hocke ich in einem kleinen Zimmer um ja nicht wieder für Gesprächsstoff und Wut zu sorgen oder bin so gut wie möglich weg. Samt Kind. Irgendwie ist das anstrengend.  Bis ich ausziehen kann,  dauert es noch. Was tu ich jetzt am Besten? Reden hilft nicht. Aber die Stimmung ist extrem unangenehm.  Ich bin leider nicht besonders taff und mir bereitet es fast körperliche Schmerzen.  Ich hab auch Angst, dass es Auswirkungen auf die Entwicklung unseres Kindes hat.  Er sieht mich viel zu oft weinen, schreien und verzweifelt sein. Er muss dann auch in einen neuen Kindergarten,  hier im Ort gibt es kaum Mietwohnungen. 


Leonie Traub

Leonie Traub

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Liebe Poan,  vielen Dank, dass du dich uns nochmal anvertraust. Was du beschreibst, klingt nach einer echten und tiefen Belastung und hat sich in den letzten Monaten auch nochmal zugespitzt. Wenn man im eigenen Zuhause schleicht statt lebt, hinterlässt das Spuren – körperlich und seelisch. Dass es dir am Wochenende so schlecht ging, solltest du unbedingt ernst nehmen und als Warnsignal sehen. Bei euch muss sich dringend was ändern!  Du berichtest von einem geplanten Auszug, was sich in deiner Situation nach dem richtigen Schritt anhört. Du beschreibst, dass du dich nicht als taff empfindest. Wir denken, du bist eine sehr starke Person, die schon viel ausgehalten hat. In deinem Beitrag klingt es so, als wärst du mit allem ganz auf dich allein gestellt, und das bei einem Kind, das ihr gemeinsam versorgt. Das ist eine enorme zusätzliche Last.  Dein Partner hat schon erste Schritte getan und deinen Schwiegereltern mitgeteilt, dass sie sich nicht einmischen sollen. Das ist ein guter Ansatzpunkt. Wenn Gespräche derzeit nicht weiterführen, versucht Grenzen zu stecken und euch Unterstützung zu suchen, solange ihr dort lebt. Hast du die Möglichkeit, für ein paar Tage mit deinem Kind wegzufahren und eine Freundin zu besuchen? Das kann manchmal kurzfristig eine Entlastung bringen. Gibt es eine Person aus dem Bekanntenkreis, die ab und zu bei euch vorbeikommen kann? Das kann ein Puffer zwischen dir und den Schwiegereltern sein. Könnt ihr ausmachen, dass eure Wohnung euer Bereich bleibt, zu dem deine Schwiegereltern keinen Zutritt haben? Konflikte zwischen intergenerationalen Wohnkonzepten passieren sehr häufig und sind manchmal nicht leicht zu klären. Hier bestehen viele Besitzansprüche und verschiedene Lebensentwürfe, die durchaus auch mal konfliktreich aufeinandertreffen können. In vielen Fällen lassen sich Lösungen finden. Bei euch klingt es allerdings so, als ob viele Grenzüberschreitungen passiert sind, bei denen es durchaus verständlich ist, dass du belastet dadurch bist und eine andere Wohnsituation brauchst. Vielleicht hilft es, wenn du dir mit deinem Partner gemeinsam einen Ort suchst, an dem ihr besprechen könnt, was ihr derzeit voneinander braucht und wie ihr mit der Situation am besten umgehen und dich schützen könnt. Erziehungs- und Familienberatungsstellen können dabei unterstützen und auch einschätzen helfen, wie sich die aktuelle Belastung auf dein Kind auswirkt: https://www.dajeb.de/beratungsfuehrer-online/beratung-in-ihrer-naehe/. Es gibt auch telefonische Beratungen, schau mal, ob deine örtliche Beratungsstelle es anbietet.    Da du bereits von körperlichen Symptomen sprichst, könnte ein erster Schritt sein, mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber zu sprechen. Sie können auch weiterhelfen, wenn es darum geht, eine Psychotherapie zu finden oder eine Kur zu beantragen. Dort kannst du die Situation für dich in Ruhe sortieren und ein bisschen Abstand gewinnen. Wichtig ist, es geht nicht darum, die Situation besser auszuhalten, sondern darum, dich zu stärken und dir zu bestätigen, dass dein Leid keine Kleinigkeit ist. Sätze wie "klingt vielleicht nicht so schlimm" sprechen dir deinen Kummer ab. Wenn man sich im eigenen Zuhause so unwohl fühlt, dass es körperliche Schmerzen bereitet, dann ist das ernst zu nehmen.  Ein Umzug mag erstmal mit vielen Sorgen wie dem Suchen einer neuen Kita einhergehen. Mach das alles Schritt für Schritt, dann ist es schaffbar. Erstmal musst du aus einem Umfeld heraus, in dem du Vorwürfe bekommst und dich nicht frei bewegen kannst.  Wir wünschen dir viel Kraft und alles Gute!  Leonie und Xenia


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