Frage im Expertenforum Kochen für Kinder an Dipl. oec. troph. Birgit Neumann:

Essverhalten Kleinkind

Dipl. oec. troph. Birgit Neumann

Dipl. oec. troph. Birgit Neumann
Diplom Ökotrophologin und Ernährungsberaterin

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Frage: Essverhalten Kleinkind

Nadine8492

Hallo, ich wende mich nochmal an Sie, da sie mir schon mal weiter geholfen haben!  Meine Tochter ist jetzt 25 Monate alt, topfit und eigentlich ein sehr ausgeglichenes Kind. Sie isst unheimlich gern. Brot, Joghurt, Obst (alles), Gemüse (da leider nur Gurke, Tomaten, Möhren, Kohlrabi), Ei....und die Menge ist auch absolut ausreichend. Unser Problem sind die warmen Mahlzeiten. Ich koche fast immer frisch, immer von allem etwas, aber sie rührt meistens nur die Beilagen an, bzw auch mal nur die Nudeln/Reis, den Rest lässt sie stehen. Sie mochte mal unheimlich gern Bolognese, die sie jetzt absolut verweigert. Ich weiß, dass ich ihr keinen Druck machen darf, aber es ist frustrierend, wenn sie manchmal einfach nur ein paar Nudeln und Möhren trocken isst und das dann die Mahlzeit gewesen sein soll. Ich weiß nicht so recht, wie ich ihr das essen schmackhaft machen soll. Soßen isst sie gar nicht, außer beim Wurstgulasch, wie gesagt kaum Gemüse, Suppen isst sie auch nicht, Kartoffeln und Kartoffelpüree nicht..und mir gehen echt die Ideen aus, was ich ihr anbieten könnte, damit sie einfach auch mal probiert. Muss ich so Angst haben, dass sie einen Mangel erleidet?  Können Sie mir da irgendwelche Tipps oder Anregungen geben? Ganz lieben Dank!  Gruß, Nadine 


Birgit Neumann

Birgit Neumann

Hallo Nadine8492 darf ich kurz rückfragen welche Milch und wie viel Milch deine Tochter noch isst/trinkt? Oder ist Joghurt die einzige "Milch"quelle derzeit? Und isst deine Tochter sehr viel Obst? Wenn ich mir deine Schilderung durchlese und ansehe, ergibt sie mir folgender Eindruck: deine gesunde, fitte und meist sehr zufriedene Tochter isst mit ihren knapp 2 Jahren eigentlich gerne und ausreichend und nur ihre Speisenauswahl gefällt dir momentan nicht so gut. Ihre derzeit am meisten präferierten Speisen sind gemäß deiner Schilderung nur ein paar wenige. Sie probiert momentan ungern Neues, mag ein paar Dinge nicht und insbesondere bei den warmen Hauptmahlzeiten isst deine Tochter meistens nicht so wie du dir das wünschst. Es wäre für dich leichter und beruhigender, wenn deine Tochter bei den  warmen Hauptmahlzeiten üppiger und abwechslungsreicher essen würde. Du suchst jetzt nach Impulsen, Tipps, Ideen und Vorschlägen für Handlungsweisen zur Veränderung. Hab Geduld, esst zusammen, esst vielseitig, habt Spaß beim Essen und biete viele Essanreize - zusätzlich zu ihren vertrauten und gemochten Speisen. Biete die verschiedenen Komponenten einer Mahlzeit ruhig getrennt voneinander an. Biete Nudeln neben Sosse, neben Gemüse, ...* Fokussiere dich in Punkto Vielfalt oder "gesund" auch nicht zu sehr auf die Hauptmahlzeit - alle Mahlzeiten bieten (sollten bieten) die potentielle Möglichkeit, dass sich deine Tochter aus einem vollwertigen Speisenangebot satt essen könnte. Wenn dein Kind beim Mittagessen nicht alles isst, was du eigentlich vorgesehen hattest, dann kannst du diese Komponenten zu einem anderen Zeitpunkt nochmals anbieten. Als Beispiel: Nudeln mit Bratensosse - vielleicht mag sie die Sosse mit Brot am Abend ? Iss du selbst auf deine genussvolle Weise. Auch das nimmt deine Tochter wahr und es hilft ihr langfristig dabei, irgendwann auch wieder mehr Vielfalt und bspw auch Nudeln mit Sosse zu essen. Thematisiere ihre derzeitigen Vorlieben und Abneigungen nicht, weder emotional noch verbal. Sei einfach nur ein gutes Vorbild. Koche und esse die Speisen die du magst (kocht und esst eure Familienkost). Gib davon deiner Tochter alles Geeignete davon zum Mitessen als Möglichkeit und zwanglosen und spielerischen Kennenlernen. Richte es schön und übersichtlich in einer kleinen Portion an. Und gib deiner Tochter auf jeden Fall und auch ihre gemochten Speisen zum Sattessen dazu. Neue Speisen akzeptieren manche Kinder gern und schnell, vor allem wenn sie direkt von Mamas/Papas/Oma/Opas/sonstwem Teller stammen oder von allen EsserInnen bei Tisch mit Genuss gegessen werden. Manche Kinder brauchen einfach häufigere Gelegenheiten um neue Speisen kennenzulernen. Und auch um sie zu akzeptieren. Bringe darum stets Wiederholungen und lass dein Kind ihre Esserfahrungen immer selbständig machen. Du brauchst und solltest dennoch nicht den bequemsten Weg gehen und deiner Tochter Kind nur ihre Leibpeisen zu kochen. Das Kennen lernen und Gewöhnen an neue Speisen klappt meist sehr gut, wenn dein Kind sich langfristig an Neues heranwagen kann, wenn sie immer und immer sieht wie andere Esser bei Tisch genussvoll essen. Wenn sie immer und immer wieder die Speisen sieht, Neues wieder erkennt und die Speisen riecht. Wiederholungen sind dazu wichtig. Nehmt euch genügend Zeit zum Essen und richte die Portionen, die Speisen hübsch an. Der erste Eindruck ist durchaus wichtig. Statt einem Berg Nudeln mit Sosse auf dem Teller, durcheinander gemischt, anzubieten, hilft es bspw, wenn sich dein Kind eine Portion Nudeln selbst nimmt, und ein teelöffelgroßer Klecks Sosse daneben platziert wird. So kann sich dein Kind langsam mit der Sosse vertraut machen. Wenn etwas direkt auf dem Teller liegt, und zwar jedes Mal wenn es dieses Gericht gibt, dann wächst die Chance, dass dein Kind aus Neugier probieren wird. Und wenn es schmeckt, isst sie mehr. Vielleicht erst beim nächsten Mal - aber der Anfang ist gemacht, die Scheu ist überwunden. Möglichkeiten zum Probieren gibt es immer wieder. Es muss nicht nur diese eine Mahlzeit sein, sondern du kannst die warme Hauptmahlzeit auch abend bspw nochmal anbieten, oder Komponenten davon. Statt einer großen Portion Suppe kannst du einen teelöffelgroße Klecks Suppe auf einem flachen Teller präsentieren. Ringsum kannst du kleine Brotwürfelchen drappieren So wird die Soße zum Dip und die Wahrscheinlichkeit, dass deine Tochter davon probiert ist groß. Es geht dabei zunächst erst einmal "nur" um einen geschmacklichen Eindruck. Vielleicht will sie einen weiteren Löffel davon haben. Es ist an sich egal ob die Suppe nun mittags gegessen würde oder abends. Statt Suppe könnte es auch Kartoffelbrei sein, nur so als Idee. Und bestimmt isst deine Tochter Pommes, oder? Du könntest bspw Bolognesepizza machen und die Bolognesesosse (geschmacklich identisch wie früher) pürieren und auf der Pizza verteilen. Die fertige Pizza dann in kleine, gut greifbare (Pinzettengriff) Stückchen schneiden und häppchenweise essen lassen. Grüße Birgit N.   * man sagt dazu spaßeshalber "Trennkost", weil alles getrennt voneinander auf dem Teller/Essmatte liegt und gegessen wird.


Nadine8492

Ganz lieben Dank für die umfangreiche Antwort und die hilfreichen Tipps!! Um nochmal auf Ihre Fragen zurück zu kommen: Sie trinkt morgens zum Frühstück auch natürlich ganz normal ihre Kuhmilch und das auch sehr gern. Obst isst sie relativ viel, finde ich. Ich versuche das mal so umzusetzen und etwas mehr Geduld mit ihr zu haben!  Ganz liebe Grüße!


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