Frage im Expertenforum Hebamme an Evi Bodman:

Baby reguliert mit Trinken?

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Frage: Baby reguliert mit Trinken?

Juniqa

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Guten Abend, Ich bin vor 5 Wochen Mama geworden. Meine Tochter ist sehr groß und schwer (5300 Gramm, 60cm) und nimmt gut zu (250-300 Gramm pro Woche). Leider besorgt mich ihr Essverhalten (ich konnte nicht stillen, daher bekommt sie pre/1er). Zum einen isst sie viel über den Tag verteilt, bzw steigern sich die Mengen immer weiter (inzwischen ca 120ml +/- alle 2,5 bis 3h). Da mache ich mir Sorgen, wo wir in den nächsten Wochen landen, wenn das so weiter steigt... Zum anderen hat sie abends in den letzten Tagen eine schwierige Clusterphase. Heute war es ganz extrem und wir kamen auf über 200ml in 2h! Der Zeitraum ist so lang, weil sie immer mal wieder eingeschlafen ist, nach ein paar Minuten aber hungrig aufgewacht ist und ich ihr nach der erstem 90er Portion immer nur 30ml Portionen gegeben habe. Beim letzten Fläschchen hat sie beim Trinken angefangen zu weinen, wollte aber das Fläschchen wieder haben. Ich hab dann unterbrochen und sie auf den Arm genommen und geschaukelt, dabei ist sie schnell eingeschlafen. Als ich versucht habe, sie abzulegen, ist sie sofort mit Hungeranzeichen aufgewacht, auf meinem Arm aber direkt wieder eingeschlafen ohne zu Trinken und schläft seit 1,5h. Daher mein Gedanke, dass sie übers Trinken reguliert (Schnuller mag sie seit ein paar Tagen nicht mehr nehmen) oder einfach müde war. Ich mache mir Sorgen, dass ich sie hungern lasse, möchte sie aber auch nicht bis ins unermessliche Füttern! Vor allem irritiert mich, dass ich gar nicht unterscheiden kann, was sie braucht. Sie hatte genau die Anzeichen, die sie auch bei Hunger hat (Fäustchen im Mund, schmatzen und weit geöffneter Mund, Wedeln mit Armen und Beinen, Schreien). Auch trank sie immer weiter, sollte sie nicht irgendwann von alleine aufhören, wenn sie satt ist? War es richtig, das Trinken zu unterbrechen? Gibt es Anzeichen, auf die ich achten sollte, die eher für ein anderes Bedürfnis als Hunger sprechen? Und können die Trinkmengen gefährlich werden? Ich denke an Nierenprobleme oder einen überdehnten Magen...


Evi Bodman

Evi Bodman

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Hallo liebe Juniqa, vielen Dank für deine ausführliche Schilderung – du beobachtest dein Baby sehr genau und machst dir viele Gedanken.  Zunächst einmal: Du machst das richtig gut. Die Mengen, die du nennst (120 ml alle 2,5–3 Stunden, Clusterfeeding am Abend), liegen nicht außerhalb des Rahmens für ein großes, gut entwickeltes Baby. Gerade in den ersten Lebenswochen ist das Essverhalten noch wenig rhythmisch und wird stark von Regulationsbedürfnissen gesteuert – also Hunger, Nähe, Unruhe, Müdigkeit, und ja: manchmal auch einfach Überreizung. Dass deine Tochter viel trinkt, sich aber dabei auch schwer tut zu regulieren (z. B. Weinen beim Trinken, wieder Einschlafen, sofortiges Aufwachen), ist nicht untypisch. Es zeigt: Sie versucht, sich über das Saugen zu beruhigen, ist dabei aber möglicherweise nicht ausschließlich hungrig, sondern überfordert oder müde. Manche Signale sind überlappend, z. B. Schmatzen, Fäustchen im Mund oder Suchen mit dem Mund. Sie kommen bei Hunger, aber auch bei Stress, Müdigkeit oder erhöhtem Bindungsbedürfnis vor. Achte daher auf: Körperspannung: Sehr angespannt, rudern mit Armen und Beinen → eher Überreizung Gesichtsausdruck: Unruhig, gerötet, evtl. Grimassen → eher Erschöpfung Trinkverhalten: Zögerlich, mit Weinen unterbrochen → wahrscheinlich kein klarer Hunger Wenn dein Baby beim Trinken unruhig wird, weint oder sich „wegtrinkt“, ist es völlig richtig, dass du unterbrichst und mit Nähe reagierst – so wie du es gemacht hast. Das zeigt, dass du intuitiv schon sehr gut mit ihr in Beziehung bist. Die von dir genannten Mengen (z. B. 120 ml, auch mal 200 ml im Cluster) sind für ein 5 Wochen altes Baby mit 5,3 kg Körpergewicht nicht ungewöhnlich. Es ist nicht gefährlich – weder für Nieren noch Magen – wenn die Zunahme gut ist und dein Baby dazwischen ausgeglichen wirkt. Lässt du das von deiner Hebamme wöchentlich überwachen? Kinder trinken aus der Flasche häufig schneller als an der Brust. Bei einem hohen Saugbedürfnis trinken sie also mehr Milch. Du kannst es mal mit einem anderen Sauger ausprobierne und ebenso auch zur Beruhigung mit einem Schnuller arbieten. Vielleicht findest du auch hier einen mit einer anderen Form, den sie gut findet. Um insgesamt ihr Nervensystem zu regulieren helfen ein regelmäßiger Tagesrhythmus mit vorhersehbaren Abläufen, wenig Reize am Abend (Licht, Geräusche, Trubel), viel Körperkontakt im Tragetuch oder einer guten Tragehilfe – das hilft dem Nervensystem, sich zu beruhigen. Rhythmische Bewegung (Spaziergänge, sanftes Wiegen) und ebenso monotone, ruhige Geräusche. So kannst du vielleicht die Schlaf- und Wachzeiten etwas besser regulieren. Manchmal sind die Kleinen in der Phase auch einfach durch die eigene Verdauung gestresst.  Ich würde aus deiner Schilderung sagen, du lässt sie nicht hungern und du gibst ihr auch nicht „zu viel“, solange du bewusst beobachtest, wie sie reagiert. Du darfst sehr wohl unterbrechen, ihr Halt geben, tragen, schaukeln – all das gehört zum Füttern genauso wie die Milch. Sei geduldig mit ihr aber auch mit dir. Diese Phase ist geprägt von vielen Veränderungen, viel Ausprobieren und auch vielen Unsicherheiten. Das wird mit der Zeit besser.  Wenn du unsicher bist, kann eine beratende Begleitung durch eine Hebamme oder Still- und Ernährungsberaterin nochmal Sicherheit geben – einfach als wertschätzende Meinung direkt vor Ort. Hast du da jemanden? Ich wünsche dir alles Gute! Meld dich gerne, wenn du noch Fragen hast! Ganz liebe Grüße, Hebamme Evi Bodman


Juniqa

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Ganz lieben Dank für die tolle, ausführliche Antwort, Evi!! Das beruhigt mich sehr und hilft mir enorm weiter. Wir haben eine Hebamme, die regelmäßig das Gewicht kontrolliert und ein Auge auf uns hat. Bisher wächst und gedeiht die Kleine wunderbar (ca 250 - 300 Gramm pro Woche), auch der Kinderarzt ist sehr zufrieden mit ihr. Ich werde versuchen, einen Rhythmus mit ihr zu finden und auf meine Intuition zu hören.    


Evi Bodman

Evi Bodman

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Hey Juniqua, das mit der Gewichtszunahme von 200-300g pro Woche klingt fantastisch. Ich denke, du darfst dich viel mehr entspannen und darauf vertrauen, dass sich das richtig gut bei euch einspielt! Lieben Gruß, Hebamme Evi


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