Mitglied inaktiv
Sehr geehrter Herr Dr. Posth, keine direkte Frage zur Entwickllung, ich hoffe dennoch, Sie könnten mir mit einer kurzen Antwort weiterhelfen. Können Sie sich erklären weshalb in den Generationen unserer Eltern und Großeltern die Angst vor dem Verwöhnen des Babys so stark verwurzelt ist? Es birgt sicher nicht nur in meiner Familie viel Konfliktpotential, wenn die unterschiedlichen Ansichten über den Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern aufeinanderprallen. Das Schlimme ist meiner Meinung nach, das die "Besserwisser" derart auf ihren "Theorien" beharren (mit abendteuerlichen Begründungen) und sich mitnichten von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen (allein diese zwei Worte darf man schon gar nicht erwähnen) beeindrucken lassen. Die Geschichte der Kindheit kann ich in groben Zügen nachvollziehen, aber der Punkt an dem man begann, dem Säugling möglichst früh durch Versagung den Ernst des Lebens beizubringen, kann ich nicht ausfindig machen. Vielen Dank im Voraus
Hallo, sicher eine sehr spannende Frage, die ich auch nicht so ohne weiteres beantworten kann. Es gibt von dem Franzosen Philippe Aries eine lange Abhandlung über die Entwicklung der Kindheit. Ob er irgendwo notiert, wann die Angst der Eltern vor dem Verwöhnen begann, weiß ich nicht. Vielleicht war es im Mittelalter, wo Mystik und Aberglaube die Gehirn der Menschen zu vernebeln drohten. J.-J. Rousseau jedenfalls versuchte in der Zeit der Aufklärung, also auch erst weit nach dem Mittelalter, einige kindbezogene Erziehungsansichten in der Bevölkerung zu verankern. Es gibt Erziehungswissenschaftler, die sich in diesen Dingen besser auskennen als ich. Ich würde diese Sorge eher erziehungstheoretisch deuten und weniger historisch. Die Menschen haben früh gemerkt, daß, wenn man dem Kind früh in seinem Willen nachgibt, es selbstbewußt und stark wird. Damit aber büßt es seine Verfügbarkeit für den Erwachsenen ein. Kinder wurden früher sehr stark unter "wirtschaftlichen" Gesichtspunkten betrachtet. Man gönnte ihnen keine Kindheit. Schon früh mußten sie in der Familie und recht bald auch bei der täglichen Arbeit Aufgaben übernehmen und pflichtgetreu abliefern. Ein eigener Wille paßte nicht in dieses Konzept. Starke Kinder hätten sich diesen Anforderungen widersetzt. Also galt es, ihnen früh den Willen zu brechen und schließlich ganz auszutreiben. Die Bedürfnisse der Säuglinge wirken auf den uninformierten Erwachsenen auch schon wie eine Wille, da er den Unterschied hierzu nicht kennt. Sicher fordert der Säugling viel von seinen Eltern, aber das ist nicht Ausdruck seines überlegten und zielgerichteten Willens, sondern allein sein naturgebener Drang, sich selbst zu erhalten. In diesem Punkt herrscht meiner Auffassung nach auf der ganzen Welt ein elementares Mißverständnis, was die Reaktionen unserer Säuglinge anbelangt. Sie schreien nicht nach Zuwendung und Nahrung und ebensowenig lassen sich liebend gerne herumtragen, weil sie das unbedingt wollen, sondern weil sie das unbedingt brauchen, nämlich zu wachsen, zu gedeihen und um eine Bindung aufzubauen. Das ist für Säuglinge von elementarer Wichtigkeit. Also nicht erst mit dem aufkommenden Willen im zweiten Lebensjahr, sondern schon in Säuglingszeit wollen die hardliner den Willen im Kind brechen! Das Gegenteil nennen sie geschickterweise Verwöhnen und warnen allem Gesagte zufolge jeden vor dieser Gefahr. Diese Warnung ist nicht nur unberechtigt, wie ich immer wieder zu erklären mich bemühe, sondern bezogen auf eine gesunde seelische Entwicklung sogar grundfalsch. Ich hoffe, ich konnte Ihnen in der gebotene Kürze weiter helfen. Viele Grüße
Mitglied inaktiv
Hallo! Mir geht es genauso, ich mache mir mittlerweile nichts mehr draus. Ich sage immer früher hat man auch nicht mit Messer und Gabel gegessen sondern Steine geschliffen. Dann lachen sie alle und ich denke "sind die blöd!" Ganz schlimm finde ich wenn sie meinen einem Kleinkind bzw. Baby schon sehr früh Schokolade oder überhaupt Süßigkeiten geben zu müssen. Da habe ich geflunkert, mein Sohn hat jetzt eine Schokolade und Nußallergie:-) Es hat funktioniert! gruß claudi
Mitglied inaktiv
ich muß mir von meinen Schwiegereltern auch ständig anhören, dass ich den Kleinen zu sehr verwöhne. Ich antworte nur noch, dass genau das auch meine Absicht ist... Meine Eltern sehen das zum Glück ganz anders. LG Alexandra, die als Kind auch verwöhnt wurde
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