Mitglied inaktiv
Sehr geehrter Dr. Posth, sie schreiben immer wieder von möglichen Verhaltensauffälligkeiten wenn Kinder früh von Ihren Eltern getrennt werden mussten (z.B. wie bei uns bei Frühgeburt 6 Wochen krk). Ich kann hierzu leider keine Literatur finden. Was sind denn so mögliche Auffälligkeiten?Unsere Beiden sind bsp.weise sehr ängslich, lärmempfindlich, Eine auch sehr Schüchtern im Umgang mit Gleichaltrigen (gibt in der Kindergruppe gleichaltrigen ungern die Hand) und eben die Schwierigkeit mit der Lösung von mir (davon schrieb ich schon). Alles noch im Rahmen des "Tollerablen" , aber ich mache mir immer wieder Gedanken, ob es nicht doch etwas mit der frühen Trennung zutun haben könnte (ändert auch nichts, aber interessiert mich).Wird die Zeit "Wunden heilen"? Besten Dank
Stichwort: Trennungsangst Hallo, die Auswirkungen einer Trennung von den Eltern im Neugeborenen-, Säuglings-, oder Kleinkindalter sind alle etwas unterschiedlich. Sie meinen wahrscheinlich die Auswirkungen im emotionalen und psychosozialen Bereich. Dazu gibt es in der Tat so gut wie keine Literatur (nur Einzelberichte). Sich systematisch mit der Bindungstheorie zu beschäftigen und den Folgen bei leichten sowie massiven Störungen ist erst jetzt Forschungsgegenstand geworden. In der Geschichte der Bindungstheorie wurden immer nur die "Katastrophenfälle" ausgewertet und als Beweis für die Wichtigkeit der Bindungsvorgänge herangezogen. Die Katastrophenfälle waren Kinder in Heimen und Waisenhäusern, die, wenn sie nicht das Glück einfühlsamer Ersatzbezugspersonen hatten, mit den Anzeichen der Deprivation endeten. Heutzutage interessiert man sich aber auch für die vielen "Grenzfälle", zu denen auch nach der Geburt von der Mutter getrennte Früh- oder Neugeborene zählen. In der Säuglingszeit geht es um Kinder, die nur noch von einer Person großgezogen werden und im Kleinkindalter interessiert die Trennung im Rahmen der Fremdbetreuung. Soweit man die Entwicklungen überblickt, kann man von 3 Hauptstörungen in der Persönlichkeitsentwicklung ausgehen: 1. die aggressiv-oppositionellen Störungen (incl. dem ADHS), 2. die emotionalen Störungen mit Trennungsangst und 3. die frühen Persönlichkeitsauffälligkeiten (noch wenig definiert). Eine der wichtigsten Fragen ist natürlich, wieviel muss dem Kind passieren, dass es solche Auffälligkeiten entwickelt und ab wann muss ein Verhalten überhaupt als auffällig gewertet werden. Schließlich ist die Frage die, was kann man frühzeitig dagegen tun, damit diese Störungen sich gar nicht erst verfestigen (Primär- und Sekundärprävention). Das ist nur ein allgemeines Statemment und nicht auf Ihre Kinder bezogen. Viele Grüße
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