Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Verhalten 4 Jährige

Frage: Verhalten 4 Jährige

1982eda

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Sehr geehrter Hr. Posth! Unsere Tochter (4J+1M) verhält sich noch immer wie ein Baby. Will/Kann sich nicht anziehen, spielt öfters als wäre sie ein Baby. Nachts noch Windel, Schnuller immernoch, war ein Schreibaby und noch immer sehr fordernd (trödelt gerne, will ständig Aufmerksamkeit). Haben noch 2. Kind (1 J.) da ist sie sehr unvorsichtig u. bringt sie öfters zu Sturz, weil sie ja auch Baby spielen will. Versuche wirklich geduldig zu sein, gelingt aber nicht immer, wir sind oft alleine -Papa arbeitet viel. Wenn ich mal schimpfe lacht sie mich an. Ist seit Sept. im Kiga -sanfte Ablösung, braucht auch dort bei neuen Situationen länger um sich anzupassen. Oft ist sie wirklich wie eine Große u. lt KigaTante auch schon sehr selbstbewusst, aber zuhause bringt sie mich an meine Grenzen. Wie kann ich ihr erklären, dass es eine Hilfe wäre, wenn sie sich selbst anzieht und dass sie lieb zur Schwester sein soll? Vielen Dank für ihre Hilfe


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, Verhaltensweisen, wie Sie Ihre Tochter zeigt, bezeichnet man in der Kinderpsychologie als Regressionen (s.a. gezielter Suchlauf). Es bedeutet, dass sich ein Kind aufgrund von inneren Konflikten nicht altersgemaß verhalten kann oder möchte. Es springt in seiner Entwicklung eine oder mehrere Entwicklungsstufen zurück, um sich auf der erreichten unteren Ebene, weil diese ihm noch geheuer ist, zu stabilisieren. Sofern seine Bindungsperson da mitmacht, dazu muss sie natürlich wissen, was passeirt und warum ihr Kind das macht, dann führt das Verhalten zur Lösung des Konflikts und das Kind gerät auf seinen alten Entwicklungsstand zurück. Verweigert die Bindungsperson dem Kind diese Mitgehen in die Regression, verschärft sich der Konflikt und führt mindestens zur Beziehungsstörung. Es ist also wichtig zu verstehen, was da mit dem eigenen Kind passiert. Die Ursache für den ineren Konflikt, könnte das relative Fehlen des Vaters sein ("Papa arbeitet viel"). Dadurch kommt die sekundäre Bindung, die Loslösung, nicht richtig zustande und das Kind verharrt in der primären Bindung. Es spürt aber in sich etwas anderes, nämlich viel selbstständiger sein zu wollen, was Teil der Loslösung ist. diesen Konflikt tragen die Kinder übrigens immer zuerst im geschützen Raum, d.h. zu Hause aus und der Adressat ist fast immer die Mutter (als primäre Bezugsperson). Die Kunst des elterlichen Verhaltens besteht darin, einmal die Ursachen des zugrundeliegenden Konflikts zu beseitigen. Zum anderen sollte man regressive Anwandlungen akzeptieren und die vorgetragenen Bedürfnisse befriedigen. Aber man darf dabei nicht so weit gehen, dass man sein Kind nachher auf dieser unteren Stufe -durch Rückbindung (s. gezielter Suchlauf)- gleichsam festhält. Es muss also immer wieder in passenden Momenten die Rückverpflichtung des Kindes auf sein wahres Alter kommen. Viele Grüße


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