petitecoure
Sehr geehrte Frau Henkes, mein Sohn, 9 Jahre, hat eine diagnostizierte ADHS und nimmt Medikinet retard seit ca 1 Jahr. Er hat leider in meinen Augen zwanghaften Verhaltensweisen entwickelt. Er schreibt Buchstaben mehrfach nach, macht Punkte über dick bzw. malt sie dick nach, er fragt bei jedem Essen und Trinken ob es vergiftet wäre und dann nochmal ob er es auch essen bzw. trinken darf. Er braucht vor dem Schlafen von mir immer die gleichen Worte zur Beruhigung ua.dass er wieder aufwachen wird und eine bestimmte Anzahl an Gute Nacht sagen mit bestimmten Wortlaut. Die letzte Kinderpsychologin meinte nach kurzer Zeit sie können meinem Sohn nicht wirklich helfen, da er auf ihre Methoden nicht anspricht . Er ist sehr rational und durchschaut schnell. Z.B Ängste aufmalen und symbolisch wegschmeißen bringe ihm nichts, da er direkt sagt, dass sei doch Quatsch weil dadurch seine Ängste ja trotzdem nicht verschwinden.Dennoch kann er von seinen irrationalen Zwängen und auch Ängsten ( essen vergiftet,es könne was passieren wenn er die Buchstaben nicht nachmalt) nicht ablassen, obwohl er selbst sagt er wisse eigentlich, dass z.b. nichts vergiftet ist. Wir haben bereits ein Autismus-Screening durchlaufen,aber er war nicht auffällig. Dazu riet die Kinderpsychologin. Was ich seltsam finde ist, dass er seine Ängste und Zwänge hauptsächlich im meiner Gegenwart zeigt. In der Schule versucht er es so gut es nur geht zu unterdrücken, beim Papa z.b. zeigt er es nur in abgemilderter Form, aber bei mir lässt er sozusagen alles raus.er meinte zu mir das ist weil er weiß, dass ich nicht genervt reagiere wenn er so ist und dass er weiß,dass er sich bei mir trauen kann das zu zeigen. Ich habe aber manchmal Sorge, dass ich ihm mehr Schade als helfe mit meiner " Fürsorge" dahingehend, da die letzte Psychologin meinte Mann solle versuchen sich nicht in das Spiel mit seinen Zwängen einzulassen. Aber ich merke es belastet ihn sehr und er braucht irgendwie Entlastung,damit er z.b überhaupt einschlafen kann. Ist es falsch ihm Sicherheit geben zu wollen indem ich auf seine Ängste und Zwänge eingehe? Wird es zu einem "Spiel" bei mir, weil ich als Einzige darauf eingehe? Sollte ich nicht auf diese Dinge eingehen? Ich denke wir brauchen nochmal Unterstützung,aber die letzte Erfahrung bei der Kinderpsychologin hat uns leider nicht geholfen.(Er hat noch mehr Ängste und zwanghaftes Verhalten, als nur das hier beschriebene).Gibt es einen Tipp, an welche Art Therapeut/in wir uns wenden sollten? Was kann ich sonst tun, um meinem Sohn zu halten? Der Kinderpsychiater ,der die ADHS Medikamente verschreibt, bietet leider keine regelmäßige Psychotherapie an. Wir hatten aber die Medikation über Wochen ausgesetzt,um sicherzustellen,dass es nicht mit der Medikation zusammenhängt. Ich weiß nicht mehr weiter und auch nicht wie ich mich am besten verhalten soll. Vielleicht haben Sie einen Rat für uns? Dankeschön!!!
Guten Tag, die Ängste Ihres Sohnes beruhen vermutlich auf unbewussten Prozessen, die ihm nicht zugänglich sind. Es könnte daher hilfreich sein, Hilfe für Ihren Sohn bei tiefenpsychologisch oder psychoanalytisch arbeitenden KindertherapeutInnen zu suchen. Dort arbeitet man nicht mit festgelegten Methoden, sondern versucht, die unbewussten Prozesse gemeinsam mit dem Patienten zu ergründen. Auf dieser Basis können unbewusste Konflikte bearbeitet und gelöst werden. Sie sollten die Ängste und Zwangsgedanken Ihres Sohnes ernstnehmen. Sie belasten ihn offensichtlich stark. Kinder spielen in der Regel nicht mit Zwängen, sondern leiden unter ihnen. Für Sie könnte es eventuell entlastend sein, wenn Sie Ihren Sohn immer mal wieder an den Vater verweisen. Dieser ist ebenfalls eine seiner wichtigsten Bezugspersonen und wird sich der Ängste des Sohnes annehmen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
SuJam
Die Ursache von Zwängen ist stets Ungewissheit und ein schlechter Umgang damit. Bei echten Zwängen ist der einzige Weg die Ungewissheit (ist es verdorben?, Wache ich morgen wieder auf?) auszuhalten und die Frage nicht weiter zu klären. Je mehr man auf Zwänge und damit verbundene Zweifel eingeht, desto mehr Bestätigung erhalten sie und festigen sich somit.
Mina0704
Hallo, ist evtl die Dosis von Medikinet zu hoch? Vll. könntet ihr es mit Equasym versuchen. Das flutet langsamer an und wirkt sanfter. Du könntest dir auch im Adhs Forum im Internet Rat suchen. Außerdem tritt Adhs auf häufig zusammen mit Zwangsstörungen auf. Alles Gute Das ist der Link https://adhs-forum.adxs.org/
petitecoure
Hallo, danke für die Reaktionen hier. @Frau Henkes: ich soll die Zwänge ernst nehmen...bedeutet dies, dass ich beruhigend auf meinen Sohn eingehen soll und ihm das sagen soll was er hören muss, um sich zu beruhigen? Oder wäre es eher falsch, wie es in einer anderen Meinung hier gesagt wurde, weil ich dann seine Ängste und Zwänge nur verschlimmert? @ all: für mich ist es schwer nicht auf seine Nöte zu reagieren, denn ich sehe er braucht die Beruhigung wirklich,um überhaupt mit den Sorgen klarzukommen. Aber vielleicht ist ist auch kontraproduktiv Das Medikinet ist eher niedrig dosiert, 20 mg retadiert, entspricht 10 mg unretadiert. Und wir haben das Medikinet viele Wochen komplett weg gelassen , aber die Ängste und Zwänge veränderten sich nicht. Equasum haben wir auch bereits als Alternative über 4 Monate probiert. Auch da keine Änderung bei den Zwängen etc. Zudem kam er in der Schule damit nicht so gut klar wie mit Medikinet und er äußerte den Wunsch wieder das Medikinet zu nehmen. Ich denke es liegt aber nicht an einer Überdosierung des Medikaments. Er war fast 3 Monate ganz ohne ADHS Medikamente aber die Zwänge blieben. Er tut mir einfach leid! Klar ist es auch für mich anstrengend,aber in erster Linie leidet er und das tut mir weh
Guten Tag, die Ängste ernst zu nehmen bedeutet zunächst, anzuerkennen, dass Ihr Sohn unter diesen Ängsten wirklich leidet. Es bedeutet nicht, dass Sie seinen Zwängen bis auf den Wortlaut Ihrer Gute-Nacht-Äußerungen folgen müssen. Bestätigen Sie Ihrem Sohn, dass Sie wissen, wie schlecht es ihm mit den Ängsten geht. Versuchen Sie aber auch, ihn zu stärken, indem Sie seine Eigenverantwortung anregen. Er sagt ja selbst, dass er eigentlich weiß, dass ihm nichts passiert. Fragen Sie ihn, wie er sich selber schützen könnte, falls das notwendig wäre. Oft haben Kinder dazu gute Ideen, die ihre Handlungsmächtigkeit stärken. Für Ihren Sohn ist es wichtig, dass Sie nicht mit ihm leiden, sondern stark und souverän bleiben, um ihn angemessen unterstützen , d.h. auch fordern zu können. Alles Gute Ingrid Henkes