Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Spielverhalten 4 Jährige

Frage: Spielverhalten 4 Jährige

MamaAmeisenbär

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Hallo Frau Henkes, Meine Tochter ist bald 4 Jahre alt treibt mich in den Wahnsinn.  Ihr Spiel besteht aus Befehlen. Eigentlich wäre es ihr am Liebsten, wenn sie ihr Spielzeug garnicht berühren müsste und ich nach ihrer Vorstellung vor ihr spiele wie ein Theaterstück. Noch nie hat sie länger als 5 Minuten alleine gespielt. Sie sagt am Tag locker 30 mal den Satz "Ich weiß nicht was ich spielen soll."  Sie findet nie selbst in ein Spiel. Muss sie warten oder sich langweilen, motzt sie permanent. Sie interessiert sich für nichts. Weder fürs Helfen im Haushalt, noch für Spielzeug. Noch nie. Sie muss ständig gefordert werden, sie muss ständig in Kommunikation mit mir stehen, dauerhaft in Verbindung. Ich sitze nicht eine Minute. Das kann doch nicht normal sein oder täusche ich mich..? Es ist egal, ob ich viel mit ihr spiele oder garnicht. Das Verhalten bleibt gleich. Sowas lächerliches wie "Warte, bis ich gegessen habe, dann spielen wir wieder" funktioniert nicht. Sie lungert neben mir und wartet  bis sie bespaßt wird. Auch nach Stunden, wenn ich nicht mit ihr spiele findet sie nichts. Dann motzt sie halt stundenlang. Wir sind bald in einem SPZ mit ihr. Ich weiß garnicht, was ich den Herrschaften da erzählen soll. Ich frage mich ob es meine Schuld ist. Schon als Baby konnte sie nicht 2 Minuten alleine irgendwo liegen. Sie geht nicht mal alleine aufs Klo. Gerade als ich den Text für Sie schreibe, singt sie lauthals neben mir und stößt mich permanent. Sie bekommt wirklich viel Aufmerksamkeit. Haushalt mache ich garnicht mehr, seit sie auf der Welt ist. Es geht einfach nicht. Alles macht mein Mann nach der Arbeit. Wenn sie endlich schläft, schlafe ich komplett erschöpft ein. Paarzeit gibt es in unsere Ehe auch nicht mehr. Ist es denn normal, dass ein Kind so anstrengend sein kann, oder haben wir alles falsch gemacht.?  Vielen Dank schon mal.


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, Sie haben ganz sicher nicht alles falsch gemacht und Schuldgefühle müssen Sie auch keine haben. Solche belastenden Gefühle können Ihnen den Weg zu Lösungen verschließen. Nach Ihrer Beschreibung gehe ich schon davon aus, dass Ihre Tochter sehr Interessen geleitet ist. Für sie ist es sehr wichtig, in der Beziehung zu Ihnen die Bestimmerrolle zu besitzen. Daher kann sie sich auf nichts Anderes einlassen. Das ist für Sie zunehmend sehr anstrengend. Für die psychische Entwicklung Ihrer Tochter ist es nicht hilfreich. Vierjährige können nicht bestimmen und in der Familie Macht ausüben. Sie sind auf die Führung der Eltern angewiesen. Nur starke Eltern können kleinen Kinder Sicherheit und Schutz vermitteln. Fangen Sie an, Ihrer Tochter zu zeigen, dass Sie diese Führung übernehmen. Muten Sie Ihrer Tochter zu, sich zu langweilen. Sie darf sich dabei ärgern. Das sollte Sie jedoch nicht veranlassen, Ihre eigenen Tätigkeiten aufzugeben. Sie können Ihre Tochter trösten, weil es ihr schwerfällt, sich eine Beschäftigung zu wählen. Sie können ihr auch Anregungen geben. Es ist jedoch nicht Ihre Aufgabe, Ihre Tochter zu unterhalten. Vermutlich kann auch der Kontakt zu anderen Kindern unterstützend wirken. Der Besuch eines Kiga wäre sicher hilfreich. Im SPZ werden Sie sicher Anregungen bekommen, um die Beziehung zu Ihrer Tochter für Sie beide befriedigender zu gestalten. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


MariaAHW

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Hallo MamaAmeisenbär, ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich mich einklinke. Bei uns ist die Situation sehr ähnlich. In dem Befehle-Spiel habe ich uns genau wiedergefunden, der Rest stimmt ebenfalls. Du hast es gut in Worte gefasst. Es ist schwer zu greifen und bei mir verstehen Außenstehende oft nicht, was das Problem ist. Deshalb bin ich gerade so erleichtert, dass es mit dir scheinbar jemanden gibt, der das auch kennt. Vielleicht hilft es dir ja andersherum auch, von mir zu hören. :) Haushalt wird bei uns genauso gelöst und ich schlafe abends mit unserem Sohn ein und werde morgens von ihm geweckt. Ich bin mittlerweile sehr erschöpft und schaffe es nicht mehr, mich zu regenerieren.  Ich überlege auch immer wieder, ob wir als Eltern etwas/alles falsch gemacht haben.  Einen Lösungsansatz habe ich leider nicht, aber ich bin gespannt auf die Antwort von Frau Henkes. Und vielleicht meldest du dich ja auch nochmal, MamaAmeisenbär, ich würde mich sehr freuen. 


KielSprotte

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Geht sie denn nicht in den Kindergarten? Kinder brauchen gleichaltrige Spielkameraden um Sozialverhalten zu lernen. Eltern die nach ihrer Pfeife tanzen, sind da wenig hilfreich. Kinder brauchen ein Nest, aber ein Zuhause ohne Regeln und Grenzen ist kein Nest. Beispiel Haushalt: der muss gemacht werden, mit ihrer Hilfe oder ohne. Also klare Ansage "Mama muss jetzt Wäsche waschen, du kannst helfen, oder für dich alleine spielen. Und dann wird die Wäsche gemacht, gekocht, geputzt oder was auch immer.


Veve86

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Mit dem KiGa mag stimmen, aber für jemand Außenstehendes ist es äußerst leicht daher gesagt, "Haushalt muss gemacht werden und gut ist." Wenn ständig ein oder zwei kreischende Kinder einem am Bein kleben, oder die aufgehangene Wäsche wieder runter reißen, die frische Wäsche wieder aus dem Korb schmeißen, die scharfen Messer wieder aus der Spülmaschine rausholen, etc pp. Nebenbei immer Theater, sobald man sich 2 Schritte weg bewegt.  Und solche klugscheißenden Kommentare wie von Kielsprotte sind nicht hilfreich, dadurch fühlt man sich nur noch beschissener.  Ich bin da ganz bei euch


KielSprotte

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Deshalb Regeln und Grenzen! Hier schwirren 6 Paar "helfende“ Hände herum .....aber so ein Chaos hat's hier noch nie gegeben. Ganz einfach weil's Regeln gibt; - mit nasser Wäsche wird nicht gespielt  - Messer sind tabu Und Stopp bedeutet Stopp - sofort und nicht verhandelbar 


Mina0704

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Liebe Kielsprotte, schön, dass du so pflegeleichte Kinder hast. Jedoch hat jedes Kind ein anderes Temperament. Ich habe bspw. zwei ganz unterschiedliche Kinder! Dann gibt es noch neurodivergente / hochsensible Kinder usw. , da kommst du nicht weit mit klassischen Erziehungsmethoden!! Deswegen lass es mit deinen Kommentaren. 


Veve86

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KielSprotte muss echt die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. So anmaßend zu sein, uns allen hier zu unterstellen, dass wir keine Regeln zu Hause hätten oder sie nicht durchsetzen so gut es eben geht 


MamaAmeisenbär

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Hallo MariaAHW, Es freut mich wirklich sehr das zu hören. In meinem Umkreis versteht das niemand, weil unsere eben einfach anders ist. Immer schon. Deshalb auch die Testung im SPZ.  Mir geht es genauso. Regeneration ist garnicht mehr möglich, selbst wenn ich mal eine Pause habe. Aussagen wie von KielSprotte kennen wir ja zu genüge und können wir einfach ignorieren, damit man nicht noch mehr zweifelt. Regeln gibt es bei uns. Meine Tochter liebt Regeln und hält sich gerne daran. Sie ist ein liebenswertes, kluges und aufgewecktes Kind mit viel Empathie und sehr feinfühligen Antennen.  Gerne würde ich dir privat schreiben, aber irgendwie glaub ich geht das nicht mehr oder ich kriege es nicht gebacken. Naja, du bist nicht allein und du machst es sicher ganz wunderbar mit deinem Sohn. Wenn unsere Kinder 6 Jahre alt sind, sind 70% der Kindheit vorbei. Wir können zumindest sagen, dass wir diese 70% nicht mit Haushalt verschwendet haben. Ich wünsche dir von Herzen alles Gute. 


carlabinchen

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Hallo , darf ich anregen, dass sich eine Verhaltensänderung beim Kind nicht nach einmaligem probieren einstellt. Ich habe 4 Kinder und es hat sich in der Abend/ Einschlaf Situation so viele Rituale eingeschlichen, dass ich einfach irgendwann überfordert war alle einzuhalten. Ich habe überlegt was kann ich leisten, was wird mir zu viel und es hat 5 Tage gedauert bis ich einigermaßen umgestellt hatte. Die Umstellung war mit schreien und maulen verbunden(klar den Kindern wird ja was weggenommen).  Ich denke mit 4 ist das Verständnis für Worte schon soweit das man Dinge sagen kann und die dann einhält. Fang klein an nimm eine Eieruhr stell 5 Minuten ein und sage wenn du die 5 min ,,still,, wartest oder selber spielst oder hilfst kommt die mama zum spielen. Nervt das Kind wird die Uhr nochmal aufgezogen. Ganz bewusst im Beisein des Kindes. Probier sowas mal und bleib ruhig aber konsequent.  Und ich weiß wie hart das ist es sind aber meist nur die Umstellungstage.  Ich will dich nicht angreifen, du hast nichts falsch gemacht, aber du sagst selbst du bist körperlich und mental müde.  Ich merke bin ich müde und gereizt spiegeln mir das meine Kinder wieder und wir sind in einem Teufelskreis.  Ich wünsche dir viel Kraft und Durchhaltevermögen. 


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