Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Machtausübung und starker Wille (4,5 J !)

Frage: Machtausübung und starker Wille (4,5 J !)

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Lieber Dr. Posth, ich habe zwei Söhne, 4,5J und 4M. Es geht um den größeren, der ein sogenanntes High-Need-Baby war und auch heute noch wahnsinnig viel Aufmerksamkeit braucht. Er ist nun ein ständiger "Quertreiber". Mein Sohn ist nicht bösartig oder aggressiv. Er ist durchaus äußerst liebenswürdig und herzensgut. Er hat einfach nur einen immens starken Willen und versucht gern, Macht auszuüben. Vielleicht liegt es daran, daß sein Vater auch etwas herrschsüchtig ist. Sein Vater ist eigentlich sein Spiegelbild und Vorbild. Die "Loslösung" von mir fand verspätet statt, aber mein Mann hat die Wichtigkeit seiner Vaterrolle letztendlich doch erkannt. Mit 3 Jahren hat mein Sohn seine Lage nach einem heftigen Wutanfall selbst erklärt: "Tut mir leid, Mama, aber wenn ich will, dann will ich eben." Er meint es wirklich nicht böse. Er kann einfach nicht anders. Ich weiß nicht mehr, wie ich ihm helfen soll, kann oder darf. Seine Art kostet uns allen unendlich Kraft und Nerven..


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Wille im frühen Kindesalter Hallo, zunächst einmal würde ich unterscheiden zwischen einem wirklich starken Willen und einem drangvollen Willen, der eigentlich ein schwacher Wille ist. Der wirklich starke Wille zeichnet sich dadurch aus, daß er auch in der Lage ist, sich zurückzunehmen. Der drangvolle Wille hat zuviel Vorläuferelemente noch in sich und die bestehen aus dem Gefühl der zwanghaften Umsetzung. Wird nun das Kind oder auch im späteren Lebensalter der erwachsene Mensch daran gehindert, diesen Willen zur Erfüllung zu bringen, dann ist er auf die Möglichkeit des Erfüllungsaufschubs angewiesen oder die in ihm existente Chance zum Abbruch des Vorhabens. Dafür gibt es nach neuesten Entdeckungen über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns ein "Willensunterbrechungszentrum". An diesem neurologischen um nicht zu sagen neuralgischen Punkt in Zentralnervensystem beginnt die Fähigkeit des Menschen zur Selbstbeherrschung. Veranlagungen mögen hierbei eine gewisse Rolle spielen. Um diese Schritte zu vollziehen, braucht der Mensch aber noch Gewissen und Vernunft, Entwicklungen, die erst im 5. Lebensjahr so richtig zur Geltung gelangen. Für einen wirklich starken Willen braucht das Kind meiner Auffassung nach eine sichere Bindung, eine gelungene Loslösung (hier das Problem Ihres Sohnes?) und ein ausgewogenes Selbst. Alle drei Elemente bauen aufeinander auf. So müßten Sie die Loslösung Ihres Sohnes weiter voranschreiten lassen um ihm dabei zu helfen, ein ausgewogenes Selbst zu entwickeln. Dadurch entsteht ein stärkeres Selbstbewußtsein und dadurch wieder gelangt sein Wille in ein steuerbares Fahrwasser. Das hört sich zwar theoretisch an, in der Praxis werden Sie aber die Wirkung in seiner Entwicklung spüren, wenn es Ihnen gelingt, auf diese Weise vorzugehen. Viele Grüße


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