goldfee
Guten Tag, Herr Posth, mein Sohn, 17 Monat, weint bei jeder Kleinigkeit. im Kinderwagen (kann noch nicht laufen) wenn Leute niesen, husten, lauter lachen wenn zuviel Leute um Ihn rum sind wenn Leute Ihn nur ansehen und mit Ihm reden sobald ich ein Lied singe oder Musik läuft wenn man auf sein Teddy drückt und die Spieluhr angeht wenn man nur das Wort "nein" sagt beim wickeln wenn Kinder weinen oder lachen weint er mit wenn Kinder nur in seine Nähe kommen wenn Leute sich etwas lauter unterhalten Mit Gehör und Augen ist laut Arzt alles ok. Besuche wie Krabbelgruppe sind nicht möglich, da er dort total überfordert ist und nur brüllt. Das Verhalten meines Sohnes macht mich traurig und ich bin frustriert, weil ich nur am trösten bin. Ist das Verhalten "normal" oder sollte ich als Elternteil handeln und Hilfe suchen? Er ist schon immer sehr sensibel gewesen (Schreikind). Vielen Dank im Voraus.
Stichwort: Säuglingsschreien/ Schreibaby Hallo, "Schreikinder", "Schreibabys" sind besonders schwierige und sensible Kinder, die auf äußere Reize für sie selbst unangenehm stark reagieren. Es geht ihnen vermutlich so wie uns, wenn wir unter Druck in einem vollen Bahnhof den richtigen Bahnsteig suchen müssen. Da die Säuglinge noch keine andere Möglichkeit haben, ihre inneren Spannungen los zu werden als mit der Stimme und dem Betätigen der Gliedmaßen, schreien sie und strampeln sie wie wild. Alles, was sie brauchen, ist immer ganz viel Trost und Beruhigung durch ihre Bezugperson(en). Das verstärkt ihr Belohnungssystem im Gehirn, organisiert die Dopaminrezeptoren und besänftigt ihr Bestrafungssystem, das es auch gibt. Müssen sie viel schreien, geschieht genau das Umgekehrte. Ich erkläre Ihnen das deswegen, weil über Schreikinder und ADHS heutzutage immer mehr falsche Konstruktionen in die Welt gesetzt werden. Eine etwas problematische Konstruktion ist das Regulationsstörungskonzept, welches alle Anpassungsschwierigkeiten des Säuglings und Kleinkindes abdecken möchte. Ihr Sohn litte demnach also an einer Regulationsstörung. Das ist sachlich auch nicht falsch, aber es wird von einer Anlagestörung beim Kind ausgegangen, die nur durch starke regulaitve Vorgänge von außen abgefangen werden könnte. Da kommen dann verhaltenstherapeutische Konzepte zur Wirkung. Man weiß aber heute, dass sich die Anlagen als in den Genen verankert in ihrer Ausgestaltung viel mehr nach der Umwelt richten als selbst tätig zu werden. Stichwort: Epigenetik. Ich kann Ihnen also nur raten, sich ganz viel Zeit für Ihren Sohn zu nehmen, alle die Dinge mit ihm zu unternehmen, die seinem Alter angemessen sind, ihn aber dabei selbst als "sichere Basis" ganz intensiv zu unterstützen, ihn emotional abzusichern und ihm jedwede Beschwichtigung und Beruhigung zuteil werden zu lassen, die ihnen möglich ist. Wenn Sie selbst dabei Unterstützung brauchen, dann benötigen Sie eine(n) einfühlsame(n) Psychologi(e)n, die/der Ihnen wieder den Rücken stärkt gegen mögliche Kritiken aus Ihrer Umgebung. Viele Grüße
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