Mitglied inaktiv
Lieber Dr. Posth, mein Sohn ist ansonsten ein sehr offenes und fröhliches Kind, geht auf andere Kinder zu, löst sich im Spiel von seinen Bezugspersonen. Er bleibt gerne bei Omas, Tanten und guten Freunden und fährt auch ohne meinen Mann und mich gerne mit ihnen mit. Er schläft alleine ein (wurde lange in den Schlaf begleitet) und übernachtet auch mal mit der Schwester bei den Tanten. Lediglich das alleinige Bleiben bei „Fremden“ / in Fremder Umgebung fällt ihm schwer. Sonst ist er überhaupt nicht unangemessen anhänglich. Könnte die frühe Trennung nach der Frühgeburt (Inkubator, die ersten Wochen nur Kanguhing) ein Trennungstrauma ausgelöst haben? Oder könnte die Problematik auch in seinem Charakter (sehr sensibel und eine von mir vererbte Ängstlichkeit) begründet sein? Raten Sie in diesem Fall nach wie vor zu einer Konsultation eines Kollegen? Liebe Grüße, Karin
Hallo, die Frühgeburtlichkeit verbunden mit den Entbehrungen durch die Inkubatorpflege und die Eingriffsnotwendigkeiten durch die Ärzte sind bis zu einem gewissen Grade natürlich auch eine Erklärung für spätere Ängstlichkeit. Das sog. Kangeruhing federt zwar den emotionalen Stress ab, hebt ihn aber nicht gänzlich auf. Dazu passenden Veranlagungen verstärken dann nur das, was durch die Begleitumstände der Geburt entstanden ist. Ob man sich psychologische Hilfe holen muss, oder der Ansicht ist, zunächst einmal selbst mit dem Problem fertig zu werden, kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Was Sie aber jetzt über Ihren Sohn erzählt haben, relativiert den ersten Eindruck. Vielleicht warten Sie noch einmal ab und begleiten Ihren Sohn gezielt, wenn er allein in eine unbekannte Umgebung soll. Sie könen sich ja dann schrittweise zurückziehen und ihm damit die Gelegenheit geben, sich langsam anzupassen. Viele Grüße
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