Mitglied inaktiv
Hallo! Wie weit hinsichtlich der Sprache sollte ein Kind mit genau 3 Jahren denn nun tatsächlich sein. Ich finde die verschiedensten Angaben von 3-Wort-Sätzchen bis zu komplette Sätze und Pluralbildung. Mein Sohn ist nun 3. Er spricht jetzt endlich von sich mit seinem Namen und spricht andere mit DU an und sagt 'MIR' wenn ihm was gehört. Er kombiniert oft 3 Wörter, maximalst 4 Wörter. Weder grammatikalisch korrekt, noch Pluralbildung oder ähnliches. Er versteht Anweisungen gut, nur mit Wörtern wie MORGEN, HINTER Dir oder sowas, kann er nicht viel anfangen. Ansonsten ist er motorisch jetzt soweit, daß er alleine Treppen steigen kann, aufwärts mit 1 Fuß, abwärts nachsetzend. Er probiert Kreise zu malen, kann es aber nicht, er kann nicht mit der Schere schneiden, kann dafür die Maus vom PC hervorragend betätigen. Er liebt Musik, tanzt dazu und probiert mit zusingen (hey hey Wicky - so in der Art). WAs sind die Eckdaten aus Ihrer Sicht? lg
Antwort folgt morgen
Hallo, wenn man die verschiedenen Angaben der Fachleute über die Sprachentwicklung des Kindes nebeneinander legt, ergibt sich in der Tat ein verwirrendes Bild. In der Elternberatung ist es am besten, wenn man die offensichtlich hoch komplizierte Gesamtentwicklung der Sprache auf wenige Eckdaten festlegt. So sprechen 2-jährige Kinder im Durchschnitt! 20 bis 50 Einzelwörter. Dabei werden die Lautkombinationen mitgezählt, die eine feststehende Bedeutung haben. Erste Kombinationen aus 2 Wörtern sind auch zu beobachten wie z.B. Mama komm oder Oma weg, oder Papa Auto. Die Kinder kennen ihren Namen und sprechen ihn wie Lisa Arm oder Jonas Milch usw. Manche Kinder benennen sich schon mit "ich". Mit 3 Jahren erweitert sich der Wortschatz auf bis etwa 5oo aktiv gesprochene Wörter. Dabei werden jetzt immer mehr Verben verwandt und erste Präpositionen eingesetzt (wobei das Wort „auf“ schon früher benutzt wird z.B. als Bedürfnisäußerung „auf den Arm“). Später tauchen auch Adjektive auf, und erste Artikel werden den Substantiven zugesetzt. Der passive Wortschatz liegt sehr viel höher, so dass auch erste kombinierte Aufträge verstanden werden. Es werden 3- und Mehrwortsätze gebildet, wobei das Verb nicht mehr am Satzende angehängt wird, sondern immer häufiger hinter das Subjekt gestellt wird (sog. Verbzweitstellung). Im Laufe des 3. Lebensjahres erweitert sich der Wortschatz noch einmal gewaltig. Personalpronomina erscheinen zur Bezeichnung der Personen ohne Namensnennung („ich“ und „du“ hingegen schon mit 2-2 1/2 Jahren), Farben werden benannt, die Präpositionen werden richtig zugeordnet. Die Mehrzahl wird erkannt und eingesetzt. Fragesätze werden gebildet und mit wer, was, wo eingeleitet. Die Warum-fragen tauchen zwischen 3 und 4 Jahren auf. Mit 4 Jahren werden auch Nebensätze gebildet, wobei die Kausalverbindung „weil“ zunächst dominiert. „Und“ zur Verbindung von Hauptsätzen wird benutzt und „oder“ als Alternative verstanden. Verben werden jetzt dem Subjekt angeglichen, die Vergangenheitsform wird benutzt und verstanden. Substantive bekommen Fallmarkierungen, wobei zunächst nur der 4. Fall benutzt wird, später erst der 3. Fall. Die Pluralbildung ist jetzt bis auf Ausnahmen richtig. Es dauert aber noch bis zum 5. Lebensjahr, bis die Sprache soweit steht, dass auch kleine Geschichten erzählt werden können. Sehr sprachgewandte Kinder schaffen das allerdings schon früher. Die gesamte Sprachentwicklung hängt sehr stark auf von Sprachangebot aus der Familie ab und von den kulturellen Einflüssen aus der Lebensumwelt. Viele Grüße
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