Mitglied inaktiv
Hallo Herr Dr. Posth, unsere Tochter ist 14 Monate alt und ein sehr freundliches, offenes und kontaktfreudiges Kind. Sie begegnet jedem mit einem Lächeln und hat keinerlei Scheu oder Angst vor Fremden. Über dieses Verhalten freuen wir uns, aber mitunter gibt es Situationen die befremdlich sind. Z.B., saß ich neulich mit ihr im vollen Wartezimmer und sie hat alle Leute dort unterhalten. Sie ist zu jedem hingegangen, hat ihr Spielzeug gezeigt und hat sogar signalisiert, daß sie bei den fremden Leuten auf den Arm wollte. So wanderte sie von einem fremden Schoß zum nächsten. Ich war für die komplette Zeit abgemeldet. Das gleiche ein paar Tage später bei einer Feier, auf der sie niemanden zuvor gesehen hatte. Stimmt irgendetwas mit unserer Bindung nicht oder hat sie soviel Vertrauen zu mir, daß sie sich sowas traut? Wir haben sie nie schreien lassen und immer sofort ihre Bedürfnisse gestillt. Zuhause ist sie sehr kuschelig und ausgeglichen. Vielen Dank für ihren Rat! Sonja
Liebe Sonja, aus der Ferne und ohne eigene Beobachtung lässt sich die Antwort eigentlich nicht geben. Wenn Sie aber, wie sie schreiben, von einer absolut sicheren Bindung ausgehen können, dann kann das offenherzige Verhalten Ihrer Tochter ja nur in ihrem Wesen liegt, also Temperament und Charakter sein. Solche Kinder sind eher extrovertiert, offensiv und sehr explorativ veranlagt. Da sie angstfrei aufwachsen konnten, leben sie ihren neugierigen Drang lebhaft aus. Sicher sind sie dadurch in unserer Gesellschaft auch gefährdet, was die Eltern dazu anhalten sollte, auf ihr Kind zu achten, um ihm den nötigen Schutz zu gewähren. Das soll aber nicht bedeuten, das Kind zu "verbiegen" und ihm Angst vor potenziell bösen Menschen zu machen. Später, wenn die Kognition weiter voranschreitet, relativiert sich das Verhalten solcher Kinder automatisch etwas. Viele Grüße.
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