Sylvia Ubbens

Kleinkind Tod erklären?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo!

Ich habe es schon mit der Suche probiert, aber die Fragen und Antworten dort bezogen sich immer auf etwas ältere Kinder. Jetzt bin ich unsicher, wie ich mich verhalten soll.

Eine nahe Verwandte hat eine, nun sagen wir eher nicht so positive Krebsdiagnose bekommen mit einem relativ kurzen Ablaufdatum ("ein Weihnachten, vielleicht zwei" - was man so liest kann man von einem halben Jahr oder weniger ausgehen). Mal abgesehen vom Schock heißt das für meinen Mann und mich, dass wir uns da irgendwie drauf vorbereiten können.

Aber was ist mit meinem Sohn? Er ist jetzt gerade ein Jahr (nicht ganz 13 Monate). Dem kann ich das doch nicht erklären und ihn schon gar nicht drauf vorbereiten.

Wir wollen die Betroffene so bald wie möglich besuchen und dann natürlich auch den Kleinen mitnehmen - und dann in den nächsten Monaten vermutlich häufiger mal hinfahren, damit sie noch so viel Zeit wie es geht mit ihm verbringen kann (sie wohnt gut 3h Fahrt entfernt). Ist das richtig? Ich will ihr die Zeit nicht nehmen, sie liebt den Kleinen abgöttisch. Aber ich bin etwas überfordert gerade mit der Frage wie ich ihm dann hinterher klar machen soll dass sie "weg" ist.

Sie selbst ist sehr gläubig und kann sich an diesem Glauben festhalten. Ich bin das nicht und mein Mann auch nicht. Wir können unserem Sohn doch nicht einfach erzählen, dass X dann im Himmel ist, oder? Was mach ich, wenn sie selbst damit anfängt und ihm sagt, dass sie bald nicht mehr da ist, weil sie zu Gott zurückgeht?

Das kommt alles etwas sehr plötzlich. Damit hatte natürlich niemand gerechnet und die Zeit ist so kurz. Ich bin völlig überfordert mit der Frage, wie ich mich meinem Sohn gegenüber in diesem Thema verhalten soll.

Wird er sich überhaupt jemals an sie erinnern? Wie weit zurück können Kinder sich an geliebte Menschen erinnern?

In anderen Posts haben sie geschrieben, dass Kinder mit 2,5 den Tod noch nicht wirklich begreifen, aber aktiv an Beerdingungen teilnehmen (können). Er wird dann vielleicht gerade 1,5 sein. Hab ich irgend eine Chance ihm begreiflich zu machen was passiert? Oder sollten wir es ihm im Grunde gar nicht sagen, so lange er nicht irgendwann nach ihr fragt? Durch die Entfernung hat er sie jetzt nicht ständig gesehen aber wir werden wie gesagt natürlich die nächsten Monate nutzen, damit sie noch viel Zeit mit ihm verbringen kann.

Können Sie mir einen Rat geben?

Danke!
Lilly

von lilke am 24.11.2015, 09:01 Uhr

 

Antwort auf:

Kleinkind Tod erklären?

Liebe Lilly,

es wird vermutlich so sein, wie auch meine Vorrednerin schon schrieb, dass sich Ihr Sohn nicht an die Verwandte erinnern wird. Er wird sich im Laufe des nächsten Jahres auch nicht an eine etwaige Beerdigung oder Trauerfeier erinnern. Es wird ihm aber nicht schaden, die Verwandte zu besuchen und auch nicht, an der Beerdigung teilzunehmen.

Im Vorfeld müssen Sie Ihrem Sohn nicht erklären, dass ... sterben wird. Er wird Ihre Worte nicht verstehen. Und wenn er irgendwann Verständnis dafür aufbringt, dass ein Mensch (oder Tier) gestorben ist, dann erklären Sie es mit Ihren Worten, mit dem, was Sie sich vorstellen. Kinder nehmen es so hin und verkraften die "Wahrheit". Ist er etwas älter, ab 3 Jahren etwa, ist es sicherlich tröstlich, wenn z.B. die Seele des Verstorbenen auf einen hinabblickt bzw. irgendetwas von dem Verstorbenen "bleibt".

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 24.11.2015

Antwort auf:

Kleinkind Tod erklären?

Liebe Lilly,

meine Mama ist im Frühjahr nur 6 Wochen nach der Diagnose Krebs verstorben.
Meine Tochter war da gerade 14 Monate alt.
Sie hat das garantiert nicht begriffen. Wir haben es aber auch nicht mit ihr thematisiert. Sie war bei der Trauerfeier dabei und auch bei der Urnenbeisetzung.
Sie hat mitbekommen, dass ich sehr traurig war und versucht, mich zu trösten.
Ich glaube nicht, dass sie sich an meine Mama erinnern wird...

Wir hatten meine Tochter auch im Krankenhaus dabei. Und das war das schönste Geschenk für meine Mama.

Ich wünsche euch viel Kraft!

von ergoteuse am 24.11.2015

Antwort auf:

Kleinkind Tod erklären?

Hi!

Danke für Deine lieben Worte, sie geben mir etwas Hoffnung, dass unser Sohn das auch gut wird verarbeiten können. Es tut mir im Moment vor allem so leid, dass sie ihn nicht wird aufwachsen sehen :( Sie ist immer so glücklich, wenn sie ihn sieht.

Und unser zweites Kind lernt sie vielleicht gar nicht kennen... (Bin erst 6. SSW und war noch nicht mal beim FA :/) Gerade alles etwas bescheiden und ich weiß nicht so richtig, wie ich mich verhalten soll.

LG und nochmals danke, das hat mich etwas aufgebaut!

LG
Lilly

von lilke am 24.11.2015

Antwort auf:

Kleinkind Tod erklären?

Ich kann dich so gut verstehen. Meine Mama ist im Mai gestorben. Anfang August kam mein zweites Baby...

Du musst jetzt ganz gut auf dich aufpassen!

An der Diagnose kannst du nichts ändern. Leider! Aber du kannst Freude verbreiten.

Wenn du dich persönlicher austauschen magst, schicke mir gern eine PN.

von ergoteuse am 24.11.2015

Antwort auf:

Kleinkind Tod erklären?

Nachdem ihr verwandt seid, bleibt in jedem Fall etwas von ihr. Sie lebt mit ihren Genen in dir und deinen Kindern weiter.
Den Gedanken finde ich total tröstlich!

Meine Mama hatte ein schönes Bilderbuch zum Thema Sterben: Ente, Tod und Tulpe. Vielleicht eher was für dich als für dein Kind. Aber es nimmt die Angst vorm Tod.

von ergoteuse am 24.11.2015

Antwort auf:

Kleinkind Tod erklären?

Danke an alle, das hat mir sehr geholfen und mir etwas die Angst genommen, dass ich etwas "falsch" machen könnte, wenn ich die beiden jetzt erst recht zusammenbringe.

Stimmt, der Gedanke, dass etwas von ihr in ihm auch weiterlebt ist sehr schön und tröstend, an dem kann ich mich etwas festhalten.

Mein Beileid auch euch anderen, die diese Situation genauso erlebt haben. Ich hoffe, es wird nicht falsch verstanden aber es gibt mir etwas Kraft zu sehen, dass andere durch die gleiche Situation gegangen sind und sie meistern konnten. Dann schaffen wir das bestimmt auch.

Vielen, vielen Dank!
Lilly

von lilke am 25.11.2015

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