Dr. Rüdiger Posth

Entwicklung von Babys und Kleinkindern

Dr. Rüdiger Posth

   

Antwort:

Darf man ein 6 Monate altes Baby mal schreien lassen?

"tja, belinda, es gibt kinder, die haben von anfang an verloren. "

Wie wahr und wie todtraurig dieser Satz doch leider ist!

Obwohl es sowohl den Ausführungen von Dr. Posth wie auch den anderen Beiträgen, die sich dagegen aussprechen, das Kind seinem Unglück oder Unwohlsein zu überlassen und seine Rufe und Bitten einfach herzlos zu ignorieren, inhaltlich gar nichts hinzuzufügen gibt, scheint es mir aufgrund eigener Erfahrungen doch notwendig, noch einmal zu betonen, dass auch unser jetzt 18 Monate alter Sohn, die Zuwendung, die wir ihm in seinen vergangenen Lebensmonaten geschenkt anstatt verweigert haben, nicht damit honoriert hat, dass er uns jetzt am Gängelband führt, sondern damit, dass er bewiesen hat, was Dr. Posth und andere seriöse Wissenschafftler herausgefunden haben: Längst ist sein primäres Verhalten darauf ausgerichtet, selbst die Welt zu untersuchen, zu entdecken und sich ihre vielfältigen Erscheinungen zu erarbeiten und anzueignen.

Gerade weil er gelernt hat, dass es ein sicheres Fundament in seinem Leben gibt, auf das er Bezug nehmen kann, wenn Gefahr, Bedrohung oder Unwohlsein und Unsicherheit die Oberhand gewinnen, ist er für unsere Begriffe eher zu risikobereit und zu mutig, und will (ebenfalls nur für unsere Begriffe!) viel zu viel von Anfang an alleine machen.

Auch wenn er dabei nach wie vor sehr viel Wert auf die Kommunikation mit seinen Eltern oder sonstigen Bezugspersonen legt, d.h. vorführen möchte, was er herausgefunden oder gelernt, oder entdeckt hat, oft um Hilfe bittet, wenn er bei seinen Entdeckungen, Experimenten und Abenteuern nicht weiterkommt, bin ich doch davon überzeugt, dass dieser Weg einer der wenigen sinnvollen Wege ist, die es ihm auf lange Sicht ermöglichen werden, selbst Entscheidungen zu treffen, die ihm helfen werden, sein Leben so zu gestalten, dass ER damit glücklich und zufrieden ist.

Das ist zwar für uns als Eltern und Begleiter auf diesem Weg zeitweise sehr anstrengend - das leugne ich nicht, aber steht es ihm und allen seinen Brüdern und Schwestern nicht zu, dass wir uns diese Mühe machen? Gehört das nicht mit zu der Verantwortung die wir übernommen haben, ALS wir diese kleinen Wesen in die Welt gesetzt haben? Gehört es nicht ebenfalls dazu, sich selbst einmal zu fragen, ob diese kleinen Wesen denn überhaupt in diese Welt gewollt hätten, wenn wir sie vorher gefragt hätten und ob sie sich ausgerechnet uns als Eltern ausgesucht hätten, wenn sie eine Wahl gehabt hätten?

Ist es nicht längst überfällig, endlich zu verstehen, dass diese Wesen, unsere Kinder, nichts, aber auch gar nichts mit unserem programmierbaren Videorekorder gemein haben und deshalb schon die Herangehensweise, wie man sie so "programmieren" kann, dass sie für uns möglichst "pflegeleicht" sind, sowohl den Umständen wie auch den Personen absolut unangemessen ist?

von knickel am 16.06.2003, 02:06 Uhr

 
 
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