Biggi Welter

Biggi Welter

Stillberaterin

Biggi Welter absolvierte ab 1996 ihre Ausbildung zur Stillberaterin bei der La Leche Liga Deutschland e.V., einer Organisation in 78 Ländern in offizieller Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Schwangeren und stillenden Mütter in Fragen rund um das Stillen Beratung anbietet. Danach leitete Biggi Welter viele Jahre lang eigene Stillgruppen mit intensiver Betreuung. Ab 1999 übernahm sie zudem die Online-Stillberatung von Rund-ums-Baby.de, die sie heute noch leitet. Ihre Beratungen bei Rund-ums-Baby.de werden jeden Monat hunderttausendfach weltweit von stillenden Müttern gelesen. Ein achtsamer und wertschätzender Umgang mit Kindern liegt ihr am Herzen.

Biggi Welter

Seit der Periode ist der Wurm drin...

Antwort von Biggi Welter, Stillberaterin

Frage:

Hallo,

ich stille meinen zweiten Sohn (3,5 Monate) bis auf wenige Ausnahme (zB Sylvester) voll. Das hat eigentlich auch prima geklappt. Ich hatte tendenziell eher zuviel als zuwenig Milch.
Mitte Dezember bekam ich die Kupferspirale und damit auch meine erste Periode. Und seitdem ist irgendwie der Wurm drin.
Er trinkt seitdem sehr kurz (meist nur ca. 5 Minuten) und lässt sich dann nicht mehr dazu bewegen, nochmal richtig zu saugen.
Das reicht ihm aber nicht und nach spätestens zwei Stunden, meist aber schon nach 60-90 Minuten hat er wieder Hunger.
Vorher hatte er durchaus auch mal 3-4 Stunden, nachts auch 5-6 Stunden ohne Stillen.
Jetzt meldet er sich auch nachts alle 2 Stunden.
Ich habe das Gefühl, dass sich durch das kurze Trinken auch langsam meine Milchmenge reduziert hat.
Ausserdem merke ich, dass der Milchspendereflex viel geringer ist als früher.

Gestern bekam ich eine Doppelpumpe und pumpe seitdem nach dem Stillen ab und füttere die abgepumpte Milch nach.
Gestern habe ich dann immer eine Seite gestillt (an der er ca. 5 Minuten gesaugt hat), dann beide Seiten abgepumpt (Menge aus beiden Brüsten zusammen ca. 50-60 ml) und ihm das nachgefüttert.
Und siehe da: Er hat es immer ganz ausgetrunken und nachts auch endlich mal wieder 4 Stunden am Stück geschlafen.

Aber das ist schon sehr aufwändig und ich weiß nicht, ob es so gut ist, dass er jetzt dauerhaft erst Brust, dann Flasche bekommt.

Wie ist Ihre Erfahrung?
Kann es mit der Periode zusammenhängen, dass ich weniger Milch bzw einen geringeren Milchspendereflex habe?

LG,
Julia

von JuliaA am 22.01.2013, 09:15 Uhr

 

Antwort auf:

Seit der Periode ist der Wurm drin...

Liebe Julia,

ich glaube weder, dass Sie zu wenig Milch haben, noch dass die Spirale die Ursache ist, sondern befürchte eher eine Saugverwirrung.
Sie schreiben, dass Ihr Baby die Flasche bekommen hat und das alleine kann schon zu einer Saugverwirrung führen.

Ein Baby, das mit der Flasche gefüttert wurde, hat einen sofort einsetzenden, gleichmäßigen Milchfluss kennengelernt. An der Brust reagiert es dann frustriert, weil nicht der von ihm erwartete, sofortige und stetige Milchfluss einsetzt (gerade weil der Milchspendereflex mehrmals ausgelöst werden muss während einer Stillmahlzeit). Es ist daher wichtig, dass Sie Ihre Milch bereits vor dem Anlegen zum Fließen bringen. Versuchen Sie, den Milchspendereflex durch Ausstreichen, Brustmassage und Wärmeanwendung oder eventuell mit einer Pumpe auszulösen ehe Sie ihren Sohn anlegen. Warten Sie nicht, bis Ihr Sohn sehr hungrig ist. Ein aufgeregtes, hungriges Baby ist nicht unbedingt bereit, etwas Neues (also das korrekte Trinken an der Brust) zu lernen.

Eine Saugverwirrung entsteht, wenn ein Kind mit dem Wechsel zwischen den Trinktechniken an Brust und künstlichem Sauger (dazu gehören Flaschensauger, Schnuller und Stillhütchen) nicht zurecht kommt und dann die Brust schlussendlich sogar verweigern kann. Das ist ein ernsthaftes Stillproblem, das schon viele Sorgen und Tränen bei Müttern und Kindern verursacht hat. Doch eine Saugverwirrung kann überwunden werden. Dabei ist es die erste Maßnahme, dass sämtliche künstlichen Sauger weggelassen werden. In leichteren Fällen kann dies schon ausreichen.

Am besten besprechen Sie mit einer Stillberaterin in Ihrer Nähe, wie Sie vorgehen können. Die Kollegin kann Ihnen dann im persönlichen Kontakt gezielte Tipps und Hinweise geben, auch zum Thema Steigerung der Milchmenge und Wachstumsschübe.

Sie können versuchen Ihr Baby anzulegen, wenn es schon sehr schläfrig oder fast eingeschlafen ist. Viele Babys, die sich weigern, an der Brust zu trinken, wenn sie hellwach sind, tun es im Halbschlaf dann doch. Sie können ihm die Brust auch immer wieder anbieten, wenn es wach ist, drängen Sie aber nicht. Manche Babys sind eher bereit zu trinken, wenn ihre Mutter umhergeht statt stillzusitzen. Wenn Sie möchten, dass Ihr Baby wieder an Ihrer Brust trinkt, sollten Sie sich darauf einstellen, sich in den nächsten Tagen fast ausschließlich Ihrem Kind zu widmen. Wenn Sie es viel im Arm haben, zärtlich streicheln und es Sie in einer entspannten Atmosphäre einmal ganz für sich alleine hat, beruhigt es sich vielleicht und lässt sich dazu bewegen, wieder bei Ihnen zu trinken.

Bei Babys, die sich beim Stillen überstrecken und aufbäumen hat es sich bewährt sie zu `bündeln“. Beim Bündeln wickeln Sie das Baby gut in eine Decke ein, so dass seine Schultern nach vorne geneigt und die Arme unterhalb der Brust gekreuzt sind. So kann es den Kopf nicht zurückwerfen. Bei manchen Babys bewährt es sich, wenn die Decke unten offen bleibt, so dass die Füße frei bleiben. Wenn Sie Ihr Kind auf diese Weise eingepackt haben, sieht es wie ein „C“ aus, mit dem Kinn auf der Brust und angezogenen Beinchen. Manche Babys brauchen anscheinend das Gefühl umhüllt und gehalten zu sein.

Weitere Maßnahmen, die sich bei einem Stillstreik bewährt haben, sind:

• im Umhergehen stillen,
• in der Badewanne oder im Schaukelstuhl stillen,
• im Halbdunkeln stillen,
• im Halbschlaf stillen,
• das Baby mit der Brust spielen lassen,
• unterschiedliche Stillhaltungen ausprobieren,
• alle künstlichen Sauger vermeiden,
• das Baby massieren,
• viel Körperkontakt (Haut auf Haut),
• und ganz wichtig: keinen Stillstress erzeugen, weder bei der Mutter noch beim Kind, Ruhe und Gelassenheit, auch wenn es schwer fällt.

Um Ihre Milchproduktion aufrecht zu erhalten und zu verhindern, dass Ihre Brust übervoll wird, sollten Sie Ihre Milch ausstreichen oder abpumpen. Die so gewonnene Milch können Sie Ihrem Kind mit einer alternativen Fütterungsmethode anbieten, z.B. mit einem Becher. Die Flasche ist in dieser Situation nicht unproblematisch, denn es kann Ihnen passieren, dass sich Ihr Kind dann zur Flasche hin abstillt.

Adressen von Stillberaterinnen finden Sie im Internet unter:
http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC).

LLLiebe Grüße
Biggi Welter

von Biggi Welter, Stillberaterin am 22.01.2013

Antwort auf:

Seit der Periode ist der Wurm drin...

Hallo,

an eine Saugverwirrung habe ich auch schon gedacht, aber dagegen spricht, dass er an der Brust eigentlich gut trinkt. Er ist etwas unruhig, bis der Milchspendereflex einsetzt, aber dann saugt er sehr kräftig.
Er trinkt dann 5 Minuten pro Seite, aber er ist danach immernoch total unruhig.
Die abschließend abgepumpte Milch (heute waren es zwischen 20 und 40 ml) trinkt er gierig und es scheint ihm immernoch nicht zu reichen.
Meine Brüste sind extrem weich, sie werden gar nicht mehr prall, selbst nach 3-4 Stunden nicht (wenn wir unterwegs sind, hält er so lange aus).
Gut, das heisst nichts, aber man macht sich ja schon so seine Gedanken.

Wenn ich nun aber alle künstlichen Sauger weglasse (er bekommt seit er 2 Wochen alt ist auch einen Schnuller) - in welcher Zeitspanne sollte es denn dann wieder ok sein, wenn das die Ursache war? Also in etwa, damit ich weiß, womit ich rechnen kann/muss/sollte.


LG,
Julia

von JuliaA am 22.01.2013

Antwort auf:

Seit der Periode ist der Wurm drin...

Liebe Julia,

der Milchspendereflex setzt mehrmals während einer Stillmahlzeit ein und es kann sein, dass Ihr Kind nur so lange gut trinkt, so lange die Milch „von ganz alleine“ läuft.

Weiche Brüste sind KEIN Hinweis auf zu wenig Milch, im Gegenteil, nach den ersten Wochen ist es absolut normal, dass die Brust wieder weich (und oft auch kleiner wird). Das bedeutet nicht, dass die Milch weniger geworden ist, sondern ist ein Hinweis darauf, dass sich die Stillbeziehung eingespielt hat.

Günstig wäre es, wenn Sie ein paar "Baby und Stilltage" einlegen könnten. Das heißt, Sie legen sich mit Ihrem Baby ins Bett, ruhen sich aus und kümmern sich ausschließlich um
Ihr Baby, stillen es alle zwei Stunden und lassen den Haushalt von jemandem anders
versorgen.

Achten Sie darauf, genügend zu essen (möglichst kohlehydratreiche Nahrung) und Ihrem
Durstgefühl entsprechend zu trinken. Sie müssen keine Flüssigkeit in sich hineinschütten, eine zu
hohe Flüssigkeitsaufnahme wirkt sich NICHT positiv auf die Milchmenge aus.

Außerdem ist es sicher empfehlenswert, dass Sie sich die Unterstützung einer Stillberaterin vor
Ort suchen. Sie kann im direkten Gespräch mit Ihnen viele Fragen sofort klären und kann sich auch
anschauen, wie Sie anlegen und wie Ihr Baby saugt.
Adressen von Stillberaterinnen finden Sie im Internet unter:
http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC).

Meist klappt es in einigen Tagen wieder besser, wenn auf alle künstlichen Sauger verzichtet wird.

LLLiebe Grüße,
Biggi

von Biggi Welter, Stillberaterin am 22.01.2013

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