Biggi Welter

Biggi Welter

Stillberaterin

Biggi Welter absolvierte ab 1996 ihre Ausbildung zur Stillberaterin bei der La Leche Liga Deutschland e.V., einer Organisation in 78 Ländern in offizieller Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Schwangeren und stillenden Mütter in Fragen rund um das Stillen Beratung anbietet. Danach leitete Biggi Welter viele Jahre lang eigene Stillgruppen mit intensiver Betreuung. Ab 1999 übernahm sie zudem die Online-Stillberatung von Rund-ums-Baby.de, die sie heute noch leitet. Ihre Beratungen bei Rund-ums-Baby.de werden jeden Monat hunderttausendfach weltweit von stillenden Müttern gelesen. Ein achtsamer und wertschätzender Umgang mit Kindern liegt ihr am Herzen.

Biggi Welter

Gewichtszunahme Baby

Antwort von Biggi Welter, Stillberaterin

Frage:

Guten morgen,

Ich habe folgendes Problem und hoffe Sie können mir helfen:

Mein Sohn wird vollgestillt, wog zur Geburt am 16.01. 3450g, sein niedrigstes Gewicht lag bei 3240g.
Mittlerweile wiegt er 4760g (zuletzt am 22.03 gewogen).

Leider ist es nun so, dass er ziemlich leicht ist und scheinbar recht wenig nur zunimmt, wenn man seine Werte auf den Perzentilen abfließen, sieht man ja deutlich, dass er zu leicht ist.
Er wirkt jedoch zufrieden, lacht häufig und ist auch so ein aufgewecktes Kerlchen. Seine Windeln sind mindestens 6 mal am Tag nass und alle paar Tage hat er Stuhlgang.
Mache mir totale Sorgen, ob er vom Stillen nicht satt wird, obwohl er zufrieden scheint und auch mal 3-4h am Stück schläft.

Ich weiß mir keinen Rat mehr, warum er nur so zögerlich zunimmt.
Milch habe ich denke ich mal genug, jedes mal wenn ich die Brust drücke, spritzt die Milch nur so raus.

Vllt haben Sie eine Idee oder einen Tipp, beziehungsweise können mich beruhigen.

Mit freundlichen Grüßen

von BrokenWing am 28.03.2018, 10:46 Uhr

 

Antwort auf:

Gewichtszunahme Baby

Liebe BrokenWing,

leider muss ich dir sagen, dass auch bei mir alle Alarmglocken schrillen, wenn ein Baby in diesem Alter nicht ausreichend zunimmt.

In Absprache mit der Kinderärztin/arzt und in Zusammenarbeit mit einer Stillberaterin vor Ort, wäre es der erste Schritt, festzustellen, wodurch die Gewichtszunahme verursacht wurde und ob es notwendig ist sofort zusätzliche Nahrung zu geben und dabei gleichzeitig daran zu arbeiten die Milchmenge der Mutter zu erhöhen oder ob zunächst noch abgewartet werden kann mit der zusätzlichen Nahrung und Du mit geeigneten Maßnahmen deine Milchproduktion ankurbeln kannst.

Aus der Distanz kann ich dir jetzt keines Falls sagen, was in deinem Fall erfolgen sollte. Am besten setzt Du dich mit einer Stillberaterin in deiner Nähe in Verbindung und sprichst nochmals mit der Kinderärztin/arzt, ob es möglich ist, zunächst zu versuchen, das Kind durch ausschließliches Stillen weiter zu ernähren oder ob sofort Handlungsbedarf also die zusätzliche Gabe von künstlicher Säuglingsnahrung besteht.

Ist es notwendig zusätzliche Säuglingsnahrung zu geben, dann sollte diese Nahrung möglichst nicht mit der Flasche, sondern mit einer alternativen Fütterungsmethode nach dem Anlegen gegeben werden (z.B. Becher). Gleichzeitig sollte durch die im folgenden beschriebenen Maßnahmen versucht werden, die Milchmenge der Mutter zu erhöhen und das Kind zu häufigerem Trinken an der Brust anzuregen. Die Maßnahmen zur Steigerung der Milchmenge gelten auch dann, wenn keine Zusatznahrung erforderlich ist.

Oberste Regel: Häufiges Anlegen und ein gut saugendes Kind stimulieren die Brust zu mehr Milchbildung. Deshalb solltest Du dein Baby in den nächsten Tagen oft anlegen.

Um das Interesse deines Babys an der Brust wach zu halten, kannst Du es mit Wechselstillen versuchen. Dabei legst Du Dein Baby an und stillst es, solange es wirkungsvoll saugt, d.h. es schluckt nach jeder oder jeder zweiten Saugbewegung. Sobald es seltener schluckt, nimmst Du es sanft von der Brust (vergiss nicht den Saugschluss zu lösen) und lässt es aufstoßen, streichelst seine Fußsohlen oder massierst es sanft entlang der Wirbelsäule, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Dann wird es an der anderen Brust angelegt und wieder gestillt, so lange es wirkungsvoll saugt. Schluckt es wieder seltener, wird es zurück an die erste Brust gelegt, nachdem Du es wieder etwas ermuntert hast. Dieses "Wecken und Wechseln" wird zwanzig bis dreißig Minuten lang ausgeführt, wie bereits erwähnt tagsüber alle zwei Stunden und nachts mindestens alle vier Stunden

Eventuell ist es sinnvoll zusätzlich zu pumpen. Wenn gepumpt wird, dann sollte eine möglichst effektive Pumpe verwendet werden, am besten eine vollautomatische, elektrische Kolbenpumpe mit Doppelpumpset. Zu wenig Milch ist eine medizinische Indikation für die Verordnung der Pumpe durch den Arzt (auf der Verordnung muss "mit Zubehör" stehen, sonst musst Du das Zubehör selbst zahlen).

Richte dich mit deiner Flüssigkeitszufuhr nach deinem Durstgefühl. Eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Milch, da sie dazu führt dazu, dass das antidiuretische Hormon (ADH) zurückgeht, die Frau erfährt dann eine vermehrte Wasserausscheidung ("schwemmt aus") und die Milchbildung verringert sich. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit (davon höchstens zwei bis Tassen Milchbildungstee) sind im Allgemeinen ausreichend. Wenn der Urin dunkelgelb wird und die Menge gering ist, trinkst Du zu wenig. Schwarzer Tee, Matetee und Kaffee sollten nur mäßig genossen werden. Auf Limonaden oder Colagetränke sowie künstlich gesüßte Getränke sollte möglichst verzichtet werden. Auf die (angebliche) milchflussfördernde Wirkung von Bier oder Sekt sollte verzichtet werden. Alkohol geht bereits in kleinen Mengen in die Milch über und belastet den Stoffwechsel des Babys.

Achte darauf, dass DU ausreichend und möglichst ausgewogen isst. Kohlenhydratreiche Nahrung hat einen positiven Einfluss auf die Milchbildung.

Ruhe dich oft aus und entspanne dich. Arbeite für eine Weile so wenig wie möglich. Die Hausarbeit läuft dir nicht davon! Stress wirkt sich ungünstig auf den Milchspendereflex und auf die Milchbildung aus. Vielleicht kannst Du ja ein paar "Stilltage" einlegen, das heißt Du legst dich mit deinem Baby ins Bett und kümmerst dich ausschließlich um dein Baby und das Stillen.

Wenn möglich, sollte dein Kind keinen Schnuller und auch keine Flaschensauger bekommen, denn diese können dazu führen, dass dein Baby nicht mehr weiß, wie es richtig an der Brust trinken soll. Die eventuell notwendige Zusatznahrung sollte mit einer alternativen Fütterungsmethode gegeben werden.

Außerdem solltest Du unbedingt Kontakt zu einer Stillberaterin vor Ort aufnehmen, die dich und dein Kind beim Stillen beobachten kann. Es ist wichtig, dass Du korrekt anlegst und dass dein Kind korrekt saugt. Es kann auch sein, dass dein Baby nicht richtig saugt oder eine Saugschwäche hat, was korrigiert werden müsste. Das kann ich nicht beurteilen, denn ich kann dich nicht sehen.

Am besten besprichst Du mit einer Stillberaterin in deiner Nähe, wie Du vorgehen kannst.
Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter:
http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC).

Ich würde dir zusätzlich noch empfehlen, ihm eine Kalorienbombe aus Muttermilchsahne zu geben, das gibt den Kleinen meist einen wirklich guten Zunahme- und Entwicklungskick. Schau, dass du Milch ausstreichst oder abpumpst, die du in 10 ml Spritzen aufziehst und dann kopfüber in ein Glas stellst (also mit der Spitze nach unten). Lass aber ein bisschen Luft, denn die Schwerkraft wird den Kolben vielleicht etwas weiter in die Spritze drücken... Oben auf der Milch wird sich eine Fettschicht absetzen, der Muttermilchrahm. Nach ca. 2 Stunden kannst du den wässrigen unteren Teil der Milch ausdrücken und deinem Kind die verbleibende Sahne in den Mund träufeln.

Statt mit leeren Spritzen kannst du natürlich auch mit einer Tasse arbeiten, in die du die gewonnene Muttermilch gibst. Oben wird sich der fetthaltige Rahm absetzen, du kannst ihn mit einem Löffel abschöpfen und deinem Baby geben.

Wenn du das 3-4 Tage lang machst (je mehr, desto besser), wird dein Baby ganz sicher einen Schub machen.

Probier es mal aus!


LLLiebe Grüße
Biggi

von Biggi Welter, Stillberaterin am 28.03.2018

Antwort auf:

Gewichtszunahme Baby

Ersteinmal vielen Dank für die schnelle Antwort.

Ich habe schon eine Stillberaterin zu Hause gehabt, diese meinte es sieht technisch alles gut aus, sowohl meine Anlegetechnik, als auch das Saugverhalten meines Babys. Ebenfalls wurde das Zungenbändchen kontrolliert, soweit also keine Auffälligkeiten.

Leider ist es jetzt nicht mehr möglich, nochmal eine Stillberaterin hier vor Ort zu kontaktieren, da wir umgezogen sind und es hier im Umkreis leider keine gibt.

Ich trinke bereits täglich Stilltee, Malzbier und versuche es mit Bockshornklee Kapseln.

Wenn ich abpumpe, dann bekomme ich leider keine zufriedenstellende Menge heraus, teilweise keine 10ml.

Ich stille bereits nach Bedarf, also aller spätestens alle 2 Stunden, länger hält er sowieso nicht durch. Nachts bewegen wir uns zwischen 2 und 3 Stunden.

So langsam gebe ich die Hoffnung auf, möchte mein Kind ja nicht hungern lassen, auch wenn es mir nicht so vorkommt als würde er hungern.
Jedoch spricht das Gewicht ja leider etwas anderes.
Da ich niemanden vor Ort habe, werde ich wohl oder übel zur Flasche greifen müssen, weil ich mir anders nicht mehr zu helfen weiß.

Mein Kinderarzt war bisher noch nicht allzu besorgt und sagte ich solle erstmal so weiter machen bis in einem Monat die U4 ansteht, da will er dann entscheiden ob ich zufüttern muss.
Ich bin ehrlich, so lange kann ich vermutlich nicht mehr warten, weil das Gewicht mir solche Sorgen bereitet.

von BrokenWing am 28.03.2018

Antwort auf:

Gewichtszunahme Baby

Liebe BrokenWing,

hast du mal geschaut, ob es eine Kollegin gibt, die du erreichen könntest? Auch 1 Stunde Fahrt würde sich lohnen... :-)

Eine Stillberaterin in deiner Nähe findest Du im Internet unter http://wwwlalecheliga.de (La Leche Liga), http://www.afs stillen.de (Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl stillen.de (Still und Laktationsberaterinnen IBCLC).

Lieben Gruß,
Biggi

von Biggi Welter, Stillberaterin am 28.03.2018

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