Hebamme Martina Höfel

Hebamme

Martina Höfel

   

 

Kein Glücksgefühl nach der Geburt, normal?

Hallo,
Jeder erzählt vom totalen glücksrausch nach der Geburt, nur ich hatte den nicht. Ich bin deshalb total fertig.
Ich hatte eigentlich eine schöne SS und Geburt (nur sehr lange) spontan, problemlos, Wunschkind.
Kind war geboren ich durfte es wie gewünscht selbst nehmen und auf meine Bauch legen, nur habe ich garnichts gespürt. Ich erinnere mich auch nur teilweise an die Situation nach der Geburt, aber ich weiß noch das ich voller Entsetzen zu meinem Mann gesagt habe: Ich fühle nichts (also für das Kind) und daran, dass ich dachte, das es nicht stimmt das man nach der Geburt keine Schmerzen mehr hat. Ich habe das Gefühl ich kann mich an alles nach der Geburt erinnern , außer was direkt mit meine kind zutun hat. Also zum Bsp wie es war die Nabelschnur durchzuschneiden, aber nicht daran wie die Nabelschnur an meinem Kind befestigt war, wie die Hebamme Nabelschnurblut entnommen hat und uns die Plazenta gezeigt hat, aber nicht daran wie mein Babay aussah, ob es wach war oder geschlafen hat. Das ist doch nicht normal, oder? Was bin ich für eine Mutter. Kann ich diese Erinnerungen irgendwie zurück holen? Ich frage ständig meine Mann nach irgendwelchen Sachen aber er erinnert sich eben auch nicht an alles und er kann auch ch nicht nachvollziehen warum mir Details so wiewichtig sind. Das macht mich total fertig. Jetzt ist mein Kind 4 Monate alt und diese Ängste etwas verpasst zuhaben werden immer schlimmer. Ich frage mich ob ich ihn die Tage nach der Geburt gekuschelt habe oder nur gestillt und abgelegt. Aber wenn ihm Nähe gefehlt hätte, hätte
weint oder? Mache mir deshalb solche Vorwürfe.habe auch das Gefühl ich kann mich an nichts erinnern. Z.b wie leicht er am Anfang war. Ich liebe ihn jetzt so sehr und habe das Gefühl die Zeit vergeht so schnell und ich kann nichts festhalten und mich nicht zurück erinnern.

von FuJ am 18.01.2016, 01:05 Uhr

 

Antwort:

Kein Glücksgefühl nach der Geburt, normal?

Liebe FuJ,

vor lauter Tatendrang und Bessermachen haben Sie den Fokus verschoben. Das ist nicht schlimm, denn für Sie war einfach wichtig fit und dabei zu sein.
Das heißt aber nicht, dass Sie sich deshalb weniger über Ihr Kind gefreut oder es gar weniger geliebt haben.

Mit dem Lieben ist das eh so eine Sache. Diese Liebe überfällt einen nicht immer sofort – manchmal muss sie erst langsam wachsen.

Bitte lesen Sie auch hier: http://www.rund-ums-baby.de/hebamme/Schuldgefuehle-wg-schwachen-Muttergefuehlen-habe-ich-damit-meinen-Kind-geschadet_122867.htm

Liebe Grüße
Martina Höfel

von Martina Höfel am 19.01.2016

Antwort:

Kein Glücksgefühl nach der Geburt, normal?

Bei mir war es ein KS und deshalb kann ich nichts dazu sagen, wie es bei einer spontanen Geburt ist, ich wollte Dir nur vielleicht einen Denkansatz mitgeben...

Wenn Du dich nicht erinnern kannst, warum gehst Du dann vom "Schlimmsten" aus? Schlimm im Sinne von für dich negativ. Zum Beispiel: Du schreibst, du kannst dich nicht erinnern, ob du mit ihm gekuschelt hast. Dann geh davon aus, du hast es getan.
Warum hättest Du es nicht tun sollen? Du würdest Dich bestimmt daran erinnern, wenn dein Kind ständig geschrieen hätte und es hätte garantiert geschrieen, wenn es mehr Nähe gebraucht hätte. Also hat ihm nichts gefehlt und er war glücklich.

Es passiert immer, dass wir bestimmte Aspekte von Ereignissen ausblenden - warum auch immer. Das heißt nicht, dass das schlechte Aspekte gewesen wären. Sie sind uns in dem Moment nicht im Fokus geblieben. Das heißt aber nicht, dass sie für immer verloren sind. In zwei, drei Jahren oder vielleicht auch bei der nächsten Geburt - so ihr noch ein Kind wollt und bekommt - kommt dann vielleicht alles wieder hoch. Muss nicht sein, kann aber.

Ob das "normal" ist, weiß ich nicht und würde ich auch nicht so beurteilen wollen (und können). Es ist sicherlich normal im allgemeinen Sinne, dass wir uns nicht an alle Details eines Ereignisses, egal wie einschneidend erinnern können.

Und eine schlechte Mutter bist du deshalb noch lange nicht!

Du sagst doch selbst, dass Du Dein Kind sehr liebst, also kannst Du keine schlechte Mutter sein.

Versuch die Vorwürfe wegzuschieben, wenn das irgendwie geht und dich darauf zu konzentrieren was jetzt ist und an was Du dich erinnern kannst.

Du kannst Dich daran erinnern, dass es eine schöne Geburt war, also geh davon aus, dass Du einfach glücklich und wenn sie sehr lang auch einfach sehr müde warst. Wenn man müde ist, kann man sich nicht auf alles fokusieren und das Hirn blendet bestimmte Aspekte halt aus. In deinem Fall hat es sich eher auf Fakten konzentriert und weniger auf "Emotionen". Vielleicht ist das die Art Mensch, die du bist, weiß ich nicht.

Meine Nachbarin hat vor ein paar Wochen ihren Sohn bekommen und da er ein Frühchen war, sind sie jetzt erst Zuhause. Als ich sie besucht habe um ihr zu gratulieren und den Kleinen gesehen hab, dachte ich nur... "War meiner auch mal so klein?" Mein Sohn ist jetzt 14 Monate, also noch gar nicht sooooo viel älter. Trotzdem kann ich dir heute nicht mehr sagen, wie "leicht" oder "schwer" er sich angefühlt hat.

Ich weiß wie viel er gewogen hat und ich weiß wie groß er war, aber ich dieses "Gefühl" von ihm auf dem Arm in den ersten Tagen... ich könnte es dir nicht beschreiben.

Wir haben in diesem Jahr ganz viele Fotos gemacht, auch weil unsere Familie nicht in der Nähe wohnt und den Kleinen selten persönlich sieht. Wenn ich mir die Fotos ansehe, dann habe ich viel mehr ein Gefühl dafür, wie es sich damals angefühlt hat.

Deshalb würde ich dir raten... mach Fotos, Videos, schreib ein Tagebuch, wenn das Dein Ding ist - vielleicht nur ein, zwei Sätze alle paar Tage. Und wenn Du in ein paar Wochen wieder das Gefühl hast, Du weißt nicht mehr, wie es war, dann sieh Dir die Bilder und Videos an und lies, was Du geschrieben hast. Dann wirst Du sehen, dass die Erinnerungen durchaus noch da sind. Sie sind nur im Augenblick nicht so präsent.

LG und ganz viel Freude noch an Deinem Kind!
Lilly

von lilke am 18.01.2016

Antwort:

Ja, normal!

Hallo,

es ist ja eine weit verbreitete Erwartung an uns Mütter, dass wir vom ersten Tag der Geburt eines Kindes an auf Wolke 7 zu schweben haben und doch bitteschön von morgens bis abends vor Glück platzen sollten. Klar sind viele Mütter nach der Entbindung glücklich, aber viele eben auch noch nicht so recht. Alle Gefühle nach einer Entbindung sind normal: Glück, aber auch ein Gefühl der Leere, wenn sich keine rechte Freude einstellt, oder auch ein ganz neutrales Gefühl.

Eigentlich wäre das gar kein Problem. Man hat nur leider vorher meist bestimmte Ideen dazu, wie ideal, wunderbar und innig die Entbindung und die Momente danach sicher sein werden. Und dann ist das Ganze nicht halb so romantisch und so wunderbar. Unsere Großmütter wussten dagegen immer schon, dass das Kinderkriegen nix mit romantischen Wunschvorstellungen zu tun hat. Sie hatten diese Erwartung gar nicht, dass sie nun vor Glück platzen müssten oder sich an jedes Detail der Geburt selig erinnern müssten. Deshalb waren sie auch nicht enttäuscht, wenn diese überhöhte Erwartung nicht erfüllt wurde.

Dass Du Dich schwer erinnern kannst an manche Dinge, die während oder kurz nach der Geburt waren, ist wirklich normal: Eine Entbindung ist ein zutiefst einschneidendes Erlebnis, Du warst von all den neuen Erfahrungen rund um Deinen Körper und auch von den medizinischen Vorgängen ganz überwältigt - da war einfach kein Platz für noch mehr Eindrücke und Informationen.

Tappe generell nicht in die Falle, dass Du als Mutter nun ständig Schuldgefühle haben solltest. Ich kenne fast keine Mutter ohne Schuldgefühle - weil die gesellschaftlichen Erwartung an eine Frau so irreal überhöht sind: Eine Mutter ist an allem Schuld, was mit ihrem Kind ist. Und zwar ganz allein. Sie ist Schuld, wenn der Start mit ihrem Baby nicht wie im Bilderbuch war. Sie ist Schuld, wenn sie nicht die "richtigen" Gefühle gegenüber ihrem Baby hat, usw., usw., das hört nie auf.

Am besten fängst Du deshalb mit diesem Unsinn gar nicht erst an, Du kommst sonst aus der Nummer nicht wieder heraus. Originellerweise plagt sich so gut wie kein Mann mit solchen Gefühlen, er käme gar nicht auf die Idee. Oder ist Dein Partner auch so verzweifelt wie Du, weil er sich nicht mehr an jedes Detail der Entbindung erinnern kann? Ganz sicher nicht, er hat einfach als Mann das bessere Selbstwertgefühl.

Du darfst als Mutter auch negative Gefühle haben, die gehören immer und ganz unvermeidlich dazu. Das einzige Gefühl, das wirklich unnötig und auch schädlich ist: das Schuldgefühl. Es tut Deinem Kind nicht gut, wenn es unterschwellig spürt, dass Du Schuldgefühle hast - deshalb darfst Du die jetzt getrost über Bord werfen! Mit Dir ist alles völlig normal und richtig. Höre auf, Deine Gefühle zu streng zu zensieren, gell. Geh' mal davon aus, dass die Hälfte Deiner Gefühle dunkel oder negativ sind, die andere Hälfte hell. Das ist ein schonmal ein ziemlich realistischer und entlastender Ansatz.

LG

von Mijou am 18.01.2016

Antwort:

Kein Glücksgefühl nach der Geburt, normal?

Danke für eure Tips. Es ist nur so mein erstes Kind war ein Kaiserschnitt und ich fande es immer traurig ihre ersten Momente nicht miterlebt zu haben da ich im aufwach Raum war. Nun war ich die ganze zeit dabei, hab die zeit aber nicht genossen. Nach der Geburt war ich voller Tatendrang und war duschen usw. Nur nicht so recht mit dem Kopf bei meinem Kind.

von FuJ am 18.01.2016

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