Ingrid Henkes

Trennungsängste im Kindergarten

Antwort von Ingrid Henkes

   

 

Trennungsängste im Kindergarten

Guten Morgen,
Meine Tochter (und ihr Zwillingsbruder) gehen seit August in den Kiga. Bisher ohne Probleme. Seit einer Woche aber hat sie plötzlich Probleme, wenn ich fahre. Gestern und heute hat sie sogar sehr geweint. Ich bin gestern dann nach 50 Minuten gefahren, heute nach 5- obwohl sie geweint hat. Sie beruhigt sich schnell wieder- mittags ist sie gut gelaunt und sagt, es war schön im Kiga. Morgens fragt sie mich als erstes freudestrahlend, ob sie heute wieder in den Kiga darf und ist auch total gut gelaunt, wenn wir uns fertig machen udn auf dem Weg zum Kiga. Auch wenn wir da sind, ist alles noch super. Wenn es dann Zeit für den Abschied ist, schlägt es plötzlich um. Ich solle bleiben oder sie möchte dann mit nach Hause.
Ich habe mir immer geschworen, niemals ein weinendes Kind im Kiga alleine zu lassen- aber im Moment sehe ich keinen anderen Ausweg- zumal ich ja weiß, dass sie auch wirklich gerne dort ist.
Was ist Ihre Meinung dazu, ein weinendes, schreiendes Kind im Kiga zu lassen?

Ich danke Ihnen im Voraus.

Lena

von lena567 am 12.11.2020, 09:35 Uhr

 

Antwort:

Trennungsängste im Kindergarten

Liebe Lena,
ein weinendes und dauerhaft unglückliches Kind sollte man nicht im Kindergarten lassen.
Aber das scheint bei Ihrer Tochter nicht der Fall zu sein. Nach Ihren Angaben fühlt sie sich dort doch insgesamt wohl und weint nicht lange.

Schwierig scheint für Ihre Tochter vor allem der Abschied zu sein. Hier können Sie Brücken bauen. Sie schreiben nicht, wie alt Ihre Kinder sind. Mit Dreijährigen kann man die Abschiedssituation z.B. schon vorbereitend besprechen. Sie können Ihre Tochter auch mittags immer wieder daran erinnern, dass Sie sie wie angekündigt abholen. Das stärkt das Vertrauen Ihrer Tochter in Ihre Zuverlässigkeit. Mit der zunehmenden Erfahrung, dass Sie sie abholen, wird sie diesbezüglich immer sicherer.
Sie können Ihrer Tochter auch ein Übergangsobjekt mitgeben, einen besonderen Gegenstand, der Ihnen gehört oder ein besonderes Kuscheltier, das Sie vom Abschied bis mittags haben darf.
Sie hat zudem ihren Bruder im Kindergarten, der ihr etwas Vertrautes von zuhause bietet.

Kinder spüren oft die Unsicherheit der Eltern beim Abschied, was ihnen die Trennung manchmal erschweren kann. Wenn Sie es Ihrer Tochter nicht zutrauen,einige Stunden ohne Sie auszukommen, kann sie es sich selber erst recht nicht zutrauen.

Ich möchte Ihnen gerne etwas von Ihrer Selbstkritik nehmen, weil Sie entgegen Ihrem Schwur handeln. Kinder zu haben und großzuziehen, bedeutet immer, von den zuvor gefassten "theoretischen Plänen" auch abrücken zu können und zu dürfen. Mit Kindern muss man sein Leben und seine Vorstellungen immer wieder an die Realität anpassen. Das heißt nicht, seine Vorstellungen und Werte aufzugeben, sondern sie des öfteren nach alltäglichen Notwendigkeiten und Erfordernisse zu modulieren, um den Alltag mit Kindern angemessen zu bewältigen.
Bleiben Sie ruhig dabei, kein schreiendes Kind allein zu lasssen. Das ist ein guter Vorsatz. Aber schauen Sie auch auf die reale Situation. Ihre Tochter geht durchaus gerne in den Kindergarten und weint nur kurz beim Abschied. Das scheint mir etwas anderes als die Situation, die Sie bei Ihrem Schwur im Blick hatten.

Ich wünKinder spüren auch die Unsicherheit der Eltern beim Abschied, was ihnen die Trennung manchmal erschweren kann. Wenn Sie es Ihrer Tochter nicht zutrauen, kann sie es sich selber erst recht nicht zutrauen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute.
Ingrid Henkes

von Dr. med. Ludger Nohr am 12.11.2020

Antwort:

Trennungsängste im Kindergarten

Achso, sie ist fast 3 1/2 Jahre alt

von lena567 am 12.11.2020

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