Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Wie ist Stillen nach Bedarf mit festem Tagesrhythmus vereinbar?

Frage: Wie ist Stillen nach Bedarf mit festem Tagesrhythmus vereinbar?

Anna15

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Hallo liebe Stillberaterinnen! Ich bin langsam etwas verzweifelt mit meinem Sohn. Er ist 9 Wochen alt und schreit seit der 3. Lebenswoche sehr viel. Wenn er wach ist, ist er nur ca. 10 Minuten am Stück zufrieden, dann fängt er gleich schon wieder an zu schreien und ich versuche ihn zu beruhigen, wobei auf den Arm nehmen und kuscheln nicht ausreicht, ich muss kräftig auf dem Gymnastikball wippen, das ist meist das einzige was hilft. Irgendwann schläft er dann ein, wird aber direkt wieder wach, wenn man ihn ablegt, so dass wir jetzt eine motorisierte Federwiege besorgt haben, in der er dann zum Glück weiterschläft. Wenn er dann wach wird stille ich ihn in der Regel und dann geht das ganze von vorne los. Stillen – kurz zufrieden – schreien – irgendwie versuchen ihn wieder zum schlafen zu bringen… Im Kinderwagen schläft er zum Glück auch gut ein, aber man muss immer in Bewegung bleiben, sobald man stehen bleibt geht das Geschrei wieder los :-( Das Tragetuch mag er leider überhaupt nicht. Da brüllt er wie verrückt und strampelt, dass man ihn kaum da rein kriegt… Auch andere Tragesysteme (Limas Trage, ErgoBaby) helfen nicht… Man liest ja überall, dass solche viel schreienden Babys einen festen Tagesrhythmus brauchen. Wie ist das aber mit dem Stillen nach Bedarf vereinbar?? Er schläft ja auch immer unterschiedlich lang und es dauert immer unterschiedlich lang bis ich ihn beruhigt habe bzw. bis er eingeschlafen ist, wie soll man da einen festen Tagesrhythmus finden? Ich bin auch immer nicht sicher, wann er wirklich Hunger hat. Wie bereits oben geschrieben stille ich ihn i.d.R. wenn er wach wird, er trinkt auch eigentlich immer wenn ich ihn anlege. Da er aber bereits kurz nach dem Stillen (10 Minuten) wieder unzufrieden ist kann das ja kein Hunger sein, oder? Wenn ich ihn häufiger und länger anlege kommt danach alles wieder hoch und er spuckt sehr viel und regt sich dann darübr auf. Überhaupt spuckt er sehr viel und hat auch oft Schluckauf, was ihn ebenfalls nervt. Nachts hat er viel mit Bauchkrämpfen zu tun. Meist gegen 2 Uhr und 5 Uhr drückt und krümmt er sich und findet erst Ruhe, wenn ich ganz lange und kräftig den Bauch massiere und ggf. noch mit einem „Pupsröhrchen“ (Windi) nachhelfe… Nachts ist er oft auch jede Stunde wach und ich lege ihn dann an und er trinkt auch, auch wenn ich nicht sicher bin, ob er dann wirklich Hunger hat. Die Kinderärztin sagt, ich soll zwischen den Stillmahlzeiten mindestens 2 Stunden Zeit lassen, weil sonst die Bauchschmerzen verstärkt werden, aber nachts kriege ich ihn meist gar nicht anders als übers Stillen beruhigt… Er schläft übrigens mit bei mir im Bett, da er beim Umlegen sonst immer wieder wach geworden ist (hat zuerst im Beistellbett geschlafen). Beim Osteopathen waren wir auch schon, der hat eine Blockade in der HWS gelöst, aber besser ist es trotzdem nicht geworden… Gut zunehmen tut er. Geburtsgewicht war 3240g und mit 8 Wochen wog er schon 5730g. Auch sonst sagt die Kinderärztin, dass abgesehen von den Bauchbeschwerden, alles in Ordnung ist. Ich möchte ihm gerne helfen, dass er nicht mehr so viel schreien muss, aber ich weiß einfach nicht was richtig ist. Kann es sein, dass er soo viel Schlaf braucht, dass er aus Müdigkeit weint? Das würde aber bedeuten, dass er abgesehen vom Stillen und den kurzen 10 Minuten Wachphase ja nur schlafen würde? Tagsüber schläft er manchmal schon 2-3 (manchmal sogar 4) Stunden am Stück, nachts ist er allerdings oft jede Stunde wach. Sicherlich dadurch dass tagsüber das Schlafen mittels Kinderwagenfahrten oder Wiegen verlängert werden kann. Nachts liegt er ja nur ruhig im Bett und wird dadurch wahrscheinlich schnell wieder wach, aber man kann ihn ja auch nicht die ganze Nacht in die Federwiege stecken oder mit dem Kinderwagen fahren…? Wenn ich ihn aber tagsüber nicht zum schlafen bringe schreit er ja nur… Ein Teufelskreis und ich bin einfach so unsicher was richtig ist…? Ich frage mich auch, wie er jemals ohne diese ganzen Hilfen einschlafen soll. Ich weiß, man kann ein Baby in diesem Alter noch nicht verwöhnen, aber gewöhnen an bestimmte Dinge wahrscheinlich schon, oder? Viele Fragen, viele Unsicherheiten… Vielleicht haben Sie ja Tipps oder Hinweise für mich, wie ich es besser hinkriege… Vielen Dank schonmal!


Biggi Welter

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Liebe Anna15, eine ganz wichtig Lektion, die wir Mütter alle lernen müssen lautet: Wir können unsere Kind nicht immer glücklich machen, selbst wenn wir uns dafür auf den Kopf stellen würden oder uns selbst restlos aufopfern würden. Es steht nicht immer in unserer Macht, unsere Kinder stets glücklich zu machen, aber deshalb sind wir keinesfalls schlechte Mütter (Eltern). Babys sind von Geburt an (bzw. bereits im Mutterleib) eigene, individuelle Persönlichkeiten mit eigenem Charakter, Temperament und auch mit eigener Stimmungslage. Ob eine Mutter ein ruhiges, zufriedenes, (fast) immer lächelndes Baby hat oder ein Kind, das als „Schreibaby" bezeichnet wird, das hängt nicht zwingend von ihren Fähigkeiten als Mutter ab. Vieles ist einfach angeboren. Wenn dein Kind viel quengelt und weint, dann kann es sein, dass es ein Baby mit erhöhten Bedürfnissen ist, ein High Need Baby, wie diese Kinder von dem amerikanischen Kinderarzt Dr. William Sears genannt werden. Ein High Need Baby braucht sehr viel mehr Einsatz von seiner Mutter/Eltern. Es ist kein „pflegeleichtes" Kind. Oft zeigen sich die Erfolge der Bemühungen der Mutter erst nach längerer Zeit und die Mutter zweifelt an sich selbst. Deshalb ist es so wichtig, dass Mütter/Eltern wissen, dass es High Need Babys gibt und wissen, dass sie keine „Schuld" haben. Sehr gut beschrieben sind High Need Babys in dem Buch „Das 24 Stunden Baby" von Dr. William Sears und Dr. Sears gibt auch Anregungen und Erklärungen, was Eltern tun können, um zu einem einfacheren Alltag mit ihren Kindern zu kommen. Das Buch ist im Buchhandel, bei der LLL, jeder LLL Stillberaterin und im Stillshop auf dieser Seite erhältlich. Wichtig ist, dass Du weißt, dass dies zwar eine lange Phase ist, aber sie WIRD vorbei gehen! nimm ALLE Hilfe an, die Du bekommen kannst. Erkundige dich mal, ob Du nicht eine Haushaltshilfe bekommen kannst (wegen absoluter und chronischer Erschöpfung). Möglicherweise kann dir auch deine Mutter, Schwiegermutter, Schwester oder eine Freundin (selbstverständlich auch das männliche Pendant dazu) etwas unter die Arme greifen. Das können ganz simple Dinge sein z.B. einmal alle Fenster putzen, deinen Bügelkorb leerbügeln, einige vorgekochte Mahlzeiten für deine Tiefkühltruhe, ein Nachmittag Babysitten während Du in die Sauna gehst oder sonst etwas für dich tust ... Sehr ans Herz legen mag ich euch ein Tragetuch. Denn getragene Säuglinge sind meist pflegeleichtere Säugling, weil sie durch den intensiven Körperkontakt eines ihrer Grundbedürfnisse auf wunderbare Weise befriedigen können. Ein weiterer Vorteil: Auch der Papa kann sich das Baby an den Körper binden und mit ihm schöne lange Spaziergänge machen, während denen das Kleine an seinen Körper gekuschelt schlafen wird. Dies stärkt auch die Bindung zwischen Vater und Kind auf besondere Weise! Es ist oft so, dass Babys sich erst einmal wehren, aber es gibt verschiedene Tragevarianten! Wie so ein Tuch optimal gebunden wird können dir die meisten Stillberaterinnen zeigen, darum macht es allein deshalb schon Sinn, mal zu schauen, ob es jemanden in Eurer Nähe gibt! • Vielleicht findest Du auch einen verantwortungsbewussten Teenager, der gegen geringes Entgelt bereit ist, mit deinem Kind zu spielen oder spazieren zu gehen. In dieser Zeit solltest Du dann aber wirklich entweder schlafen (bzw. ruhen) oder DIR etwas Gutes tun. • Lass den Haushalt auf Sparflamme laufen. Nicht alles muss gebügelt werden. Wenn Handtücher nach dem Baden und Duschen wieder aufgehängt werden, statt auf dem Fußboden zu landen, können sie mehrmals benutzt werden, das spart Wäsche. Es ist nicht wesentlich mehr Arbeit die doppelte Menge Spaghettisoße zu kochen, aber Du hast dann eine fast fertige Mahlzeit für die Tiefkühltruhe. Es schadet nicht der Gesundheit der Familie, wenn Du die Fenster erst wieder im nächsten Jahr putzt. Du wirst sicher einiges finden, was im Haushalt nicht so perfekt gemacht werden muss. • Achte darauf, dass Du genügend isst und trinkst. Du musst keine perfekten Menüs kochen und essen, einigermaßen ausgewogen reicht und es darf auch Tiefkühlgemüse statt frischem Gemüse sein (dann sparst Du dir auch das Schälen und Putzen). Eine hungrige Mutter ist nicht so belastbar. • Eine Möglichkeit für die Nacht ist es, dass statt dir dein Partner die Nachtschicht bzw. das zu Bett bringen zum Teil übernimmt. Also nicht Du wendest dich jedes Mal dem Kind zu, sondern ihr wechselt euch ab und da ein Mann keine Brust zum Stillen hat, wird er euer Kind auf andere Weise beruhigen müssen. Das Verändern von Ritualen kann helfen. • Schau nach vorne. Die anstrengende Zeit wird vorübergehen. Auch dein Kind wird älter und reifer werden und nicht mehr soooo viel Aufmerksamkeit brauchen. Kurz: beschränke viel Dinge auf das absolut Notwendige, so dass Du auf diese Weise mehr Zeit für dich bekommst. Diese „gewonnene" Zeit kannst Du dann dazu nutzen, dich wieder zu erholen, neue Energie zu tanken und auch zu einem ruhigen Gespräch und Nähe mit deinem Mann. Vergiss dich selbst nicht: Gönne dir etwas Gutes, dann lassen sich so anstrengende Phasen leichter überstehen. Hast du schon den Kinn-Trick beim Abdocken mal ausprobiert? Der ist oft sehr hilfreich bei Babys, die die Brust fast ein wenig aus Gewohnheit im Mund haben wollen beim Schlafen. Dabei legst du, wenn du die Brust dem schlafenden Kind aus dem Mund gezogen hast, einen Finger längs unter die Unterlippe, so dass die Lippe beim "Suchen" einen gewissen Widerstand spürt. Dieser Widerstand wirkt beruhigend auf viele Kleinen, und sie schaffen es sich zu entspannen und eine tiefere Schlaf-Ebene zu erreichen... Das geht auch, wenn das Kind im Schlaf oder Halbschlaf wieder zu "suchen" beginnt: Man drückt ganz sanft sein Kinn nach oben. Bei vielen Babys wirkt das Wunder und sie schlafen plötzlich auch ohne Brust weiter/wieder ein. Manche Mütter berichten, dass es sogar geholfen hat, wenn sie ein kleines Kuscheltier ans Kinn des Kindes gelegt haben... Da ist es natürlich wichtig darauf zu achten, dass die Atemwege nicht blockiert werden :-). LLLiebe Grüße Biggi


zweizwerge

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Huhu, es gibt keinen Grund, 2 h Abstand zwischen Stillmahlzeiten einzuhalten. Das hat man früher mal geglaubt, nachdem man Versuche mit dem Verdau von Kuhmilch gemacht hat. Such mal hier im Forum nach "Clusterfeeding". Das ist für so kleine Babies ganz normal, dass sie ganz oft wenig trinken wollen, haben ja auch kleine Mägen. Ich würde wahrscheinlich auch nach 10 min Pause wieder anlegen - Spucken schadet nicht (außer der Waschmaschine, die sich mehr anstrengen muss - viele Spuckwindeln besorgen ;-). Aber wenn er dann noch unglücklicher ist, musst Du es natürlich abwägen... Nachts mit den Bauchkrämpfen - schon probiert, ob er dann bei Dir auf dem Bauch weiterschläft? Manchmal hilft das. Das ist ansonsten meist eine Phase, die in ein paar Wochen/Monaten vorbeigeht... Alles Gute!


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