TiJu
Liebe Biggi, meine Tochter ist 2.5 Jahre jung und wurde bis vor einer Woche nach bedarf gestillt. Sie hat mal oft danach verlangt, mal seltener. Es war immer unterschiedlich. Aber sie hat es immer sehr gemocht, mir hat es auch nichts ausgemacht, dass sie so lange noch an die Brust wollte. Wegen einer blöden Krankheit muss ich allerdings 10 Tage lang Penicillin nehmen und meine HA meinte, ich soll meine Tochter lieber abstillen, da es in die Milch kommt. Da meine Maus in letzter Zeit oft erkrankt war und nicht wollte, dass sie jetzt so lange noch der Antibio ausgesetzt ist, habe ich sie tatsächlich abgestillt. Sie ist sehr schlau, ich habe mich mit ihr hingesetzt, die Tabletten gezeigt, und erklärt, was Sache ist. Die ersten 2 Tage, besonders die Einschlafbegleitung war hart, mittlerweile weint sie nicht mehr aber ich sehe, dass sie die Brust immernoch vermisst. Sie kuschelt mit der Brust, gibt ihr Küsschen. Ich habe es schon bereut, sie abgestillt zu haben. :-( Ich versuche viel mit ihr zu kuscheln und die ihr die Nähe geben. Wie könnte ich ihr sonst noch helfen? Mir bricht das Herz sie so zu sehen. Ich habe sogar überlegt, einen Rückzieher zu machen, wobei die Milch ist schon so gut wie weg aber ich würde damit vielleicht alles noch schlimmer machen. Für eine Antwort wäre ich Dir sehr dankbar! Eine verzweifelte Mama
Liebe TiJu, es entsetzt mich immer wieder, wie schnell zum Abstillen geraten wird, wenn es eigentlich gar nicht notwendig wäre. Leider wird Medikamentenrisiko häufig überbewertet und die Konsequenzen, die ein plötzliches Abstillen für das Kind mit sich bringen, werden häufig unterschätzt. Tatsächlich kommt es selten zu Symptomen einer gesundheitsschädigenden Wirkung von Medikamenten über die Muttermilch. Die Risikoinformationen in Beipackzetteln und Einschätzungen in Arzneibüchern sind irreführend und geben keine Hilfestellung bei der Wahl einer adäquaten Therapie. Für die meisten Erkrankungen stehen Medikamente zur Verfügung, die mit dem Stillen zu vereinbaren sind. ich kann aus „Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit“ von Spielmann, Steinhoff, Schaefer (dem Leiter der Embryotox),zitieren: "Antibiotika allgemein Bei vielen Antibiotika erhält ein gestilltes Kind unter Behandlung der Mutter weniger als 1 % der auf das Körpergewicht bezogenen therapeutischen Dosis. Damit werden allenfalls minimale, in keinem Fall Bakterien hemmende Konzentrationen im Säuglingsplasma erreicht. In der Literatur werden immer wieder folgende Risiken diskutiert: Beeinflussung der Darmflora (ggf. „dünnere" Stuhlkonsistenz, selten Durchfall), Beeinflussung bakteriologischer Untersuchungen, die im Fall einer Erkrankung des Säuglings erforderlich werden könnten, Entwicklung resistenter Keime, Sensibilisierung. Als klinisch relevant oder gar therapiebedürftig haben sich alle diese Nebenwirkungen bisher nicht erwiesen. Am ehesten ist mit einer vorübergehenden Auswirkung auf die Stuhlkonsistenz zu rechnen (Ito 1993). Penicilline, Cephalosporine und andere ß Lactam Antibiotika Erfahrungen. Bei allen gängigen Penicillinderivaten (z.B. Isocillin®, Amoxypen®) liegt der M/P Quotient unter 1. Der voll gestillte Säugling erhält in der Regel deutlich weniger als 1 % einer therapeutischen Dosis (Übersicht in Bennett 1996). Ähnliches gilt für Cephalosporine, die zum Teil im Darm des Säuglings inaktiviert werden (Übersicht in Bennett 1996). Benyamini und Mitarbeiter (2005) haben 67 Mütter mit Amoxicillin plus dem Enzyminhibitor Clavulansäure (in Augmentan®) sowie 38 mit Cefuroxim nach Nebenwirkungen bei ihren gestillten Kindern gefragt. Bei der ersten Gruppe wurden mit 22 % häufiger Symptome berichtet als bei Amoxicillin alleine. Die Symptome waren dosisabhängig, bedurften aber keinerlei Intervention. Bei Cefuroxim wurden in knapp 3% der Fälle leichte Nebenwirkungen berichtet, die im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit Cefalexin nicht häufiger auftraten. Bei Aztreonam (Azactam®) sind nach einer Einzeldosis an die Mutter 0,2 % als relative Dosis für das Kind in der auf die Applikation folgenden Stillmahlzeitermittelt worden (Ito 1990). Bei lmipenem (Zienam®) wurden in einer japanischen Untersuchung durchschnittlich 0,8 % einer gewichtsbezogenen, i.v. verabreichten Dosis in der Tagesmilchmenge gemessen (Ito 1988). Von Sulbactam (z.B. Unacid®) beträgt die relative pro Tag übergehende Dosis maximal 1 % (Foulds 1985). Enteral werden die zuletzt genannten Substanzen kaum resorbiert. Dies spricht zusätzlich für eine geringe biologische Verfügbarkeit beim gestillten Kind. Zu anderen ß Lactam Antibiotika liegen keine ausreichenden Daten vor. Bisher gibt es keinen Anhalt für toxische Effekte beim gestillten Kind. Empfehlung für die Praxis: Penicillinderivate und Cephalosporine gehören zu den Antibiotika der Wahl in der Stillzeit. Soweit möglich, sollten länger eingeführte Substanzen bevorzugt werden, d. h. im Fall der Cephalosporine solche der 2. Generation. Wenn erforderlich, können auch andere ß Lactam Antibiotika und Clavulansäure verwendet werden." Wenn es Euch beiden also so schlecht geht, dann leg dein Kind an! Höre in dich hinein, ob du wirklich abstillen möchtest oder nicht, wenn nicht, dann ist das völlig okay! Bitte melde dich doch noch einmal, wenn ich dir Tipps geben kann. Lieben Gruß Biggi
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