Frage: Tandemstillen/Abstillen

Liebe Biggi Welter, ich habe folgendes Problem und hoffe hier einen guten Impuls zu bekommen. Mein erstes und großes Kind wird diesen Monat drei Jahre alt und hat vor vier Wochen ein Geschwisterchen bekommen. Ich habe meinen Großen nach einem schweren Stillstart immer sehr gerne gestillt. Da ich nach seiner Geburt früh wieder an den Arbeitsplatz (er war 4 Monate alt) zurückgekehrt bin, habe ich eine Zeit lang auch abgepumpt und mein Partner hat gefüttert. Durch meine Arbeit stillte ich ihn vor allem am späten Nachmittag, abends, nachts bei Bedarf und morgens wenn er zu uns ins Bett kam. Bald schlief er in der Nacht durch, ich hatte aber auch nie Probleme wieder einzuschlafen, nachdem ich ihn gestillt hatte. Gleichzeitig muss ich auch zugeben, dass das Stillen eines der wenigen Dinge war, die zwischen uns wirklich gut funktioniert haben. Ich bin und war oft mit ihm überfordert, hatte Ängste um ihn und habe meinem Partner viel überlassen (Spielplatz, Kita bringen und abholen, etc.) Auch durch die kurze Elternzeit ist mein Partner definitiv seine Hauptbezugsperson. Unser Ding war eben das stillen. Mit fortschreitender Zeit hat mein Partner mehr und mehr Druck gemacht abzustillen und auch versucht mich zu ermutigen andere gemeinsame Beschäftigungen mit meinem Kind zu finden. Aber ich wollte das Stillen nicht aufgeben und habe immer gehofft, dass mein Kind eines Tages von selbst das Interesse verliert. Ich denke ich hatte auch Angst vor einem konfliktbeladenen Abstillen. Als ich wieder schwanger wurde, habe ich also weiter gestillt. Im Mutterschutz wurde das stillen schwieriger, da sich die Frequenz erhöhte weil ich plötzlich sehr viel mehr zu Hause war. Da wurde es mir teilweise schon zuviel und ich begrenzte die Dauer und Frequenz, blieb aber dennoch dabei. Für die Zeit nach der Geburt hatte ich mir eigentlich vorgenommen Tandem zu stillen da ich von den Vorteilen zwischen den Geschwistern gelesen habe. Meinen Großen habe ich darauf vorbereitet, dass das Baby keine Zähne hat, nicht essen kann im Gegensatz zu meinem Großen. Das hat er dann sehr oft wiederholt auch in der Zeit als ich im Krankenhaus war. Zurück zu Hause nach 6 Tagen Krankenhaus war dann alles ganz anders als gedacht. Zunächst hat mein Großer gar nicht gefragt zu stillen. Als er dann wollte gab es viel Gegenwind von meinem Partner, der meinte nach den vielen Tagen ohne stillen sollte ich nicht wieder anfangen. Ich fand es selbst auch befremdlich meinen Großen zu stillen, da er mir wie ein Riese vorkam. Ich hatte stets den Impuls es kurz zu halten und unterbrach ihn. Auch wusch ich mir gestresst meine Brust, weil ich Angst hatte der Große könne den kleinen mit etwas anstecken. Zudem kämpfte ich gegen zuviel Milch und wollte nicht noch mehr Milch produzieren. Es gab dann einen dramatischen Moment, wo wir beide geweint haben und ich ihm erklärte, dass ich jetzt vor allem das Baby füttern müssen, das ja nichts anderes essen könne und aufhören möchte meinen Großen zu stillen weil mir das zuviel wird. Wir kuschelten uns ein und er schien es für eine Weile zu akzeptieren. Beim stillen des Babys fing er in der folgenden Zeit an Fantasiemäßig oberhalb meines Busens zu „trinken“. Einige Zeit später wollte er „kosten“ wenn ich das Baby stillte und da ich ihn nicht zurückweisen wollte, lies ihn und er dockte sich nach ein paar Sekunden wieder von alleine ab und war ganz begeistert dass er „probieren“ durfte. Seit einigen Tagen hat es sich aber geändert. Er jammert und weint, dass er trinken will und im großen Bett schlafen (er schläft schon lange und glücklich in seinem eigenen Bett) Er haut nach dem Baby. Ich bin überfordert mit der Situation. Soll ich dabei bleiben ihm zu erklären dass ich nicht mehr möchte aber wir andere Sachen machen können wie vorlesen, kuscheln etc. Oder soll ich einfordern dass mein Partner den Kleinen nimmt und meinen Großen wieder in gewohnter Zweisamkeit zumindest einmal vor dem einschlafen oder auch morgens stillen. Keinesfalls kann ich mir vorstellen ihn wieder nach Bedarf zu stillen, das wäre mir zuviel. Oder ist das jetzt einfach das konfliktreiche und schmerzhafte Abstillen vor dem ich immer Angst hatte? Mein Partner meint wieder anzufangen würde das Leiden meines Kindes verlängern. Ich habe Angst die Geschwister Beziehung zu belasten bin mir aber auch nicht sicher ob ein begrenztes Stillen des Großen die Eifersucht lindern würde. Zudem bleibt das Problem dass ich nicht beide gleichzeitig stillen will und das Baby immer Vorrang hätte. Was kann ich tun, damit es für mich und meinen Großen leichter wird?

von SaraKi am 08.06.2023, 17:06



Antwort auf: Tandemstillen/Abstillen

Liebe SaraKi, ich kann dich gut verstehen und spüre deine Unsicherheit.
Wichtig ist es jetzt erst einmal, dass DU dir Klarheit verschaffst.

 Höre mal ganz genau ich dich hinein, was empfindest DU? Ist es für DICH eher schon ein Machtkampf? Fühlst DU DICH wohl?
Wenn du dich nicht mehr wohl fühlst, dann ist es dein gutes Recht etwas zu ändern. Stillen ist eine ZWEIERbeziehung und du musst dich nicht zwingen. Vielleicht kannst du aber auch noch damit leben, dass du ab und zu eine Ausnahme machst, wenn dein Kind dich gerade sehr braucht. So lange DU nicht ABSOLUT sicher bist, wird dein Kind das spüren.
Ist die Mutter innerlich nicht davon überzeugt, dass sie ihr Kind ab- oder weniger stillen will, dann ist dieser Zweifel für das Kind sehr deutlich fühlbar und es reagiert in fast allen Fällen so, dass es eher noch häufiger gestillt werden mag. Zweifel und Unsicherheit sind für ein Kind unerträglich, Kinder brauchen Klarheit. 

 Je klarer und sicherer DU bist, umso leichter machst du es deinem Kind. Denn unsere Kinder spüren jeden Zweifel in uns und dann fällt es ihnen schwerer, uns zu folgen (im wahrsten Sinne des Wortes). Das momentane Hin und Her tut dem Kind nicht gut, tut dir nicht gut und auch nicht deinem Mann. Ihr müsst euch einig sein und miteinander sprechen, wie es weitergehen soll. Sei offen zu deinem Partner und schildere ihm deine Angst und Sorge und bitte ihn darum zu verstehen, dass du um die Bindung zu deinem Sohn fürchtest. Sage auch ruhig, dass die Situation dich sehr belastet und verletzt und dich in deiner Kompetenz als Mutter schwächt. Wichtig ist, dass du dir Klarheit verschaffst und dann zu deiner Entscheidung stehst ganz gleich wie diese ausfällt. Wenn du dir deiner Entscheidung sicher bist, wird es euch allen besser gehen. Fällt die Entscheidung von deiner Seite für das Abstillen, dann wird dein Kind fühlen „Jetzt hat Mama keinen Zweifel mehr" und wird sich auch abstillen lassen, sicher nicht ganz ohne Wehmut, aber ohne riesige Verzweiflung. Vielleicht ist es aber auch so, dass du gar nicht bereit bist ganz abzustillen und merkst, dass es so noch okay ist für dich. Auch dann kannst du klare Regeln einführen, z.B. dass nur noch einmal zum Einschlafen gestillt wird oder zu einem anderen Zeitpunkt. Schenke diese Zeit dann ganz deinem großen Kind, damit es sich nicht zurückgesetzt fühlt und nicht das Gefühl bekommt, dass es nicht mehr wichtig ist. Aber auch wenn du abstillen möchtest, ist das völlig okay, du kannst deinem Sohn auch ohne Brust Nähe und Geborgenheit schenken. Deine kleiner und doch schon so großer Sohn braucht im Moment sicher viel Rückversicherung und das Gefühl, dass er genauso wichtig ist wie das Baby. Versuche Zeiten zu finden, die deinen Sohn ganz alleine gehören, gehe mit ihm alleine spazieren oder lese ihm abends eine Geschichte vor, zeige ihm einfach, dass er immer genau so wichtig ist. Ich habe meinem Sohn damals erzählt, dass die Maus ja nur Mamamilch trinken kann und er doch schon mal ein Brot oder Wasser (oder manchmal auch Gummibärchen) bekommt. Er fand das sehr lustig und hat Anna immer sehr bedauert ;-). Außerdem habe ich die Stillzeit immer dazu genutzt und habe meinem großen Sohn viele viele Geschichten erzählt, wie es so war, als er noch ganz klein war. Ich erzählte ihm, dass ich zu nichts anderem gekommen bin damals und dass er die ganze Zeit nur an der Brust hing und immer immer an die Brust wollte. Dann sagte ich ihm, dass es ja so viel viel einfach für mich ist, weil er mir jetzt ja helfen kann und mal eine Windel oder ein Glas Wasser holen kann und weil es so schön ist mit ihm zu reden. Wie wäre es, wenn du während dem Stillen ein Buch vorliest? Mir persönlich gefällt das Buch "Ich will auch Geschwister haben" von Astrid Lindgren für diesen Zweck sehr gut. Ein Buch, das sich vor allem auch mit dem Thema Stillen beschäftigt und mit liebevoll gezeichneten Bilder aus der Sicht des größeren Bruders vom Auf die Welt kommen, dem Stillen und Tragen erzählt ist "Busi sagte Henriette" von Edith Seitz. "Busi sagt Henriette bekommst du im Buchhandel (Edition buntehunde, ISBN 3 934941 03 6). Viele Mütter machen die Stillzeit mit dem Baby zu einer gemütlichen Kuschel- und Lesestunde für das größere Kind. Mit etwas Übung kann das Baby beim Stillen mit einem Arm gehalten werden und in den anderen Arm kann sich das größere Kind mit einem Bilderbuch o.Ä. kuscheln. Das ältere Kind kann das Buch so halten, dass die Mutter darin lesen kann oder mit ihm die Bilder anschauen und außerdem bekommt es die wichtige Aufgabe, die Seiten umzublättern. Eine andere Möglichkeit die Stillzeiten für das große Kind zu etwas besonderem zu machen ist eine "Stillkiste" (der Begriff stammt von einer meiner Gruppenmütter). In dieser Kiste sind besondere Dinge (z.B. ganz spezielle Stifte und glänzende Papierbögen, bunte Perlen, die zu Ketten aufgereiht werden können, ein Spielzeugauto je nachdem, was für das Kind besonders attraktiv sein kann), die nur zu den Stillzeiten benutzt werden dürfen. Vielleicht wäre es auch gut für dich, mal mit jemandem zu sprechen, um dir über deine Gefühle klar zu werden? Lieben Gruß Biggi

von Biggi Welter am 08.06.2023



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