Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Stillen nur noch nachts - Milch geht sehr stark zurück

Frage: Stillen nur noch nachts - Milch geht sehr stark zurück

wundertuete

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Hallo, meine Tochter ist 10 Monate alt und wird tagsüber nicht mehr gestillt. Das Abstillen tagsüber verlief schleichend mit Beikosteinführung. Jetzt haben wir unseren festen Tagesablauf mit 4x Brei über den Tag verteilt. Flasche nahm meine Tochter nur kurze Zeit nach der Geburt (wir mussten anfangs zufüttern), danach verweigerte sie die Flasche. Auch Schnuller nimmt sie nicht. Zum Einschlafen (nach dem Abendbrei) und 1-2x nachts möchte aber meine Kleine die Brust haben, und das ist ok für mich. Das Problem ist, dass bei mir die Milchproduktion extrem zurückgegangen ist. Meine Tochter saugt und saugt und saugt richtig lange, aber es kommt nur wenig bis gar nichts raus. Wenn ich versuche, ihr die Brust wegzunehmen, schreit sie. Sie tut mir so leid und es ist auch für mich frustrierend. Das Saugen scheint meine Tochter selbst ohne Milch irgendwie zu beruhigen, häufig schläft sie dann doch irgendwann ein (allerdings nicht immer). Als noch genug Milch vorhanden war, trank sie sich satt und wendete sich dann ab. Jetzt saugt sie erst lange, dockt sich dann kurz ab und dreht sich weg, dreht sich wieder zu mir, saugt wieder kurz und wiederholt das öfter, bis sie endgültig abdockt, so als würde sie nicht glauben, dass da nichts rauskommt. Da sie schon ein paar Zähnchen hat, wird das lange Saugen und ständige An- und Abdocken mit der Zeit zudem für mich unangenehm. Sehe ich es richtig, dass ich zwei Möglichkeiten habe: Entweder komplett abstillen oder wieder tagsüber mit dem Stillen anfangen? Wie oft müsste ich tagsüber zusätzlich stillen, damit wieder genug Milch nachts produziert wird? Müsste ich dann entsprechend einen Brei wieder durch eine Stillmahlzeit ersetzen? Falls ich komplett abstillen muss - wie gehe ich das an? Abends und nachts schreit meine Kleine lange und ausdauernd, bis sie die Brust kriegt, ich wüsste nicht, wie ich sie sonst beruhigen kann. Sollte ich versuchen, die Brust durch etwas zu ersetzen? Noch mal Flasche probieren? Etwas zu trinken aus dem Becher geben? Falls ja - Pre-Milch oder Wasser? Oder braucht sie keinen Ersatz? Von der Statur her ist meine Tochter von Anfang an eher kräftig gewesen, es ist also nicht so, dass wir darauf achten müssten, dass sie genug isst. Danke schon mal im Voraus und viele Grüße


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe wundertuete, Dein Kind scheint das Saugen zu brauchen und ich glaube gar nicht unbedingt, dass Du zu wenig Milch hast. In diesem Alter brauchen viele Kinder die Brust in der Nacht sehr oft, nicht nur weil sie Hunger haben, sondern weil sie Nähe brauchen. Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hoch geschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Das Stillen bietet in dem Alter der ersten Ablösung wichtige emotionale Hilfe Dein Kind kann immer wieder den "Heimathafen" ansteuern, wenn etwas beängstigend ist. Und gerade in der Nacht wird viel verarbeitet. Seit Jahrtausenden und in unzähligen Kulturen ist es so, dass Mütter ihre Babys in den Schlaf stillen. Das Saugen wirkt beruhigend und nicht umsonst wurden im Laufe der Zeit die verschiedensten Brustattrappen (z.B. Schnuller s.o.) erfunden. Von der Natur ist es nicht vorgesehen, dass ein Baby oder Kleinkind allein ist und alleine einschläft. Nur passt dieses „natürliche" Verhalten des Babys nicht in unsere derzeitige Zeitströmung und damit haben wir ein (von uns selbst produziertes) Problem: Babys wissen nicht, was zur Zeit „Mode" ist und benehmen sich so, wie sie es seit Anbeginn der Menschheit getan haben. Es hat seinen Grund, warum stillende Mütter die besten Einschlafhilfen SIND. Beim Saugen an der Brust findet ein Baby das, was es braucht: Trost, Nahrung, Sicherheit. Es liegt vermutlich an einer gewissen neurologischen Unreife, wenn einige Babys das mehr brauchen als andere, und es "verwächst" sich wirklich von alleine!! Dein Baby braucht also vor allem eines: Zeit zum Reifen. Vielleicht "schenkst" Du ihm einfach noch ein bisschen von dieser Zeit, in der du ihm gestattest, so zu sein, wie es ist. Du machst nichts falsch! Und hast Du es schon einmal mit dem Kinn-Trick" probiert? Der ist oft sehr hilfreich bei Babys, die die Brust fast ein wenig aus Gewohnheit im Mund haben wollen beim Schlafen. Dabei legst du, wenn du die Brust dem schlafenden Kind aus dem Mund gezogen hast, einen Finger längs unter die Unterlippe, so dass die Lippe beim "Suchen" einen gewissen Widerstand spürt. Dieser Widerstand wirkt beruhigend auf viele Kleinen, und sie schaffen es sich zu entspannen und eine tiefere Schlaf-Ebene zu erreichen... Das geht auch, wenn das Kind im Schlaf oder Halbschlaf wieder zu "suchen" beginnt: Man drückt ganz sanft sein Kinn nach oben. Bei vielen Babys wirkt das Wunder und sie schlafen plötzlich auch ohne Brust weiter/wieder ein. Manche Mütter berichten, dass es sogar geholfen hat, wenn sie ein kleines Kuscheltier ans Kinn des Kindes gelegt haben... Da ist es natürlich wichtig darauf zu achten, dass die Atemwege nicht blockiert werden :-). Auf alle Fälle solltest Du Deinem Baby das Beißen abgewöhnen, denn Du sollst keine Schmerzen ertragen müssen! Wenn ein Kind Zähne bekommt, dann muss es sich zunächst selbst erst einmal an die „neuen Dinger“ in seinem Mund gewöhnen und es muss in manchen Fällen erst lernen, wie es an der Brust trinken kann, ohne dass es diese neuen Zähne in die Brust der Mutter „eingräbt“. Zunächst einmal, kannst Du die Stillpositionen häufig wechseln, damit nicht immer die gleichen Stellen belastet werden und deine Brust sich wieder erholen und die wunden Stellen abheilen können. Außerdem kannst Du deinem Baby vermitteln, dass seine derzeitige Trinktechnik dir weh tut. Dabei kannst Du so vorgehen, wie bei einem beißenden Baby, bei dem sich die folgenden Strategien bewährt haben: das Baby ohne großes Aufheben von der Brust nehmen sobald es seine Zähne in deine Brust drückt, damit es nicht versucht ist zu probieren, ob es die Mutter nochmals zusammenzucken lassen kann. etwas Angemessenes zum Beißen anbieten. Sobald es zu einem Biss oder einem Beinahe Biss kommt, bietest Du dem Baby einen Beißring oder ein Spielzeug an, damit es weiß, wo es seine Zähne einsetzen darf. das Baby schnell auf den Boden legen. Einige Mütter wollen auf das Beißen strenger reagieren. Nach ein paar Schrecksekunden für das Baby, die dem Ablegen folgen, sollte es beruhigt werden und die Rückmeldung bekommen, dass Beißen unangenehme Folgen hat. einen Finger in die Nähe des Mundes des Babys legen, um den Saugschluss schnell zu unterbrechen, wenn es seinen Kopf dreht. Manche Babys lieben es, die Brustwarze nicht loszulassen, wenn sie abgelenkt werden und ihren Kopf drehen. Dies kann verhindert werden, wenn die Mutter einen Finger bereithält, um den Saugschluss zu unterbrechen. Es wird nicht lange dauern, bis das Baby gelernt hat, dass sich wegdrehen bedeutet, die Brustwarze zu verlieren. mit dem Baby reden und ihm erklären, dass Du das Beißen nicht lustig findest (klingt vielleicht noch verfrüht bei einem Baby, aber es funktioniert vielfach tatsächlich). Ich hoffe, ich konnte Dir mit meiner Antwort etwas helfen. LLLiebe Grüße Biggi


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