Dat-juleken
Hallo, Ich bin mit meinem dritten Kind schwanger und wollte mich jetzt schon einmal auf das stillen vorbereiten, da ich meine beiden Großen nicht lange bzw. nicht voll gestillt habe. Beim ersten Kind habe ich im Krankenhaus nicht genug Anleitung zum stillen bekommen. Viel zu selten angelegt und nach 15 Minuten aufgehört jede stillmahlzeit. Erst mit der Nachsorgehebamme hab ich gute Anleitung bekommen, hatte aber keinen richtigen milcheinschuss. Ich habe nach zwei Wochen angefangen abzupumpen und premilch zuzufüttern, da der Große nicht zugenommen hat, mit dem Abpumpen ging es mir nicht gut, ich fühlte mich wie eine Milchkuh und habe nach 8 Wochen und nach bemerken einer wochenbettdepression dann komplett abgestillt. Der Stress und die Depression hat zu sehr Einfluss auf unsere stillbeziehung gehabt. Im Nachhinein ärgere ich mich dass ich nicht durchgehalten habe. Beim zweiten Kind habe ich direkt im Krankenhaus schon nach dem stillen immer Flasche gegeben, es hat trotzdem nur sehr mühsam zugenommen und hatte nach drei Wochen erst das Geburtsgewicht wieder erreicht. Ich habe nach einer Woche abgestillt, da ich nicht den gleichen Stress wie beim ersten Kind haben wollte und nur noch premilch gefüttert. Nun zum Kern der Sache. Ich habe nur in einer Brust ausreichend Drüsengewebe, daher kann ich nur mit einer Seite wirklich Stillen, die andere bildet nur ein paar Tropfen. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass das mit dem Flasche geben im Krankenhaus nicht sinnvoll war, allerdings haben beide Kinder die Nächte dort nur geschrien und man sagte mir, dass es wohl Hunger ist, sie haben beide bei der Geburt über 4 kg gewogen und daher bräuchten sie nach der Entbindung auch direkt entsprechend mehr. Das konnte ich mit einer Brust wohl nicht kompensieren. ich würde wirklich gern stillen und glaube auch dass ich prinzipiell voll mit einer Seite stillen könnte. Ich habe nur beim ersten Kind nicht das Durchhaltevermögen gehabt und mein zweites Kind hatte scheinbar ein anderes Problem, weshalb es generell schlecht getrunken und zugenommen hat. Ich habe es einfach nach den Erfahrungen mit dem ersten Kind auf mangelnde Milchbildung geschoben. Nun zu meinen Fragen: Muss ich beim stillen mit einer Brust Besonderheiten beachten? Sollte ich das Kind beim stillen mit einer Brust noch häufiger anlegen als normalerweise? Was sollte ich tun, wenn mein Kind innerhalb der ersten Tage nur an der Brust zufrieden ist und vielleicht bis zum Milcheinschuss hungrig ist? Ist stündliches anlegen innerhalb der ersten Zeit gerade beim stillen mit einer Brust dann normal? Kann ich direkt nach der Entbindung Bockshornkleesamenkapseln nehmen? Ich hoffe die Fragen sprengen jetzt nicht den Rahmen hier...
Liebe Dat-juleken, im Allgemeinen ist das kein großes Problem, denn es ist durchaus möglich ein Baby mit nur einer Brust zu ernähren. Es dauert allerdings einige Zeit, bis sich die erforderliche Milchmenge durch häufigeres Anlegen an der bevorzugten Seite eingependelt hat, vielfach sind beim einseitigen Stillen zumindest anfangs die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten auch kürzer. Der in diesem Fall entstehende Größenunterschied zwischen den beiden Brüsten gleicht sich nach dem Abstillen wieder aus. Ganz kurz kann man die wichtigsten Punkte für den Grundstein einer erfolgreichen Stillbeziehung auf die folgenden Schlagworte zusammenfassen: Bald stillen oft stillen uneingeschränkt stillen keine Flüssigkeit oder andere Nahrung dazugeben außer bei medizinisch begründeten Fällen. Das Baby sollte so bald wie möglich nach der Geburt zum ersten Mal angelegt werden und dann jederzeit und ohne zeitliche Einschränkung an die Brust dürfen, wenn es das will. Bei eher schläfrigen Kindern oder Babys mit verstärkter Neugeborenengelbsucht muss die Mutter unter Umständen den Takt angeben und dafür sorgen, dass das Kind mindestens acht bis zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden an der Brust trinkt. Tee, Glukoselösung oder Wasser sind überflüssig und vor allem bei einer eventuell verstärkten Neugeborenengelbsucht sogar kontraproduktiv. Das Bilirubin (der gelbe Farbstoff, der für die Gelbfärbung der Haut bei der Neugeborenengelbsucht verantwortlich ist) wird nur zu zwei Prozent über den Urin ausgeschieden, der Rest wird durch den Darm ausgeschieden. Daher ist es unsinnig, die Gelbsucht „ausschwemmen" zu wollen. Wichtig ist, dass der Darm mit Nahrung versorgt wird und die Verdauung angeregt wird, das Mekonium möglichst rasch ausgeschieden wird. Das Kolostrum, die wichtige erste Milch wirkt abführend und begünstigt damit die Ausscheidung des Bilirubins. Der Organismus eines Neugeborenen ist auf viele, kleine Mahlzeiten eingestellt. Sein Magen hat etwa die Größe eines Teebeutels. Kleine Mengen an Muttermilch sind also absolut richtig und in Ordnung. Wichtig ist, dass Ihr Baby ab dem zweiten, dritten Tag mindestens drei bis vier Darmentleerungen hat und ausreichend Urin ausscheidet. Eine Gewichtsabnahme von etwa sieben Prozent des Geburtsgewichtes innerhalb der ersten Tage ist normal, bis zehn Prozent sind bei einem ansonsten gesunden Kind tolerierbar. Spätestens mit drei Wochen sollte Ihr Baby sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben. Milchbildungstee ist nicht notwendig und es hat keinen Sinn ihn bereits während der Schwangerschaft zu trinken. Wenn überhaupt Milchbildungstee getrunken wird, dann bitte auch nicht mehr als höchstens zwei bis drei Tassen täglich, da mehr zu Bauchproblemen beim Kind führen kann. Wunden Brustwarzen und anderen Stillproblemen können Sie am besten dadurch vorbeugen, dass Sie sich informieren. Wunde Brustwarzen entstehen in über 80 % der Fälle durch falsches Anlegen oder Ansaugen. Es ist extrem wichtig, korrekt anzulegen, nicht nur um wunde Brustwarzen zu vermeiden, sondern auch, damit die Brust gut stimuliert und richtig entleert wird und so die Milchbildung gut in Gang kommt bzw. aufrecht erhalten wird. Deshalb ist es entscheidend, dass Sie sich möglichst gut über das Stillen und die grundlegenden Dinge wie korrektes Anlegen und Ansaugen, das Prinzip von Angebot und Nachfrage, Stillen nach Bedarf usw. informieren. Nochmals: Ganz wichtig ist dass Sie wissen, wie korrekt angelegt ist und woran Sie erkennen, dass das Baby richtig ansaugt und effektiv an der Brust trinkt. Hierzu bietet sich neben dem Lesen der entsprechenden Literatur (z.B. "Stillen gesund und richtig" von Denise Both und Gabi Eugster, "Das Handbuch für die stillende Mutter" von der La Leche Liga, "Stillen einfach nur stillen" von Gwen Gotsch) der Besuch einer Stillgruppe an. In einer Stillgruppe treffen Sie nicht nur andere stillende Mütter, sondern Sie lernen auch gleich eine kompetente Ansprechpartnerin kennen, für den Fall, dass es nach der Geburt zu Stillproblemen kommen sollte. Adressen von Stillberaterinnen finden Sie im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Erkundigen Sie sich auch einmal, vielleicht gibt es in Ihrer Nähe ein stillfreundliches Krankenhaus, dort verläuft der Start der Stillbeziehung oft sehr viel besser und es gibt echte und gute Unterstützung nach der Geburt. LLLiebe Grüße Biggi Welter
Dat-juleken
Macht es Sinn direkt nach der Geburt bockshornklee zu nehmen oder sollte man damit erst einmal warten?
Liebe Dat-juleken, ich würde anlegen, anlegen und wieder anlegen :-). Biggi
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