Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Sofortiges abstillen?

Frage: Sofortiges abstillen?

Anto89

Beitrag melden

Guten Tag, nun habe ich noch eine zweite Frage. Seit zwei Jahren war meine Schilddrüsenunterfunktion mit Tabletten gut eingestellt. Direkt nach der Entbindung Anfang März bin ich in eine massive Schilddrüsenüberfunktion gekommen. Der Arzt hatte schon was von Medikamenten und sofortigem Abstillen gesagt. Den Termin beim Facharzt ist nächste Woche, dennoch möchte ich gerne Ihre Meinung zu diesem Thema haben. Sofern es heißt, ich müsse sofort medikamentös behandelt werden, ist dann wirklich ein sofortiges Abstillen die einzige Wahl? Ich wollte so gerne sechs Monate voll stillen und hoffe ganz stark, dass ich das auch kann. Und wie wird eigentlich abgestillt? Von heute auf morgen einfach nicht mehr stillen? Kommt es dann nicht zu Milchstau/Brustentzündung? Vielen Dank und herzliche Grüße Anto


Biggi Welter

Biggi Welter

Beitrag melden

Liebe Anto, eine Schilddrüsenüberfunktion kann auch in der Stillzeit behandelt werden. Ich zitiere aus "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" Schaefer, Spielmann, Vetter 7. Auflage 2006: Thyreostatika Erfahrungen. Zu den Thyreostatika zählen Carbimazol (z. B. Carbimazol Hexal®), Propylthiouracil (z. B. Propycil®), Thiamazol (= Methimazol, z.B. Favistan®) und Natriumperchlorat (Irenat®). Carbimazol wird zu Thiamazol als aktivem Metaboliten verstoffwechselt. Carbimazol und Thiamazol besitzen einen M/P-Quotienten von etwa 1. Unter täglich 40 mg Carbimazol wurden Konzentrationsspitzen des Methimazol von 0,72mg/l Milch gemessen (Cooper 1984). Daraus errechnet sich eine relative Dosis für Carbimazol von maximal 27% für Jen gestillten Säugling, im Durchschnitt sind jedoch nur 2-10% der gewichtsbezogenen Dosis anzunehmen (Übersicht in Bennett 1996). Unter 5 mg/Tag Thiamazol konnten maximal 65 µg/l Milch gemessen werden. Ein Säugling erhält demnach täglich bis zu 9,8 µg/kg. Das entspricht etwa 12% der mütterlichen Dosis pro kg Körpergewicht. Im Plasma eines gestillten Zwillingspärchens wurde Thiamazol mit 45 und 53 µg/l im subtherapeutischen Bereich gefunden. Die Kinder zeigten keine Symptome, ihr Schilddrüsenstatus war unauffällig (Rylance 1987). Von 46 gestillten Kindern, deren Mütter einen Monat lang 20 mg Methimazol und von 42, deren Mütter zunächst 30 mg täglich einnahmen und dann bis auf eine Erhaltungsdosis von 5-10 mg reduzierten, wiesen alle gleich bleibend normale T3-, T4- und TSH-Werte auf (Azizi 2002). Nicht nur altersentsprechende Schilddrüsenparameter, sondern auch eine normale psychomotorische Entwicklung bis zum Alter von 49 bis 86 Monaten wurden beobachtet (Azizi 2003). Bei Behandlung mit 400 mg Propylthiouracil wurden in der Muttermilch maximal 0,7 mg/l gefunden. Das sind für den Säugling in 24 Stunden höchstens 0,1 mg/kg, also 1,5% der mütterlichen gewichtsbezogenen Dosis. Der M/P-Quotient liegt bei 0,1 (Kampmann 1980). In älteren, methodisch unzureichenden Untersuchungen wurden M/P-Werte von 12 beschrieben. Eine neuere Untersuchung an elf Kindern, deren Mütter täglich 300-750 mg einnahmen, erbrachte erhöhte TSH-Werte bei zwei Kindern 7 Tage nach der Geburt. Diese normalisierten sich jedoch trotz gleich bleibender oder erhöhter mütterlicher Dosis. Es wurde kein Zusammenhang zwischen der mütterlichen Dosis und dem mütterlichen Schilddrüsenhormon fT4 einerseits und dem kindlichen TSH andererseits gefunden. Die Autoren sehen auch bei der höchsten Tagesdosis kein Risiko für das gestillte Kind (Momotani 2000). Natriumperchlorat ist ein Reservethyreostatikum. Es blockiert die Schilddrüse durch Verdrängung des Iod und wird bei szintigraphischen Untersuchungen anderer Organe mit radioaktiv markiertem Iod verwendet. Durch Perchlorat wird auch der Iodtransport in die Brust gehemmt (Janssen 2001), denn das laktierende Brustgewebe kann Iod anreichern. Erfahrungen zur Stillzeit liegen nicht vor. Empfehlung für die Praxis: Propylthiouracil ist Thyreostatikum der ersten Wahl in der Stillzeit. Thiamazol und Carbimazol können auch eingenommen werden, insbesondere wenn die tägliche Erhaltungsdosis 10 mg nicht überschreitet. Wenn Thiamazol oder Carbimazol in einer höheren Dosierung gegeben werden, oder die Dosis von Propylthiouracil im oberen therapeutischen Bereich liegt, sollten nach etwa 3 Wochen die Schilddrüsenparameter des Säuglings kontrolliert werden. Schilddrüsenhormone dürfen nicht zusammen mit Thyreostatika gegeben werden, da hierdurch eine höhere Dosierung der Thyreostatika erforderlich wird. Natriumperchlorat soll in der Stillzeit nicht genommen werden." Bei Fragen zur Vereinbarkeit von Medikamenten und Stillzeit (und natürlich auch Schwangerschaft) kann und sollte sich dein Arzt oder Apotheker jederzeit an das Berliner Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie ("Embryotox") wenden, das unter der Telefonnr. 030 450-525700 erreichbar ist, per mail unter mail@embryotox.de, oder online unter www.embryotox.de bzw. http://www.bbges.de/content/index024a.html. LLLiebe Grüße Biggi


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.

Ähnliche Fragen

Liebe Biggi, meine Tochter ist jetzt 19 Monate alt und wird noch voll gestillt. Vor 2 Wochen erlitt ich eine Fehlgeburt (2. Monat),es wurden nach zweimaligen Tests Chlamydien festgestellt, sodass mein Mann und ich Doxycyclin einnehmen muessen. Es steht im Stillbuch unter "schaedlich".Du kannst Dir bestimmt vorstellen, wie schwer es ist, jetzt abzu ...

Liebe Biggi, ich moechte mich nochmal herzlich bei Dir bedanken, fuer Deinen Rat.Ich habe nun 10 Tage Doxycyclin genommen, voll weitergestillt und es geht meiner Tochter so gut wie immer.Im Stillbuch von Lothrop stand es unter schaedlich.Ich bin sehr froh, dass ich Dich immer um Rat fragen kann, viele Gruesse, Maike

Ich muss meine tochter, 16 Monate, leider sofort abstillen! Sie bekam die Brust bisher noch etwa 6 mal am Tag und sie liebt das Stillen so!! Ich bin aber wieder schwanger (16. SSW) und habe nun schon vorzeitige wehen bekommen :-( die sich beim Stillen verstärken :-(((. Die Wehen haben sogar schon den Muttermund auf fast 2 Zentimeter geöffnet. Mein ...

Lieber Frau Welter! Ich habe gestern die Ergenisse vom Allergietest meiner Tochter bekommen und darf sie ab sofort nicht mehr stillen. Ich möchte aber nicht medikamentös abstillen. Haben Sie vielleicht einen Rat, wie ich das auf natürliche Weise mit eventuellem Abpumpen in Griff bekomme? Vielen Dank vorab! Liebe Grüße von Laura

Schönen guten Abend, gestern war ich mit meiner Tochter bei der U5. Sie ist inzwischen 7 Monate und ich stille noch voll. Das habe ich auch der Kinderärztin erzählt. Die meinte daraufhin, dass ich sofort anfangen müsste, zuzufüttern und höchstens 1 Jahr stillen sollte, weil die Milch heutzutage so stark durch die Umwelt belastet wäre. Ist das rich ...

Hallo, nach einer Zahnarztodysse habe ich leider Toxavit eingelegt bekommen, der Nerv liess sich absolut nicht betäuben. Nun sagte man mir dass ich absolut nicht mehr stillen darf. Und nun? Mein Kind akzeptiert keine andere Flüssigkeiten.Wasser geht max 50ml am Tag. Was mache ich denn jetzt? Vielen Dank, Melanie

hallo, mein sohn ist gestern 2 Jahre geworden und eigetlich habe ich dass Stillen immer sehr genossen. Mal abgesehen von den dummen Kommentaren der anderen wird es aber seit einigen Wochen für mich zum Terror. Ich komme mir vor, als habe ich ein Neugeborenes welches alle 2h an dir Brust wíll. Mal mehr mal weniger, aber immer wenn er am Weinen ist ...

Meine Tochter ist 9,5 Monate alt, 77cm groß und 9,2kg schwer. Ich habe sie von Beginn an gestillt. Nun wurde bei mir vor einigen Wochen ein Knoten in der Brust festgestellt und mir geraten abzustillen, damit die Brust ruhig gestellt wird und die Ultraschallaufnahmen nicht durch das Stillen falsch gedeutet werden. Leider nimmt meine Tochter keine Fl ...

Hallo Meine Frage ist Da ich gegen Penicillin allergisch bin muss ich auf ein nicht stillfreundliches Antibiotika einnehmen, meine Tochter ist 3 Jahre alt und nun darf ich sie mindestens 6 Tage nicht stillen, wie mache ich das jetzt mit ihr wirhaben immer nachts gestillt und je nach Bedarf. Mit freundlichen Grüßen

Hallo, ich habe meine Tochter jetzt 22 Monate sehr gerne gestillt. Leider neigt sie dazu zu beißen. Vor etwa acht Wochen hat sie mir beide Brustwarzen so zerbissen, dass es Wochen gedauert hat bis die verheilt sind. Stillen tat natürlich extrem weh. Schon seit etwa einem 3/4 Jahr stillen wir nur noch vom einschlafen bis zum aufwachen. Sie ist 3 ...