Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Probleme beim Abstillen

Frage: Probleme beim Abstillen

Schokokeks

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Sehr geehrte Frau Welter, sie haben mir schon einmal sehr geholfen, dafür vielen Dank. Ich versuche seit 6 Wochen meinen 7,5 Monate alten Sohn abzustillen. Ich muss wegen einer SD-Überfunktion und Morbus Basedow Medikamente nehmen, vielleicht erinnern sie sich. Leider blieben bisher alle Versuche ergebnislos meinen Sohn die Flasche schmackhaft zu machen, auch Becher etc. nimmt er nicht. Seitdem er 6 M alt ist, bekommt er mittags Brei, seitdem 7 M abends Brei (mit Säuglichmilchnahrung angerührt, um ihn den Geschmack näher zu bringen). Er isst noch nicht so viel Brei, vieleicht halbe Portionen. Er ist ja nun "schon" 7,5 Monate. Ich weiss, bis zum 1. LJ soll wenigstens morgens eine Milchmahlzeit gegeben werden. Wäre es nicht eine Alternative ihn auch morgens einen Getreidebrei mit Flachenmilch zu geben? Ihn also komplett auf Brei umzustellen, solange er die Flasche verweigert? Ich würde ihn diese jedoch weiterhin anbieten, in der Hoffnung, dass er etwas möchte. Ich weiss mir einfach keinen anderen Rat mehr, die Erkrankung geht an mir nicht spurlos vorbei und eine Medikamenteneinnahme ist (eigentlich) dringend. Ein weiteres Problem ist, dass mein Sohn nur an der Brust oder Kiwa/Tragetuch einschläft. Tagsüber würde ich das Problem mit Spaziergängen lösen. Was mache ich abends/nachts? Wir haben es paar Mal versucht ihn abends ins Bett zu legen (ohne stillen) und schreien zu lassen. Selbstverständlich mit kuschen, streicheln, beruhigen. Trotzdem steigert er sich so extrem rein, dass er erbricht. Es bricht mir das Herz und ich habe ihn nach 2 Stunden doch noch gestillt, was meine Freund aufgrund meiner fehlender Konsequenz böse macht. Soll ich ihn wirklich mal eine Woche schreien lassen und danach ist das Problem aus der Welt? Bei Bekannten hätte dies wohl funktioniert... Nun ist es doch wieder lang geworden, Entschuldigung. Haben Sie ein paar Ideen? Vielen Dank, Schokokeks


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Schokokeks, für alleinige Beikost ist dein Baby einfach noch zu jung und ein Baby schreien zu lassen, bis es erbricht, finde ich einfach nur herzlos. Dein Freund sollte dich dafür nicht schimpfen, sondern lieben ;-). Hast du gewusst dass ein junger Elefant eingeht, wenn er in den ersten 2 Lebensjahren nicht die PERMANENTE Anwesenheit seines Hauptbezugs"tieres" hat (kann auch ein Mensch sein...). Wenn ein Elefantenbaby zum Waisenkind wird bekommt es im Zoo selbstverständlich einen Pfleger zur Seite gestellt, der Tag und Nacht Hautkontakt bietet. Kein Mensch würde die Notwendigkeit dafür in Frage stellen. Nur mit unseren eigenen Babys, die viel unreifer geboren werden, erwarten wir so viel mehr. Das ist ein Punkt, der viele Diskussionen auslöst und bei Mutter und Kind zu vielen Tränen führen kann: Das Kind soll "wach" ins Bett gelegt werden und alleine einschlafen können (was eine enorme neurologische Leistung darstellt). Wenn es aber nur an der Brust oder im Körperkontakt mit der Mutter einschlafen kann, dann verurteilen wir dies als schlechte oder gar schädliche Angewohnheit... Aber das ist es gar nicht! Es hat seinen Grund, warum stillende Mütter die besten Einschlafhilfen SIND. Beim Saugen an der Brust findet ein Baby das, was es braucht: Trost, Nahrung, Sicherheit. Es liegt vermutlich an einer gewissen neurologischen Unreife, wenn einige Babys das mehr brauchen als andere, und es "verwächst" sich wirklich von alleine!! Was du probieren könntest, ist ihn tagsüber ganz viel im Tragetuch oder einer wirklich GUTEN Tragehilfe (z.B. Ergo, Manduca) zu tragen. Das hilft vielen Babys, die diese intensiven Körperkontakt brauchen, und ermöglicht es dir, die Hände frei zu halten für andere Dinge. Dein Sohn braucht also vor allem eines: Zeit zum Reifen. Vielleicht "schenkst" Du ihm einfach noch ein bisschen von dieser Zeit, in der du ihm gestattest, so zu sein, wie er ist auch wenn das bedeutet, dass er nicht so schläft, wie du es dir wünschen würdest. Lass dir doch einfach Zeit, Du MUSST doch gar nicht abstillen und schon gar nicht so schnell. Versuche es immer wieder mit der Flasche, dein Kind WIRD es lernen! Da sich die Techniken des Trinkens an der Flasche und an der Brust deutlich unterscheiden und sich ein Flaschensauger ganz anders anfühlt als die Brust, lehnen viele Stillkinder die Flasche ab. Wenn die Mutter die Flasche geben will kommt noch dazu, dass es sich denkt „Was soll denn damit? Ich kann doch die Milch meiner Mutter riechen und fühle ihre Brust und bekomme so etwas Seltsames in den Mund gesteckt". In einigen Fällen hilft es daher, wenn jemand Anderes die Flaschenfütterung übernimmt. Es empfiehlt sich auch, nicht zu warten, bis das Baby sehr hungrig oder müde ist. Müde oder hungrige Babys sind nicht unbedingt daran interessiert etwas Neues auszuprobieren. Manche Babys wollen auch einfach nicht aus einer Flasche trinken. Bei diesen Kindern kann man dann versuchen, ob sie aus einer Trinklerntasse (Schnabeltasse) trinken. Viele Mütter berichten, dass ihre Babys die Trinklerntasse von Avent mit dem weichen Schnabelaufsatz gerne (oder zumindest lieber) annehmen. Unter Umständen kann man auch löffeln. Hier noch ein paar Tipps, wie das Baby die Flasche vielleicht besser annimmt: • die Flasche anbieten, ehe das Baby zu hungrig ist • das Baby beim Flaschegeben in ein Kleidungsstück der Mutter (Geruch) einwickeln • den Flaschensauger nicht in den Mund des Babys stecken, sondern die Lippen des Babys damit berühren, so wie die Mutter dies mit der Brustwarze tut • den Flaschensauger mit warmem Wasser auf Körpertemperatur bringen oder beim einem zahnenden Baby abkühlen, um die Zahnleisten zu beruhigen • verschiedene Saugerformen und Lochgrößen ausprobieren • verschiedene Haltungen beim Füttern einnehmen • versuchen das Baby im Halbschlaf zu füttern • geduldig bleiben und auch alternative Fütterungsmethoden in Betracht ziehen (z.B. Becher, Löffel) Die Becherfütterung ist mit der richtigen Technik keineswegs aufwändiger als die Flaschenfütterung und deshalb durchaus eine Alternative zur Flasche und gerade bei einem Kind ab sechs Monaten lässt sich der Becher gut einführen und die Flasche muss nicht mehr in jedem Fall unbedingt eingeführt werden. LLLiebe Grüße, Biggi


Schokokeks

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Liebe Biggi, vielen Dank für deine Antwort. Ich werde jetzt noch einmal jeden einzelnen Tipp ausprobieren, der hier aufgeführt ist. Du schreibt, dass Baby wird es lernen, dann nehme ich diesen Satz an. Bisher war ich selbst nicht überzeugt, vielleicht hat er das gespürt. In einem Punkt muss ich aber widersprechen :) Ich MUSS abstillen und zwar so schnell wie möglich, auch wenn auf der Embryotoxseite Anderes steht. Dass ich um eine Einnahme der Medikamente nicht mehr herum komme, steht außer Frage. Wie zahlreiche Studien belegen, ist die Einnahme von SD-Hemmern während der Stillzeit doch nicht so harmlos, wie bisher gedacht (schwere Leberschädigungen). Auch wenn seine Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden würden, setze ich ihm der Gefahr einer eigenen Erkrankung aus. Er wurde nun so lange gestillt, ich möchte einfach kein gesundheitliches Risiko für mein Kind eingehen. Es ist halt nur so schade, dass wir nicht selbst entscheiden dürfen. Die ersten 3 Wochen war er zu schwach (geringes Geburtsgewicht, Gelbsucht) zum Stillen und dann haben wir es nach und nach gelernt. Vielen lieben Dank, Schokokeks


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