schischi
Liebe Stillexpertinnen, meine Tochter ist 19 Monate alt und wir haben eigentlich eine sehr harmonische Stillzeit. Die üblichen Auf und Abs werden von uns mit Geduld oder im Einvernehmen, teils auch wie von Zauberhand, gelöst und meinerseits besteht kein Grund, zur Zeit ans Abstillen zu denken. Sie stillt tagsüber und auch nachts nach Bedarf, wobei es tagsüber auch so ist, dass sie ein Nein (falls die Situation für mich nicht passt) akzeptiert. Tagsüber und auch abends schläft sie beim Papa, der Oma oder der Tagesmutter problemlos ein, bei mir an der Brust. Eine Sache beschäftigt mich aber immer wieder: das ist die Häufigkeit des nächtlichen Stillens. Trotzdem meine Tochter es immer wieder schafft (zwar nur selten, aber doch) 6 bis 8 Stunden am Stück zu schlafen, kommt sie phasenweise extrem oft (teilweise alle 1,5 Stunden) und lässt sich dann nur schwer wieder abdocken. Bis jetzt hat sich das eigentlich immer wieder von selbst gelegt. Aber seit zwei Wochen stecken wir wieder in so einer Phase. Da es mir gerade selbst nicht sehr gut geht, stresst mich dieser Umstand zusätzlich und ich schaffe es auch nicht, sie ohne weiteres Stillen wieder zum Schlafen zu bringen (großes Gezeter, Weinen, Rufen nach Milch etc.). Jetzt frage ich mich, ob sich nachts evtl zu schlechte Gewohnheiten eingeschlichen haben oder ich zu nachgiebig bin. Haben Sie evtl Rat für mich, wie unsere Nächte ruhiger werden? Recht herzlichen Dank im Voraus für Ihre Antwort und schöne Grüße, Daniela
Liebe Daniela, das Durchschafen ist kein kontinuierlich verlaufender Prozess, da gibt es immer wieder einmal kleinere oder größere Rückschritte. Dein Kind spürt sicherlich, dass es auch dir gerade nicht gut geht und spiegelt das. Auch kann es sein, dass gerade Zähnchen kommen oder die Kleine einfach einen aufregenden Tag hatte. Mach dir keine Sorgen, Du hast deinem Kind nicht angewöhnt und die Maus wird von ganz alleine wieder länger schlafen. Dein Baby braucht also vor allem eines: Zeit zum Reifen. Vielleicht "schenkst" Du ihm einfach noch ein bisschen von dieser Zeit, in der du ihm gestattest, so zu sein, wie es ist. In diesem Alter kann dein Kind aber durchaus schon ganz langsam lernen, dass es nachts mal eine Pause gibt, eine stillfreie Zeit. Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch weinen oder schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Natürlich kannst Du ihm während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten, doch sei nicht allzu überrascht, wenn das anfangs mit Wut abgewiesen wird. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Einen "Knacks" beim Kind brauchst du nicht befürchten, wenn du ihm wirklich beistehst und ihn nicht "strafst" für seine natürliche Reaktion auf diese Veränderung. Nur wenn sich dein Kind über mehrere Tage hinweg gegen diese stillfreie Zeit sperrt, oder gar tagsüber extrem anhänglich bzw. weinerlich wird, oder gar eine Hautreaktion zeigt, dann weißt du, dass es noch zu früh ist und du vielleicht einfach noch ein paar Wochen warten und durchhalten solltest. Dieser Vorschlag stammt von Elizabeth Pantley, Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte", das ich wärmstens empfehlen kann. Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Wichtig ist nun, dass ihr zum einen wirklich miteinander redet und Du deinem Kind klar erklärst und sagst, was Du willst und was Du nicht mehr willst. Zum anderen muss für dein Kind deutlich erkennbar sein, wo deine Grenzen gesetzt sind. Liebevolle Konsequenz ist das Zaubermittel in der Erziehung. Bleibe bei ihr und sei du ruhig und klar, so dass sie sich an dir orientieren kann. Vielleicht wirst du sie ein wenig ablenken wollen (falls sie sich ablenken lässt), vielleicht bleibst du auch einfach nur in ihrer Nähe und versicherst ihr, dass alles ok ist, und dass ihr weiter stillen könnt (oder kuscheln), sobald sie sich etwas beruhigt hat. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und Du nicht gleich die Geduld verlierst, wenn es nicht so schnell klappt. Viele Frauen glauben, dass sie sich in dieser Situation vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Außerdem möchte ich dir das Buch "Wir stillen noch über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen, das bei La Leche Liga und jeder La Leche Liga Stillberaterin (also auch bei uns) und im Buchhandel erhältlich ist. LLLiebe Grüße, Biggi
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