Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

nächtliches Abstillen von 3-Jährigem

Frage: nächtliches Abstillen von 3-Jährigem

Mitglied inaktiv

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Liebe Biggi, wegen massiver Karies-Problem möchte ich unseren Sohn abends (vor dem Einschlafen) und nachts abstillen. Er schläft bei uns im Bett und trinkt nachts noch 1-2 Mal. Wie kann ich das ändern, in unserem Bett soll er gerne noch bleiben. Uns steht wegen des Karies eine OP unter Vollnarkose bevor. Mir steht das gewaltig bevor, vor allem das Problem mit dem Nüchternsein müssen. Ich schätze, wenn er nachts nichts trinken darf und morgens nicht frühstücken ist er bis zur OP schon total durch den Wind. Hast Du einen Tip? Vielen Dank Susanne


Biggi Welter

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? Liebe Susanne, Karies und Langzeitstillen ist ein sehr viel diskutiertes Thema. Ich habe hier einen Ordner in dem auf drei Seiten Studien aus den letzten 20 Jahren zum Thema Karies und Stillen aufgelistet sind und in keiner dieser Studien gibt es einen Beleg dafür, dass das (Langzeit)Stillen zu einem erhöhten Auftreten von Karies führt im Verhältnis zu kurz oder nicht gestillten Kindern. Das Fazit insgesamt ist, dass es zu Karies nicht durch das Stillen sondern trotz Stillen kommen kann. Karies wird durch ein Bakterium verursacht (streptococcus mutans), das die meisten Erwachsenen in ihrem Mund haben. Wenn ein Baby auf die Welt kommt, ist sein Mund in aller Regel noch frei von diesem Bakterium und meist bleibt dies zumindest so lange so, bis der erste Zahn da ist, bei manchen Kindern kommt es auch erst deutlich nach dem ersten Zahn zu einer Besiedelung mit Streptococcus mutans. Ein ganz wesentlicher Übertragungsweg ist übrigens das Ablecken eines runtergefallenen Schnullers durch die Mutter (oder sonst einen Erwachsenen) und das gemeinsame Benutzen eines Löffels oder das Vorkosten des Breis mit dem gleichen Löffel, wie er zum Füttern benutzt wird. Ob ein Mensch (vermehrt) Karies bekommt oder nicht, hängt auch noch von weiteren Faktoren ab: wie gut oder schlecht hat sich die Mutter in der Schwangerschaft ernährt; waren in der Schwangerschaft Antibiotika notwendig; hatte die Mutter in der Schwangerschaft Erkrankungen, die mit hohem Fieber einhergingen; kommen in der Familie genetisch bedingt gehäuft Schmelzdefekte vor; ist das Kind zu früh geboren ... Du siehst, selbst wenn wir als Mütter auf alles achten, so gibt es noch eine ganze Reihe von Dingen, auf die wir keinen Einfluss haben und es gibt im Leben keine Garantien und vor allem sind wir als Mütter nicht immer „schuld". Übrigens ist ein Faktor, der zu Problemen mit Karies beiträgt, die offene Mundatmung, achte da vielleicht einmal drauf, ob dein Kind mit offenem Mund schläft. Wenn Du deinen Sohn jetzt abstillen willst, dann sprich als Erstes ganz klar mit ihm darüber. Dann könnt ihr gemeinsam entscheiden, ob ihr das Stillen immer weiter einschränkt, immer kürzer stillt oder tatsächlich eher abrupt aufhört. Mit einem dreijährigen Kind können da Vereinbarungen getroffen werden. Wichtig ist, dass dein Kind sicher weiß, dass ihm zwar die Brust aber nicht die Mutter entzogen wird. Wegen der Nahrungspause vor der Vollnarkose solltest Du mit dem Arzt sprechen. Einige Ärzte verlangen, dass ein Patient acht Stunden vor einer Operation nichts mehr oral zu sich nehmen darf. Doch diese Richtlinien sind in Veränderung begriffen. Kürzlich durchgeführte Untersuchungen (Litman 1994; Schreiner 1994) weisen darauf hin, dass es sinnvoll ist, die folgenden Zeitabstände zwischen letzter Nahrungszufuhr und Operation einzuhalten: sechs Stunden für künstliche Säuglingsmilch (Spear 1992), drei Stunden für Muttermilch und zwei Stunden für klare Flüssigkeiten. Bei einem älteren Stillkind dauert es etwas länger, bis die Muttermilch den Magen wieder verlassen hat als bei einem kleinen Baby, doch auch hier müssen nicht zwingend acht Stunden eingehalten werden. Überleg dir auch, wie Du die Zeit unmittelbar vor der Narkose herum bringst. Dein Sohn wird eventuell sehr verwirrt sein, dass er in einer fremden Umgebung ist, hungrig oder durstig ist und trotz aller Vorbereitung nicht so genau weiß, was da auf ihn zukommt. Ein neues Spielzeug, ein Buch oder was auch immer dein Kind gerne mag, kann da sehr hilfreich sein. Nach meiner Erfahrung ist es sehr günstig, wenn Du gleich den alleresten Termin am Morgen bekommen kannst, dann sind Wartezeiten wegen einer länger dauernden OP vor eurem Termin so gut wie ausgeschlossen. Alles Gute für die Zahnbehandlung. LLLiebe Grüße Biggi


Mitglied inaktiv

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Ich würde Deinem Kind lieber Wasser anbieten, zumindest nachts. Unsere Tochter trank auch bis vor etwa einem halben Jahr noch mindestens ein bis zwei Flaschen Apfelschorle des Nachts. Von heute auf morgen habe ich das rigoros umgestellt und es gab nur noch Wasser. Unsere inzwischen 2jährige Tochter verlangte nachts immer weniger zu trinken und gab sich ziemlich schnell (innerhalb weniger Tage) auch mit Wasser zufrieden. Du mußt Deinem Kind zuliebe nur durchhalten können und wollen. Viele Grüße Ingrid


Mitglied inaktiv

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Liebe Biggi, danke für deine aufmunternden Worte. Leider hast Du es erfaßt: ich bin total frustriert und habe das Gefühl an allem Schuld zu sein, haben wir doch immer gut die Zähne geputzt. Habe ich mich in der Schwangerschaft nicht gut ernährt, zuviel Süßes gegessen? Mein Sohn schläft tatsächlich oft mit offenem Mund. Woran kann das liegen? Vielen Dank, Susanne


Biggi Welter

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? Liebe Susanne, die offene Mundatmung führt dazu, dass die Zähne nicht von Speichel umspült werden, sondern austrocknen und dies wiederum begünstigt Karies. Eine offene Mundatmung kann durch eine Behinderung der Nasenatmung (z.B. vergrößerte Rachenmandeln), aber auch durch den Gebrauch eines Schnullers begünstigt werden. Sprich am besten deinen Kinderarzt darauf an. LLLiebe Grüße Biggi


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