Frage: Langzeitstillen

Liebe Biggi, meine Tochter ist jetzt 18 Monate alt und wir stillen ca. um 8.00 beim Aufstehen, um 11.00 beim Vormittagsschlaf, manchmal nach dem Mittagessen, um 20.00 Uhr vorm Schlafengehen, um 22.30 vor der Nacht und manchmal (oft) auch noch nachts und sowieso auch tags oft noch kurz zwischendurch. Ich empfinde das als sehr viel, zumal sie außer dem "richtigen" Mittagessen sonst fast nichts ißt (logischerweise). Und meine Freundin sagte neulich, daß sei ja noch fast voll stillen. Das hat mich nachdenklich gemacht. Nach ihrem "richtigen" Mittagessen, was sie meist ganz gut ißt, ist sie für ca. 3 Stunden sehr gut drauf, was man sonst von ihr nicht so behaupten kann. Ich habe dann das Gefühl, sie ist mal wirklich satt und happy. Kurz und gut, ich denke, daß die dauernde Stillerei sie nicht wirklich sättigt, aber wenn ich ihr Nahrung anbiete, will sie sie eben nicht, nur Mimi. Jetzt denke ich, daß ich sie zu ihrem Glück zwingen muß, sprich: Abstillen. Mich nervt das ständige Gequengel um die Brust und das ständige Nahrung anbieten und Ablehnung derselben ihrerseits ziemlich. Stillen andere Langzeitstillerinnen auch so oft noch? Liebe Biggi, schon mal lieben Dank von ArianeK.

Mitglied inaktiv - 27.07.2001, 11:08



Antwort auf: Langzeitstillen

Liebe Ariane, ich denke nicht, dass sich das Essverhalten deiner Tochter sehr ändern würde, wenn Du sie jetzt mit Gewalt abstillst. Es ist absolut nicht ungewöhnlich, dass ein 18 Monate altes Kind noch gestillt wird, es ist lediglich in unserer Kultur nicht so verbreitet. Allerdings gibt es sehr viele Kleinkinder, die gestillt werden, aber ihre Mütter gehen damit nicht an die „Öffentlichkeit", um eben Anfeindungen aus dem Weg zu gehen. Auch bei einem älteren Baby ist nichts gegen Stillen nach Bedarf einzuwenden. In den Ernährungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation heißt es für den gesamten Zeitraum der Stillzeit (und die WHO empfiehlt immerhin eine Zeit von zwei Jahren oder mehr) „Stillen so oft das Kind danach verlangt“. Wenn Du also nicht aus irgendwelchen persönlichen Gründen das Stillen einschränken möchtest, kannst Du deine Tochter selbstverständlich so oft stillen wie sie möchte. Für ein Kind ist das Stillen viel, viel mehr als nur Nahrungsaufnahme. Das Abstillen bedeutet daher auch mehr als das reine Ersetzen einer Nahrung durch eine andere. Im Alter deiner Tochter ist es dem Kind auch sehr bewusst, dass Stillen mehr als nur Trinken bedeutet. Ich werde dir jetzt ein paar Möglichkeiten aufzählen, ein älteres Stillkind von der Brust zu entwöhnen. Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt „biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Du Deinem Kind die Brust nicht von Dir aus anbietest, aber auch nicht ablehnst, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Ihr viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmt, die Deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Du Dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn Du zum Beispiel sitzen bleibst anstatt Dich hinzulegen, wenn Du Dein Kind zum einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal bringt es Dich auch weiter, wenn du das Stillen immer dann, wenn Dein Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschiebst. Das kannst Du flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Du kannst auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst Dein Kind eine kleine Weile anlegen und es dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Außerdem möchte ich dir das Buch „Wir stillen noch - über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen, das bei La Leche Liga und jeder La Leche Liga-Stillberaterin (oder hier im Still-Shop) und im Buchhandel erhältlich ist. LLLiebe Grüße Biggi

von Biggi Welter am 27.07.2001



Antwort auf: Langzeitstillen

Hallo, meine Freundin stillt ihren 2-jährigen Sohn noch sehr häufig. Auch er hat lange Beikost verweigert. Vor kurzem musste sie Abpumpen und stellte fest, dass sie noch fast 1 Liter Milch am TAg prodziert. Ich würde mir also keine zu grossen Sorgen machen, wenn deine Tochter sonst gut gedeiht. Ich habe meine Grosse 14 Monate gestillt und dann nachts abgestillt (sie kam noch alle 2 Stunden). Daraufhin wollte sie tagsüber auch nicht mehr trinken und hat sich mit fast 15 Monaten selber abgestillt. Liebe Grüße, DorisL

Mitglied inaktiv - 27.07.2001, 12:32



Antwort auf: Langzeitstillen

Liebe Ariane, was Biggi schreibt, hat mich nachdenklich gemacht. Nämlich daß Stillen mehr ist als nur Nahrungsaufnahme. Je älter das Kind, desto mehr muß es ihm als Liebesentzug erscheinen, wenn man versucht abzustillen. Umso mehr hat man auch ein schlechtes Gewissen, nicht abwarten zu wollen, bis sich das Kind von selbst fester Nahrung zuwendet. Ein Dilemma! Ich glaube aber, daß auch die Mama das Recht hat, sich wohlzufühlen und nicht nur als Bedürfnisbefriedigerin des Kindes fungieren will (so sehr sie ihr Kind auch liebt, das ist ja klar) Also denke ich, ist es vielleicht ein Weg die Art und Weise, dem Kind seine Liebe zu zeigen weg von der Brust zu anderen Dingen gehen sollte und die feste Nahrung als selbstverständlicher Bestandteil des Familienlebens freundlich und konsequent eingeführt wird. Auch kleine Babies die früher abgestillt werden, lehnen "Muttermilchersatznahrung" erst einmal vehement ab. Davor mußt Du aber keine Angst haben. Schließlich verhungern Kindern doch nicht freiwillig! Horch in dich hinein und tu das, wozu du wirklich bereit bist! LG Birgila

Mitglied inaktiv - 27.07.2001, 21:22



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