Lex1017
Liebe Frau Weller, ich stille meinen 2,5 Jahre alten Sohn sowie meine 3 Monate alte Tochter. Er geht vier Tage die Woche in die Kita, da stillen wir nur abends und nachts. An den drei anderen Tagen auch einmal mittags. Jetzt will ich nicht mehr. Ich habe versucht, wie sie es anderswo bereits geraten haben, ihn darauf vorzubereiten, habe ihm meine Beweggründe erklärt. Zunächst wollte ich das mittägliche Stillen einstellen. Die Folge: Er haut, tritt und pfetzt mich. Bleibe ich ruhig, geht er auf seine Schwester los. Eifersucht ist - wenn überhaupt - nur beim Stillen ein Thema. Wollte er unmittelbar nach ihrer Geburt ständig ran, hat es sich jetzt wieder eingependelt. Doch weiß ich nicht, wie wir das Stillen komplett einstellen sollen - zumal er sieht, wie ich die Kleine stille. Gebetsmühlenartig wiederhole ich, weshalb sie Muttermilch bekommt - und zwar nur Milch. Im Gegenzug weise ich ihn darauf hin, was er schon alles essen/trinken darf. Klar, geht es ihm um die Nähe, auch da versuche ich alles. Von einem 2,5-Jährigen rationales Verständnis zu verlangen, ist doch zu viel. Wie soll er das Ganze verstehen? Ist er noch nicht bereit, weil er so intensiv reagiert? Wächst sich das aus und ich sollte noch durchhalten? Oder schiebe ich nur Unumgängliches auf? Es beeinflusst auch die Stillbeziehung zu meiner Tochter. Zeitweise stand ich kurz davor, beide abzustillen. Es frisst mich auf. Ich weiß grad nicht weiter und brauche Rat. Beste Grüße!
Liebe Lex1017, Dein Sohn muss gerade lernen, dass da noch jemand ist, dass er nicht mehr nur alleine die ganze Aufmerksamkeit bekommt - und das tut weh. Selbst wenn Du jetzt abstillen würdest, würde sich die Situation wahrscheinlich nicht verbessern. Du machst alles richtig, aber Ihr beide braucht Ruhe und Zeit, um Euch an das neue Menschlein zu gewöhnen. Kann dein Mann ein paar Tage daheim bleiben und sich vermehrt um Euren Sohn kümmern? Oder kann er mit dem Baby spazieren gehen und Du bist ganz alleine für den „Großen“ da, damit er spürt, wie wichtig er ist? Wie wäre es, wenn Du während dem Stillen ein Buch vorliest? Mir persönlich gefällt das Buch "Ich will auch Geschwister haben" von Astrid Lindgren für diesen Zweck sehr gut. Ein Buch, das sich vor allem auch mit dem Thema Stillen beschäftigt und mit liebevoll gezeichneten Bilder aus der Sicht des größeren Bruders vom Auf die Welt kommen, dem Stillen und Tragen erzählt ist "Busi sagte Henriette" von Edith Seitz. "Busi sagt Henriette bekommst Du im Buchhandel (Edition buntehunde, ISBN 3 934941 03 6). Weitere Tipps für die Zeit nach der Geburt: o dem älteren Kind eine Babypuppe schenken, (oder sie ihr von dem Baby schenken lassen), die es ebenfalls versorgen und stillen kann. Außerdem kann das ältere Kind in die Versorgung des Babys miteinbezogen werden (es kann die Windeln reichen, den Po eincremen ...). Entscheidend ist, dass sie sich wichtig fühlt und weniger zurückgesetzt durch das Baby. o dem älteren Kind erlauben wieder klein zu sein, eben auch ein Baby, und es, wenn das Baby schläft, ein bisschen herumtragen, mit ihm ausgiebig kuscheln usw. Der oft geäußerte Spruch "Du bist jetzt schon so groß" führt bei manchen Kindern gerade zum Gegenteil dessen, was man erreichen wollte, denn "groß sein" bedeutet nach Auffassung des Kindes, dass es jetzt nicht mehr so wichtig ist. (Ich weiß, dass dies objektiv nicht so ist, aber das Kind kann es so empfinden). o ein Tragetuch verwenden. Mit dem Baby im Tuch, ist mindestens eine Hand frei für das ältere Kind (bei einem korrekt gebundenen Tuch). So kann die Mutter sich mit dem älteren Kind beschäftigen und gleichzeitig auf das Bedürfnis des Babys nach Nähe und Körperkontakt eingehen. Das Baby ist mit dabei, schläft wahrscheinlich sogar recht gut und es wird Freiraum für das Große gewonnen. Viele Mütter machen die Stillzeit mit dem Baby zu einer gemütlichen Kuschel- und Lesestunde für das größere Kind. Mit etwas Übung kann das Baby beim Stillen mit einem Arm gehalten werden und in den anderen Arm kann sich das größere Kind mit einem Bilderbuch o.Ä. kuscheln. Das ältere Kind kann das Buch so halten, dass die Mutter darin lesen kann oder mit ihm die Bilder anschauen und außerdem bekommt es die wichtige Aufgabe, die Seiten umzublättern. Eine andere Möglichkeit die Stillzeiten für das große Kind zu etwas besonderem zu machen ist eine "Stillkiste" (der Begriff stammt von einer meiner Gruppenmütter). In dieser Kiste sind besondere Dinge (z.B. ganz spezielle Stifte und glänzende Papierbögen, bunte Perlen, die zu Ketten aufgereiht werden können, ein Spielzeugauto je nachdem, was für das Kind besonders attraktiv sein kann), die nur zu den Stillzeiten benutzt werden dürfen. Wenn Du mit beiden Kindern unterwegs bist, sind die Kombination Buggy (großes Kind und/oder Einkäufe) und Tragetuch (Baby) optimal. Nur Mut, auch der (Still)Alltag mit zwei kleinen Kindern ist meisterbar, Ihr braucht nur Zeit dazu! LLLiebe Grüße Biggi
Lex1017
Liebe Frau Welter, vielen Dank für die rasche Antwort. Der Große hat von der Kleinen zur Geburt einenAbschlepper bekommen, ich trage sie fast ausschließlich im Tuch und spiele mit ihm Fußball, kletter und rutsche auf dem Spieli. Vorgelesen habe ich ihm, allerdings wollte er dann lieber auch an die Brust. In den ersten sechs Wochen nach Geburt habe ich ihn tagsüber fast wieder so viel gestillt wie in seinen besten Babyjahren, er durfte jederzeit ran. Dann hat er von sich aus reduziert. Aktuell ist es die Nacht, die schwierig ist. Er weckt mich bis zu sechsmal, dazu die Kleine. Versuche ich ihn nachts zu reduzieren, schreit er alles zusammen. Dann schreit sie und nix geht mehr. Ich wollte ihm immer die Zeit geben, die er braucht. Aber allmählich glaube ich nicht mehr dran, dass es das wirklich gibt: Dass sich das Kind selbst abstillt. Ich bin mürbe. Und manchmal werde ich richtig sauer, wenn er einfach nach meiner Brust greift. Irgendwann muss es doch auch gut sein, oder?!
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