Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

kleinkind abstillen/nachts

Frage: kleinkind abstillen/nachts

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Hallo Biggi und Kristina, meine Tochter ist 21 Monate. Die große Esserin war sie noch nie, mittags ißt sie noch am meisten. Ich würde gerne so nach und nach das Stillen weglassen (tagsüber haben wir schon abgestillt). Das "Problem" ist, daß sie abends nicht wirklich viel ißt. Manchmal drängt sie schon vor dem Essen an die Brust (wobei ich manchmal denke, daß sie dann die Nähe sucht, wenn ich von der Arbeit heimkomme). Ich stille sie dann meist noch (es hat vor einer Woche mal 3 Tage hintereinander abends ohne geklappt), wobei wir das manchmal auch schon verkürzen. Sie schläft dann in ihrem Bett ein (alleine nicht), manchmal auch auf dem Arm, nach spätestens 5 Stunden wacht sie auf. Manchmal klappts mit Beruhigen, aber meistens kommt sie zu uns ins Bett, und sie braucht die Brust zur Beruhigung (Schnuller hat sie noch nie genommen). Kann es sein, daß sie wirklichen Hunger hat oder ist es "nur" Gewohnheit? Nach Mitternacht wacht sie ca. 3x auf. Das nächtliche Stillen würde ich gerne so nach und nach abstellen. Hoffe, Ihr könnt mir helfen bzw. wer hat gleiche Erfahrungen Vielen Dank, liebe Grüße


Biggi Welter

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Liebe 120908Laura, es kann schon sein, dass Ihr Kind Hunger hat, vielleicht braucht es aber wirklich einfach nur Ihre Nähe. Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hoch geschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Ich werden Ihnen jetzt ein paar weniger drastische Methoden beschreiben, die sich beim Abstillen eines älteren Kindes bewährt haben, vielleicht ist ja etwas dabei, was Ihnen weiterhilft: Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt "biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Sie Ihrem Kind die Brust nicht von sich aus anbieten, aber auch nicht ablehnen, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Ihre Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Sie müssen die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Sie viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmen, die Ihrem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Sie Ihr übliches Verhalten in bestimmten Situationen verändern. Wenn Sie zum Beispiel sitzen bleiben anstatt sich hinzulegen, wenn Sie Ihr Kind zum einschlafen bringen. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal ist es sinnvoll, wenn der Vater das abendliche Zubettbringen übernimmt. Manchmal bringt es das Abstillen auch weiter, wenn Sie das Stillen immer dann, wenn Ihr Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschieben. Das können Sie flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Sie können auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Womöglich wäre "punktuelles Abstillen" eine Lösung für Sie. Es ist eine Alternative zum vollständigen Abstillen. Damit meine ich, dass zu bestimmten Zeiten nicht mehr gestillt wird oder Sie versuchen Ihr Kind davon zu überzeugen, nach einer ausreichend langen Zeit an der Brust, etwas anderes zu tun. Außerdem möchte ich Ihnen das Buch "Wir stillen noch über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Das Buch ist im Buchhandel oder bei der La Leche Liga und bei jeder LLL Stillberaterin oder im Stillshop auf dieser Seite erhältlich. Zum Schluss noch etwas, was unter Umständen paradox klingt: einige Kinder stillen sich von alleine ab, sobald ihre Mutter die Abstillbemühungen aufgibt. LLLiebe Grüße Biggi


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