Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Fütterungsstörung durch Stillen

Frage: Fütterungsstörung durch Stillen

Sabriel

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Hallo! Mein Baby ist jetzt 11,5 Monate alt. Mit 6 Monaten haben wir mit Beikost gestartet, ganz klassische mit Gemüse und dann Brei nach und nach erweitert. Mit 8 Monaten hat er Brei abgelehnt und wir sind auf Fingerfood umgestiegen. Er probiert so ziemlich alles aber isst nur wenige Bissen. Obst, Joghurt und Broccoli isst er auch in größeren Mengen. Ich stille noch und achte darauf 1,5-2 Stunden vor den Mahlzeiten Pause einzuhalten und biete tagsüber, wenn er sich meldet immer erst Wasser oder Vormittags und Nachmittags jeweils einen Snack an. Ich gebe mir wirklich Mühe, biete alles immer wieder in allen Konsistenzen an, er isst aber kaum. Bei der U6 wurde ich von der Kinderärztin sehr deutlich "gewarnt", dass ein weiteres Stillen zu einer Fütterungsstörung führen wird. Ich soll am besten nach den Mahlzeiten zwei Stunden nicht Stillen, damit er merkt, dass er bei Hunger keine Brust bekommt sondern Essen soll. Wasser soll ich nur noch zu den Mahlzeiten anbieten. Bei Protest oder Weinen soll ich Essen erneut anbieten. Ich bin nun total verunsichert, ich möchte noch nicht abstillen und ich möchte meinem Kind auch nicht stundenlang die Brust verweigern, da er diese auch zur Regulation nutzt. Ich kann ihn auch nicht zum Essen zwingen. Kannst du mir einen Rat geben? Gibt es eine Empfehlung, wie häufig ab dem 1 Geburtstag tagsüber gestillt werden sollte?


Biggi Welter

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Liebe Sabriel, wurde der Eisenwert deines Kindes schon einmal kontrolliert? Auch ein Zinkmangel könnte möglicherweise eine Rolle spielen. Beides kann dazu führen, dass ein Kind schlecht isst und/oder nicht ausreichend gedeiht. Wenn das abgeklärt ist und dein Kind sich altersgerecht entwickelt, kannst du zunächst ganz beruhigt sein. So schwer es manchmal fällt: Versuche, beim Essen Geduld zu bewahren und keinen Kampf daraus zu machen. Sobald Essen mit Druck und Machtkampf verbunden wird, geraten Eltern und Kind schnell in einen Kreislauf, der das Essen noch schwieriger macht. Gerade deshalb ist es wichtig, dem Kind möglichst viel Selbstbestimmung zu lassen. Im ersten Lebensjahr ist Milch weiterhin die Hauptnahrungsquelle, und viele Babys essen noch erstaunlich wenig feste Nahrung. Es besteht also nicht unbedingt Grund zur Eile, solange dein Kind gut gedeiht und medizinisch alles in Ordnung ist. Eine sehr interessante und beruhigende Lektüre ist in diesem Zusammenhang das Buch „Mein Kind will nicht essen“des spanischen Kinderarztes Dr. Carlos González. Es ist im Buchhandel (ISBN 3-932022-12-2), bei der La Leche Liga erhältlich. Dr. González hat beispielhaft zusammengestellt, welche Mengen Muttermilch ein Baby im Alter zwischen neun und zwölf Monaten benötigt, um den empfohlenen Bedarf an verschiedenen Nährstoffen zu decken: Energie: 830 kcal = etwa 1185 ml Muttermilch Eiweiß: 9,6 g = etwa 910 ml Muttermilch Vitamin A: 350 µg = etwa 700 ml Muttermilch Vitamin B: 0,4 µg = etwa 412 ml Muttermilch Vitamin C: 25 mg = etwa 625 ml Muttermilch Diese Angaben zeigen, dass Muttermilch den Bedarf eines Kindes an vielen Nährstoffen noch lange zu einem erheblichen Teil decken kann. Es besteht deshalb nicht unbedingt Anlass, ein Kind zum Essen zu drängen. Beim Thema Eisen möchte ich allerdings etwas genauer hinschauen. Denise Both, IBCLC, weist darauf hin, dass auch gestillte Kinder einen Eisenmangel entwickeln können. Besonders gefährdet sind unter anderem Frühgeborene, Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft einen Eisenmangel hatten, und Kinder, die deutlich länger als sechs Monate jegliche feste Nahrung ablehnen. Dabei muss man zwischen einem Eisenmangel und einer Eisenmangelanämie unterscheiden. Ein Eisenmangel lässt sich nicht zuverlässig allein anhand des Hämoglobinwertes (Hb) erkennen. Wenn dein Kind über längere Zeit kaum oder gar keine Beikost zu sich nimmt, wäre es deshalb sinnvoll, mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt zu besprechen, ob neben dem Hb auch Ferritin bestimmt werden sollte. Denn ein Eisenmangel kann wiederum den Appetit vermindern: Das Kind isst weniger, dadurch verschärft sich der Eisenmangel möglicherweise noch weiter. Deshalb würde ich diesen Punkt tatsächlich einmal ärztlich abklären lassen. Was das Essen selbst betrifft: Es gibt Babys, die geradezu hysterisch reagieren, wenn man ihnen etwas in den Mund stecken möchte. Manche dieser Kinder essen hingegen erstaunlich gut, wenn sie selbst entscheiden dürfen, was und wie sie essen. Du kannst deinem Kind deshalb ruhig möglichst oft fingerfoodgeeignete Nahrung anbieten und es selbst essen lassen. Das darf ruhig etwas chaotisch aussehen. Banane lässt sich beispielsweise gut in die Hand nehmen. Auch ein Stück gekochte Kartoffel eignet sich. Weich gekochte Erbsen können einzeln aufgepickt werden – das ist gleichzeitig eine schöne Übung für die Feinmotorik. Auch weiches Gemüse und Obst kannst du entsprechend zubereiten und in kleine, gut greifbare Stücke schneiden. Wichtig ist natürlich, dass die Lebensmittel altersgerecht zubereitet sind und dein Kind beim Essen immer beaufsichtigt wird. Probiere es einfach weiterhin ohne Druck aus und gib deinem Kind noch etwas Zeit. Lieben Gruß Biggi


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