sns91
Sehr geehrte Frau Welter, aufgrund einer nicht verschiebbaren Tumorresektion meinerseits muss ich demnächst für einige Tage stationär ins Krankenhaus. Zu diesem Zeitpunkt wird meine Tochter 14 Wochen alt sein. Eine Mitaufnahme als Begleitperson ist leider nicht möglich. Außerdem ist das Krankenhaus weiter entfernt von meinem Zuhause und mein Mann muss unser älteres Kind auch betreuen, so dass ein häufiger Besuch nicht möglich ist. Mein Plan ist die Zuzahlung zu einem Einzelzimmer und die Mitnahme einer Milchpumpe. Allerdings benötige ich Ihren Rat, wie ich diesen Aufenthalt gut planen und umsetzen kann ohne Abstillen zu müssen. Mein Baby und ich stillen erst seit kurzem voll aufgrund einer Trennung des verkürzten Zungenbändchens. Seit dem verweigert sie jegliche Form von Flaschen oder einen Schnuller. Wie schafft es mein Mann, unsere Tochter adäquat zu füttern? Wie kann ich in der Klinik das Pumpzubehör reinigen? Wie häufig muss ich pumpen? Kann ich danach mein Baby wieder normal anlegen, ohne die Gefahr, dass sie die Brust verweigert? Aktuell betreiben wir Einschalfstillen mit vielen Clusterfeeding-Phasen. Über Ihre Antwort wäre ich sehr dankbar!
Liebe sns91, es tut mir schrecklich leid, dass du diesen Eingriff durchstehen musst und ich wünsche dir von Hertzen alles Gute. Entscheidend ist jetzt zunächst, dass du für die Zeit der Trennung die Milchbildung möglichst zuverlässig aufrechterhältst und dein Baby in dieser Zeit auf eine für beide passende Weise mit abgepumpter Muttermilch versorgt wird. Versucht die Flasche anzubieten, wenn das Baby nicht allzu hungrig (zur regulären Stillzeit wird es keine Experimente mitmachen wollen) ist; - lass die fütternde Person das Baby ganz liebevoll halten, während die Flasche angeboten wird; - anstelle den Sauger in den Mund zu schieben, die Unterlippe damit kitzeln, damit das Kind selbst ihn nimmt; - dein Baby könnte in ein Kleidungsstück eingewickelt werden, welches nach dir riecht; - der Sauger der Flasche könnte mit warmen Wasser auf etwa Körpertemperatur gebracht werden; - probiert verschiedene Sauger - Silikon + Kautschuk, verschieden Formen, größere oder kleinere Sauger; - probiert verschiedene Trinkpositionen aus; - vielleicht geht es mit rhythmischen Schaukeln besser, auch Gehen kann Erfolg bringen. Einige Babys nahmen die Flasche, wenn sie im Autositz saßen, besser; - probiere, die Flasche zu geben, wenn dein Baby schläft; gib nicht sofort auf, wenn es nicht klappt, probiert es weiter - aber bedenke auch, dein Baby kann auch (tagsüber) aus einer Tasse, vom Löffel, mit der (Kunststoff-) Pipette oder dem "Soft Cup" gefüttert werden - es muss nicht zwangsläufig eine Flasche sein. Das Baby wird ein paar Anläufe brauchen (und ihr auch) bis es den Dreh raus hat, wie es die Milch aus dem Becherchen bekommt. Vielleicht hilft dieses Video: http://www.youtube.com/watch?v=OAQcvHkFbdc Nun zum Pumpen, bei einem 14 Wochen alten, voll gestillten Baby würde ich mich ungefähr am bisherigen Trinkrhythmus orientieren. Für einige Tage sind meist etwa 7–9 Entleerungen der Brust in 24 Stunden sinnvoll, einschließlich einer Nachtentleerung. Es muss nicht exakt nach der Uhr sein. Wichtig ist vor allem, lange Pausen zu vermeiden, insbesondere wenn du normalerweise nachts häufig stillst. Das Handling der Reinigung sollte vorab mit der Station abgesprochen werden. Idealerweise kann das Zubehör nach jedem Gebrauch mit heißem Wasser und Spülmittel gereinigt und anschließend vollständig luftgetrocknet werden. Bei einem so jungen Säugling und einem mehrtägigen Aufenthalt würde ich außerdem das Krankenhaus fragen, ob dort eine Möglichkeit zur Sterilisation bzw. Aufbereitung des Pumpzubehörs besteht. Manche Kliniken haben dafür eigene Vorgaben. Du solltest den Pumpplan mit deinem behandelnden Ärzteteam abstimmen, insbesondere im Hinblick darauf, wann die Operation stattfindet, welche Medikamente und welche Narkose du bekommst und ob anschließend überhaupt eine Stillpause erforderlich ist. Bei sehr vielen Medikamenten und auch nach einer Narkose ist eine routinemäßige längere Stillpause heute nicht notwendig. Das sollte aber im Einzelfall anhand der tatsächlich verwendeten Medikamente geprüft werden. Du kannst mir auch jederzeit schreiben, wenn du Fragen hast, gerne können wir uns auch per Video sehen, wenn du magst. Alles alles Gute! Biggi
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