Gr3ta
Liebe Stillberaterin, meine Tochter wird übermorgen 1 Jahr alt und ich stille sie seit einiger Zeit nur noch zum Einschlafen (mittags und abends) sowie zum Weiterschlafen (auch mittags und abends). Beim Mittagsschlaf ist sie manchmal 1-2 mal wach, in der Nacht 4-8 mal. Sie assoziiert mit meiner Brust aber keinerlei Nahrungsaufnahme mehr (sie isst mittlerweile - wenn auch manchmal nicht so gut- bekommt aber auch Pre-Milch im Fläschchen). Der Busen ist für sie demnach kein Hungerstiller, sondern ein Nähestiller. Für mich fühlt sich das Genuckel seit einiger Zeit nicht mehr gut an und ich würde sie gern abstillen. Es hat mit meiner Vergangenheit zu tun, in der ich Erfahrungen gemacht habe, in denen über meinen Körper bestimmt wurde und manchmal geht mir meine Tochter so rabiat an die Brust, dass es für mich nicht mehr schön ist. Und ich glaube, es wäre für unsere Beziehung (also die zwischen meiner Tochter und mir) besser, wenn ich sie abstillen könnte und ich ihr nicht gegen meinen Willen die Brust gebe. Es geht mir gar nicht darum, selbst mehr schlafen zu wollen oder sie nicht in den Schlaf begleiten zu wollen und auch nicht, dass ich nicht mehr neben ihr im Bett schlafen und kuscheln möchte. Es geht mir einzig und allein um das Nuckeln an der Brust. Nun ist meine Frage, wie und ob ich es schaffen kann, sie abzustillen. Ich habe schon versucht, ihr den Schnuller anzubieten, aber den möchte sie nicht. Außerdem frage ich mich, wie sinnvoll es ist, ihr den mit 1 Jahr noch anzugewöhnen. Im Moment mache ich, jedes Mal, wenn ich ihr die Brust gebe, die Spieluhr an, in der Hoffnung, dass diese irgendwann ausreicht, um sie zu beruhigen. Bislang ohne Erfolg. Ich frage mich auch, warum ich sie tagsüber nicht stillen muss, um sie zu beruhigen (selbst in Extremsituationen wie beim Impfen oder wenn sie sich wehtut), in der Nacht aber schon. Es reicht ihr dann auch nicht, wenn ich beruhigend mit ihr spreche. Da es tagsüber aber funktioniert, sie anders zu beruhigen (z.B. reden, auf den Arm nehmen, streicheln), habe ich die Vermutung, dass es bei ihr einfach die Gewöhnung ist, an meiner Brust zu nuckeln und ob es sehr tragisch wäre, es ihr abzugewöhnen. Meine Frage ist nur wirklich, wie? Meine Tochter zeigt zudem ab und an schon Zeichen der Trotzphase und es ist wirklich schwer, wenn sie nicht ihren Willen bekommt. Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie mir einen Rat geben könnten. Herzlichen Dank Anna K.
Liebe Anna K., Stillen ist eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Das Wichtigste überhaupt ist allerdings, dass Du fest zu deinem Entschluss stehst. Solange hier noch der geringste Zweifel besteht, wird dein Kind diese Zweifel spüren und Du wirst weiterhin „schwach" werden. Für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Deine Kleine verhält sich gar nicht so "brustversessen" wir Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Wird es dem Kind überlassen, wann es sich selbst abstillt, dann stillen sich die meisten Kinder irgendwann zwischen dem zweiten und dem vierten Geburtstag ab. Ein Abstillen deutlich vor dem zweiten Geburtstag auf Initiative des Kindes hin ist eher unwahrscheinlich. All diese theoretischen Überlegungen helfen dir jedoch nicht weiter, denn Du fühlst dich in der derzeitigen Situation unwohl. Wenn sich in einer Stillbeziehung ein Partner nicht mehr wohl fühlt, dann ist es an der Zeit zu überlegen, was geändert werden kann. Sicher ist ein 1-jähriges Kind noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deinem Kind darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden. Wenn Du nicht mehr ständig stillen möchtest, wird es am besten sein, wenn du schrittweise vorgehst, z.B. in dem du zunächst eine gewisse stillfreie Zeit in der Nacht einführst. Dazu kannst du wie folgt vorgehen: Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch weinen oder schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Natürlich kannst Du ihm während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten, doch sei nicht allzu überrascht, wenn das anfangs mit Wut abgewiesen wird. Deine Kleine wird vermutlich schreien, toben, treten oder dich gar schlagen wollen. Ist das schlimm? Nein, es ist völlig normal, denn es ist die einzige Art, wie sie in diesem zarten Alter ihren Frust ausdrücken kann. Wie kannst du damit umgehen? Lass es zu. Lass dich nicht verunsichern, denn es geht deinem Kind ja trotzdem gut, es bekommt kein Trauma fürs Leben, wird nicht an deiner Liebe zweifeln. Dein Baby ist sauer, und das wird auch wieder vergehen. Bleibe bei ihm und sei du ruhig und klar, so dass deine Kleine sich an dir orientieren kann. Vielleicht wirst du sie ein wenig ablenken wollen (falls sie sich ablenken lässt), vielleicht bleibst du auch einfach nur in ihrer Nähe und versicherst ihr, dass alles ok ist. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Nur wenn sich dein Kind über mehrere Tage hinweg gegen diese stillfreie Zeit sperrt, oder gar tagsüber extrem anhänglich bzw. weinerlich wird, oder gar eine Hautreaktion zeigt, dann weißt du, dass es noch zu früh ist und du vielleicht einfach noch ein paar Wochen warten und durchhalten solltest. Dieser Vorschlag stammt von Elizabeth Pantley, Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte", das nun auf Deutsch erschienen ist und das ich wärmstens empfehlen kann. Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Ich hoffe, die Antwort hilft dir weiter. LLLiebe Grüße, Biggi
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