Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Häufigkeit stillen und stillen in der Nacht

Frage: Häufigkeit stillen und stillen in der Nacht

Flo_84

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Hallo, meine Tochter ist 13 Wochen alt, ziemlich propper (liegt sowohl gewichts- als auch größenmäßig nahe der obersten Kurve) und hat in den ersten Monaten sehr viel geschrieen. Dies war mit ein Grund, dass ich sie alle2 Stunden gestillt habe; dann war sie zufrieden und hatte offenbar auch wirklich Hunger. (Allerdings ging danach das Geschrei oft weiter, weil sie Probleme mit der Verdauung hatte). Die Nächte wiederum sind seit Geburt großartig- sie schreit nie, wird nur leicht unruhig, wenn sie Hunger hat. In den letzten Wochen war einmal stillen in 11-12 Stunden die Regel. Nun sind drei Nächte vergangen, in denen sie 2-3 mal trinken wollte. Tagsüber trinkt sie nach wie vor alle 2-3 Stunden. Meine Fragen: Auch vor den Hintergrund ihrer Größe und ihres Gewichts: bekommt sie zu viel? Sollte ich versuchen, sie tagsüber anders abzulenken? Und wann sollte ich sie nachts "herauszögern"? Eigentlich bin ich so froh, dass sie nachts nicht schreit und möchte nichts an den entspannten Nächten ändern. Nun ändert sie aber etwas, indem sie häufiger aufwacht; ich stille sie dann halt. Ist das richtig? Oder mache ich damit "kaputt", was bisher so toll geklappt hat (z.B. Dass sie teilweise nachts 8 Stunden geschlafen hat). Ich freue mich über eine Antwort und möchte an dieser Stelle ein riesengroßes Lob an alle Experten hier aussprechen- sie leisten tolle Arbeit und sind sicherlich eine wichtige Anlaufstelle für viele Eltern. Danke!


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Flo_84, danke für das nette Lob :-) und ganz sicher machen Sie nichts falsch!!! Alle Stillexperten sind sich einige, dass Stillen nach Bedarf für Mutter und Kind am besten ist. So wird sichergestellt, dass das Baby die Nahrung, die es braucht, genau dann bekommt, wenn es sie braucht und sich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einstellen kann. Während eines Wachstumsschubs kann es durchaus sein, dass ein Baby alle Stunde an die Brust möchte. Es gibt keinen Grund einen Mindestabstand zwischen zwei Stillmahlzeiten einzuhalten. Im Extremfall kann das „Hinhalten" des Babys zu Gedeihstörungen führen. All die Erzählungen von einem bestimmten Rhythmus eines Babys sind schlicht und ergreifend falsch. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut und der Organismus eines Babys ist auf häufige Mahlzeiten eingestellt. So kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl). Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys. Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Dazu kommt, dass in bestimmten Altersstufen Wachstumsschübe zu erwarten sind, in denen die Baby manchmal schier ununterbrochen an die Brust wollen. Wachstumsschübe sind Zeiten erhöhter Nachfrage, in denen das Baby sehr oft gestillt werden möchte. Wird das Baby dann auch häufig angelegt (etwa alle zwei Stunden, manchmal sogar noch häufiger), erhält der Körper der Frau das Signal „mehr Milch bilden" und nach ein paar Tagen ist der Spuk vorbei und die Milchmenge hat sich dem Bedarf des Babys wieder angepasst. Stillen funktioniert nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Wird in dieser Situation zugefüttert, wird der Brust kein erhöhter Bedarf signalisiert und die Milchmenge kann sich auch nicht auf den erhöhten Bedarf einstellen. Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wird gestört und es kann der Beginn eines unfreiwilligen Abstillens sein. Aber auch ohne Wachstumsschub ist es normal, dass ein so kleines Baby mindestens acht bis zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden will. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut und der Organismus eines Babys ist auf häufige Mahlzeiten eingestellt. Das Dauerstillen kann sehr anstrengend und auch nervend sein, aber es hat seinen Sinn. Rein wissenschaftlich gesehen ist es so, dass das Baby durch den Stillmarathon die Prolaktinausschüttung anregt und so dafür sorgt, dass die Milchbildung angeregt wird und genügend Milch für das Kind zur Verfügung steht. Die Statur der Kinder ist genetisch festgelegt und bei einem Kind das nach Bedarf gestillt wird, ist nicht zu befürchten, dass dadurch der Grundstein für ein späteres Problem mit Übergewicht gelegt wird. Das heißt jedoch nicht, dass nicht auch ein gestilltes Baby zwischendurch wie ein kleiner Buddha aussehen kann. Es gibt keinen Beweis dafür, dass ein gestilltes Kind, das rasch zunimmt, als Erwachsener Gewichtsprobleme haben wird. Im Gegenteil es gibt mehrere Untersuchungen, die zeigen, dass Stillen eindeutig vor Übergewicht schützt und dass dieser Schutz nicht nur im Kindesalter sondern auch beim Erwachsenen anhält. Das Fett, das sich in der relativ passiven Phase vor dem Krabbelalter möglicherweise ansammelt, stellt einen Vorrat für die sehr aktive Phase dar, in der das quirlige Krabbelkind keine Zeit zum Essen haben will. Im Alter von ein bis zwei Jahren werden die Kinder, die schnell zugenommen haben, gewöhnlich von alleine schlanker. Gerade Kinder, die nach Bedarf gestillt werden, behalten ein gutes Gefühl dafür, wann sie satt sind, denn sie entscheiden ja selbst, wann und wie viel sie trinken. LLLiebe Grüße Biggi


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