Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Gezeter an der Brust

Frage: Gezeter an der Brust

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Hallo!! Meine Tochter ist nun 7 Monate alt und wird noch fast voll gestillt, d.h. am Abend bekommt sie paar Löffelchen Brei. Nun ist es seid paar Tagen so, daß sie am Tag sehr schlecht trinkt. Sie saugt , läßt dann aber nach paar Sekunden los, biegt sich und macht sich steif wie ein Stock. Am Abend vor dem Schlafengehen trinkt sie allerdings sehr gut und sehr hastig. Dementsprechend kommt sie auch in der Nacht. Wie bringe ich sie am Tag zum Trinken oder warum will sie eigentlich nicht trinken?? Und warum schläft sie nicht mal durch?? Alle Bekannte reden mir schon eine Kartoffel ans Ohr, ich soll Flasche geben ...meine Milch reicht nicht...ist zu dünn und und und...liegt es wirklich daran?? Über Tips wäre ich dankbar! Melli


Biggi Welter

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? Liebe Melli, das ganze Gerede von zu dünner Milch oder nicht ausreichender Milch ist zwar immer wieder im Raum, doch es ist wissenschaftlich nicht haltbar und außerdem: wenn wirklich alle Probleme, die ein Baby machen kann, nur von der Muttermilch verursacht werden, warum gibt es dann genau die gleichen Probleme bei nicht gestillten Kindern? Die schlafen auch nicht alle durch und auch nicht gestillte Kinder haben Unruhephasen und Zeiten, in denen sie schlecht trinken. Möglicherweise erlebt deine Tochter zur Zeit ihre Welt so intensiv, dass sie am Tag einfach zu beschäftigt ist, um in Ruhe an der Brust zu trinken. Vielleicht zahnt sie auch gerade oder steht kurz davor einen neuen Entwicklungsschritt zu meistern und ist deshalb sehr unruhig. Was nun das Durchschlafen betrifft, so ist es einfach ein Irrglaube, dass Babys und Kleinkinder „durchschlafen" bzw. dass ab einem bestimmten Alter ungestörte Nächte sicher zu erwarten sind. Es ist auch eher die Regel, denn die Ausnahme, dass ein Baby nicht durchschläft (was sich nebenbei bemerkt auch daran erkennen lässt, dass es eine Flut von „Ratgebern" gibt, die den Eltern Methoden versprechen, wie sie das Kind zum Durchschlafen „erziehen" können). Der immer wieder verbreitete Gedanke, dass ein Baby ab sechs Monaten (oder einer anderen Altersgrenze) nachts nicht mehr aufwachen darf und nachts keine Nahrung mehr braucht entspringt in keinster Weise dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen eines Babys oder Kleinkindes, sondern er entstammt dem (verständlichen) Wunsch der Erwachsenen, die gerne ihre Nachtruhe hätten. Eine Studie von Jelliffe und Jelliffe ergab, dass Babys im Alter von 10 Monaten mindestens 25 % ihrer Muttermilchaufnahme nachts zu sich nehmen. Das spricht eindeutig dafür, dass Babys auch nach den ersten sechs Monaten nachts noch hungrig sind. Es gibt Kinder, die nachts keine Nahrung mehr brauchen, aber es gibt eben auch sehr viele Kinder, die mit einem halben Jahr noch nicht so weit sind. So wie manche Kinder bereits mit elf Monaten laufen und andere damit erst mit 16 Monaten beginnen, so entwickeln sich auch alle anderen Dinge bei jedem Kind individuell verschieden und diese Entwicklung lässt sich begleiten, aber nicht beschleunigen. In einem amerikanischen Buch über die Entwicklung von Kindern (Aldrich: „Babys are Human Beeings"‘) habe ich einmal den wichtigen Satz gefunden „Damit Kinder sich gut entwickeln können, sind liebevolle Fürsorge und ein beständiges, direktes Eingehen auf ihre Bedürfnisse so ausgesprochen wichtig". Das steht zwar manchmal im Widerspruch zu unserem „modernen, westlichen" Lebensstil, aber es zahlt sich langfristig aus. Als stillende Mutter hast Du den ungeheuren Vorteil, dass Du dein Kind durch diese für alle anstrengende Zeit begleiten kannst, ohne dass Du richtig wach werden und aufstehen musst. Genieße dieses Privileg, dich einfach nur umdrehen zu müssen, so dass dein Kind an deine Brust kann und dann, wenn schon nicht sofort weiterschlafen zu können, so doch zumindest ruhen kannst. Du machst nichts falsch, wenn Du dein Baby dann stillst, denn Stillen ist ja nicht nur Ernährung, sondern gibt deinem Kind auch Nähe, Geborgenheit und Sicherheit. Wenn Du gerne liest und ein Buch lesen möchtest, das sich mit dem Thema Schlaf auseinandersetzt und dessen Autor beim Thema Schlaf auch Achtung vor dem Baby zeigt und dessen Bedürfnisse ernst nimmt, kann ich dir wärmstens „Schlafen und Wachen - ein Elternbuch für Kindernächte" von Dr. William Sears empfehlen, das Du im Buchhandel, bei der La Leche Liga und jeder LLL-Stillberaterin bekommen kannst. Ein weiterer Buchtipp, der hilft ein Baby besser zu verstehen ist „Oje ich wachse" von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij? In diesem Buch findest Du zwar keine Patentrezepte, aber Erklärungen, warum Kinder manchmal besonders unruhig sind und Hinweise, wie diese anstrengenden Zeiten besser zu meistern sind. Vielleicht ist dieses Buch etwas für dich. Ich wünsche dir Kraft, gute Nerven, Geduld und bald ruhigere Zeiten. LLLiebe Grüße Biggi


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