Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Gewicht Neugeborenes, geht nicht hoch

Frage: Gewicht Neugeborenes, geht nicht hoch

Rose_86

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Hallo, ich mache mir Sorgen,  Mein Sohn ist jetzt 12 Tage alt, er wurde Geboren mit 3545g per Kaiserschnitt 2 Wochen vor ET. Wir haben am 3. Tag begonnen mit abgepumpter Milch zuzuführen, weil er immer wieder eingeschlafen ist während dem stillen und dadurch irgendwann ein Teufelskreislauf entstanden ist. Wir wurden entlassen mit 3280g und einer pumpe für zuhause.  Nach jeden mal stillen, Pumpe ich ab und schaffe nicht mehr als 60ml.  Da mir geraten wurde nicht länger als 3 Stunden zu warten, muss ich ihn oft aufwecken und dann trinkt er nicht so wie er sollte, nach 10 min auf jeder Brust lass ich es dann gut sein und gebe die abgepumpte Milch mit Flasche hinzu, In der Früh sind meine Brüste noch gut gefüllt am Abend jedoch fast leer. Er weint aber auch nicht oder meckert die Brust an, eigentlich wirkt er immer zufrieden. Aber das Gewicht gejt trotzdem nicht nach oben  Ich kuschel viel mit ihm, mach Brustmassagen, Wärme, lass ihn nuckeln und an die Brust wann er will, ich habe jedoch das Gefühl meine Brüste machen zuwenig. Aktuell wiegt er 3353g Was kann ich tun, woher weiß ich das er genug trinkt? Wäre es besser ihm zumindest Abends eine Anfangsmilch zuzuführen? Liebe Grüße 


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Rose_86, die Vorstellung, dass die Brust (ähnlich wie eine Flasche) nach dem Stillen leer ist und erst wieder aufgefüllt werden muss, ist so nicht richtig. Zwar wird zwischen den Stillmahlzeiten Milch produziert, der Hauptanteil der Milch wird jedoch erst während des Stillens gebildet. Das Saugen deines Kindes gibt das entsprechende Signal zur Milchbildung, der Milchspendereflex wird ausgelöst. Deshalb ist es auch nicht sinnvoll, zwischen den Stillmahlzeiten längere Pausen einzulegen, damit sich die Milch in der Brust sammeln kann. Stattdessen sollte dein Baby häufiger angelegt werden, um die Milchbildung anzuregen und die Milchmenge zu steigern. So kleine Babys möchten im Durchschnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Durchschnitt bedeutet, dass es Babys gibt, die etwas seltener nach der Brust verlangen (das sind eher wenige) und viele Babys, die deutlich häufiger gestillt werden möchten. Dabei trinken sie meist nicht zwanzig Minuten am Stück und melden sich erst nach drei Stunden wieder, viel häufiger kommt es zu sogenannten Stillepisoden: das Baby trinkt eine kurze Weile, macht eine Pause, döst vielleicht sogar ein und beginnt anschließend erneut zu trinken. Dieses Verhalten nennt man Clusterfeeding und es ist für kleine Babys völlig normal. Besonders häufig treten diese Stillphasen am Nachmittag und Abend auf. Generell werden die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten im Laufe des Tages oft kürzer. Hinzu kommen Wachstumsschübe, in denen Babys manchmal scheinbar ununterbrochen an die Brust möchten. Dieses Dauerstillen kann sehr anstrengend und manchmal auch nervenaufreibend sein, hat aber einen wichtigen Sinn. Wissenschaftlich betrachtet regt dein Baby durch dieses häufige Stillen die Ausschüttung des Hormons Prolaktin an. Dadurch wird die Milchbildung gesteigert und sichergestellt, dass ausreichend Milch zur Verfügung steht. Wird in dieser Situation zugefüttert, greift das in das natürliche Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage ein. Das kann der Beginn eines ungewollten, vorzeitigen Abstillens sein. Die Trinktechniken an Brust und Flasche beziehungsweise einem künstlichen Sauger unterscheiden sich außerdem grundlegend. Manche Babys kommen mit dem Wechsel zwischen beiden Techniken nicht gut zurecht und versuchen dann, mit der Flaschentechnik an der Brust zu trinken. Das funktioniert jedoch nicht, das Baby bekommt an der Brust wenig oder gar keine Milch, wird frustriert und lehnt die Brust im schlimmsten Fall schließlich ganz ab. In diesem Fall spricht man von einer Saugverwirrung. Dann kann ein ungünstiger Kreislauf entstehen: Das Baby trinkt mit der falschen Technik an der Brust, wird unruhig, dockt immer wieder an und ab, dreht den Kopf hin und her und schluckt viel Luft, was wiederum Bauchbeschwerden verursachen kann. Gleichzeitig wird die Brust nicht mehr ausreichend stimuliert, die Milchmenge nimmt ab und es wird immer mehr zugefüttert , sofern dieser Kreislauf nicht unterbrochen wird. Eine Saugverwirrung ist alles andere als harmlos. Stillberaterinnen wissen aus Erfahrung sehr gut, warum sie künstlichen Saugern wie Schnullern und Flaschen kritisch gegenüberstehen. Beide führen leider immer wieder zu solchen Problemen. Wenn du bemerkst, dass deine Milchmenge für den Bedarf deines Babys nicht mehr ausreicht, ist die wichtigste Maßnahme, dein Kind häufiger anzulegen. So erhält die Brust das Signal: „Es wird mehr Milch gebraucht", und reagiert mit einer gesteigerten Milchbildung. Wird stattdessen zugefüttert, geschieht genau das Gegenteil: Der Brust wird ein geringerer Bedarf signalisiert und die Milchbildung nimmt weiter ab. In deiner Situation empfehle ich dir eine Zusammenarbeit mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt und einer Stillberaterin.  Am besten wendest du dich einmal für eine persönliche Beratung an eine Stillberaterin in deiner Nähe. Adressen von Stillberaterinnen findest du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC).  Bis du eine Stillberaterin erreichen kannst, hier einige allgemeine Hinweise zur Steigerung der Milchmenge: Die wichtigste Regel lautet: Häufiges Anlegen und ein gut saugendes Baby regen die Milchbildung an. Deshalb solltest du dein Baby in den nächsten Tagen möglichst oft anlegen – etwa alle zwei Stunden, gerechnet vom Beginn einer Stillmahlzeit bis zum Beginn der nächsten. Verzichte möglichst auf den Schnuller. Er befriedigt das Saugbedürfnis deines Babys, ohne dass es dabei Nahrung erhält. Bei einem Baby, das nur wenig zunimmt, ist das nicht günstig. Um das Interesse deines Babys an der Brust wach zu halten, kannst du das Wechselstillen ausprobieren. Dabei stillst du dein Baby so lange an einer Brust, wie es effektiv saugt, also nach jeder oder jeder zweiten Saugbewegung schluckt. Sobald es seltener schluckt, nimmst du es sanft von der Brust (denke daran, den Saugschluss zu lösen), lässt es aufstoßen, streichelst seine Fußsohlen oder massierst es sanft entlang der Wirbelsäule, um seine Aufmerksamkeit wieder zu wecken. Anschließend legst du es an der anderen Brust an. Sobald dort das Schlucken wieder seltener wird, wechselst du erneut die Seite. Dieses „Wecken und Wechseln" führst du etwa zwanzig bis dreißig Minuten lang durch – tagsüber alle zwei Stunden und nachts mindestens alle vier Stunden. Nach einigen Tagen sollte sich eine Gewichtszunahme zeigen. Der Schlaf eines Babys, das nicht ausreichend zunimmt, ist in dieser Situation nicht heilig. Deshalb solltest du dein Baby zum Stillen wecken. Zusätzlich kann auch Abpumpen sinnvoll sein, um die Milchproduktion anzuregen. Wichtig ist dabei jedoch eine gute Milchpumpe und eine fachkundige Anleitung. Leider gibt es noch immer ungeeignete Pumpen, und selbst mit einer guten Pumpe muss das Abpumpen erst erlernt werden. Am besten zeigt dir eine Stillberaterin vor Ort auch, wie du deine Brust durch Massage zusätzlich unterstützen kannst. Achte außerdem darauf, dass du selbst möglichst viel Ruhe und Erholung bekommst. Am besten legst du dich gemeinsam mit deinem Baby ins Bett. Ernähre dich ausgewogen und ausreichend. Kohlenhydratreiche Nahrung kann sich positiv auf die Milchbildung auswirken. Trinke entsprechend deinem Durstgefühl. Einen Milchbildungstee musst du nicht trinken. Falls du ihn gerne trinken möchtest, reichen zwei bis drei Tassen täglich vollkommen aus. Mehr kann bei manchen Babys Bauchbeschwerden verursachen. Eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr steigert die Milchbildung nicht. Du trinkst ausreichend, wenn du dich nicht ausgetrocknet fühlst, dein Urin hell ist und du keine Verstopfung hast. Biete deinem Baby bei jeder Stillmahlzeit beide Brüste an. So kann es die vorhandene Milch optimal nutzen und gleichzeitig wird die Milchbildung in beiden Brüsten angeregt. Achte außerdem auf eine gute Stillhaltung und darauf, dass dein Baby korrekt angelegt ist. Es sollte nicht nur die Brustwarzenspitze im Mund haben, sondern einen großen Teil des Warzenhofs erfassen. Häufig liegt eine zu geringe Milchmenge an einer ungünstigen Saugtechnik. Stillhütchen können dieses Problem zusätzlich verstärken. Am besten lässt du dir das richtige Anlegen von einer Stillberaterin vor Ort zeigen. Sie kann dir auch erklären, woran du erkennst, dass dein Baby effektiv saugt. Beim Anlegen wartest du, bis dein Baby den Mund weit öffnet – fast wie beim Gähnen. Dann ziehst du es zügig an die Brust. Der Mund sollte mindestens zweieinhalb Zentimeter des Warzenhofs umfassen. Kinn und Nasenspitze berühren die Brust. Die Lippen sind nach außen gestülpt und entspannt. Die Zunge liegt unter der Brust. Während des Saugens bewegen sich Schläfen und Ohren leicht mit. Dein Baby liegt Bauch an Bauch mit dir auf der Seite. Kopf, Schulter und Hüfte bilden eine Linie. Der Kopf sollte gerade liegen und weder nach hinten überstreckt noch zur Seite gedreht sein. Eine gute Beschreibung der Anlegetechnik findest du im Infoblatt „Stilltechniken, die funktionieren“, das du bei jeder La Leche Liga-Stillberaterin erhalten kannst. Falls dein Baby vorübergehend zusätzliche Nahrung benötigt, sollte diese möglichst nicht mit der Flasche gegeben werden, sondern mit einer alternativen Fütterungsmethode, zum Beispiel einem Becher oder – wenn geeignet – einem Brusternährungsset. Auch das Bechern solltest du dir von einer Stillberaterin zeigen lassen. Idealerweise findet möglichst alles Saugen deines Babys an deiner Brust statt. Selbstverständlich sind auch andere Stillpositionen möglich. Wichtig ist lediglich, dass dein Baby immer genügend Brustgewebe im Mund hat und den Kopf beim Trinken nicht drehen muss. Scheue dich wirklich nicht, dich an eine Kollegin in deiner Nähe zu wenden. Liebe Grüße Biggi   


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