Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Erste 14d nach Kaiserschnitt, extremes Frühchen

Frage: Erste 14d nach Kaiserschnitt, extremes Frühchen

Juliese

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Liebe Biggi, ich hatte vor einer Woche einen ungeplanten Kaiserschnitt bei 28+0 ssw. Es ist alles extrem kritisch und ich hatte und habe sehr mit mir zu tun - körperlich und psychisch und habe erst an Tag 5 wirklich mit dem konsequenten Abpumpen begonnen. Logischerweise habe ich jetzt an Lebenstag 8 nur ca. 80ml/die Milch, obwohl ich mir alle Mühe gebe. Mir war nicht klar, dass die ersten 14d so unheimlich wichtig sind und im Prinzip laut Stillberater hier vor Ort nicht mehr aufholbar. Abpumpen ist mir so fremd, weil ich in der ersten Schwangerschaft normal stillen konnte und jetzt mein Baby nicht mal in den Arm nehmen kann. Kann ich die verlorenen Tage noch irgendwie "aufholen"? Oder lohnt es sich jetzt nicht mehr?


Biggi Welter

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Liebe Juliese, jeder Tropfen deiner Muttermilch ist wichtig für dein Baby und wenn du geduldig bist und ausreichend oft pumpst, wird sich die Milchmenge steigern.Was das Pumpen betrifft, wäre es am besten, wenn du durch eine Stillberaterin vor Ort eine individuelle Pumpberatung erhalten könntest. Sie kann dich dann auch gleich weiter betreuen, bis du dein Baby an die Brust legen kannst und es stillen wirst. Gerade als Frühchenmutter brauchst du die direkte Unterstützung durch eine erfahrene Stillberaterin. Wenn du mir deinen Wohnort mit Postleitzahl angibst, suche ich dir gerne die nächstgelegene LLL-Stillberaterin oder eventuell auch eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC heraus. Frage auch auf der Station deines Kindes nach, ob es dort eine Stillberaterin gibt. Inzwischen gibt es immer mehr Frühgeborenenstationen, auf denen eine Stillberaterin zur Verfügung steht. Abpumpen ist eine Fähigkeit, die gelernt und geübt werden muss. Um erfolgreich abzupumpen, brauchst du nicht nur eine geeignete Pumpe, sondern auch eine gute Anleitung zur richtigen Pumptechnik. Der Schlüssel zum erfolgreichen Abpumpen ist das Auslösen des Milchspendereflexes. Dabei hilft es, wenn du dich in eine angenehme Umgebung zurückziehen kannst, in der du möglichst wenig gestört wirst und dich entspannen kannst. Ein festes Ritual beim Abpumpen und die Konzentration auf dein Baby (zum Beispiel vor einem Foto deines Babys oder neben dem Kind zu pumpen) können den Milchspendereflex unterstützen. Auch Wärmeanwendungen und eine Brustmassage fördern den Milchfluss. Bewährt hat sich folgendes Pumpschema: 7 Minuten pumpen – unterbrechen und die Brust massieren – 5 Minuten pumpen – Brust massieren – 3 Minuten pumpen. Eine Brustmassage kann außerdem dazu beitragen, den Fettgehalt der abgepumpten Milch zu erhöhen. Die besten Erfahrungen gibt es mit vollautomatischen, elektrischen Pumpen mit Doppelpumpset. Diese sind zum Beispiel von den Firmen Medela und Ameda erhältlich und können in Apotheken oder Sanitätshäusern ausgeliehen werden. Da eine Pumpe nicht die gleichen Gefühle auslöst wie ein Baby, ist es gerade am Anfang besonders wichtig, den Milchspendereflex bewusst anzuregen. Dafür kannst du verschiedene Methoden der körperlichen und seelischen Stimulation nutzen: Pumpe in einer vertrauten und angenehmen Umgebung, möglichst immer am gleichen Ort, zum Beispiel in einem bequemen Sessel, der deine Arme gut stützt und es dir erlaubt, dich zu entspannen. Halte Störungen so gering wie möglich, hänge zum Beispiel das Telefon aus, schalte leise entspannende Musik an und lege dir alles bereit, was du brauchst – etwa ein Glas Wasser oder Saft, einen kleinen Snack oder etwas zu lesen. Hilfreich ist auch ein festes Ritual vor dem Abpumpen. Ein gleichbleibender Ablauf kann deinen Milchspendereflex positiv beeinflussen. Dazu können gehören: ·       Wärmeanwendungen auf den Brüsten, trocken oder feucht, z. B. warme Kompressen, ein Heizkissen oder eine warme Dusche ·       Eine Decke oder Jacke über den Schultern oder das Sitzen in der Nähe einer Wärmequelle ·       Sanfte Brustmassage, in der Dusche oder direkt vor dem Abpumpen, besonders wenn du angespannt bist ·       Stimulation der Brustwarzen durch sanftes Reiben oder Rollen ·       Fünf Minuten bewusste Entspannung, z. B. mit Atemübungen aus der Geburtsvorbereitung oder indem du dir etwas Angenehmes vorstellst, wie einen warmen Sandstrand, Meeresrauschen, einen Gebirgsbach oder eine tropische Brise Unterbrich das Abpumpen ruhig mehrmals, um die Brust zu massieren. So kannst du den Milchspendereflex wiederholt auslösen. Nach etwa zehn Minuten pumpen kannst du pausieren, die Brust massieren und dann erneut pumpen. Bei der La Leche Liga Deutschland kannst du dazu auch das Infoblatt zur „Marmet-Methode“ (Handausstreichen und Brustmassage) erhalten. Rhythmische Bewegungen beim Abpumpen helfen ebenfalls, das Saugverhalten deines Babys nachzuahmen. Beim Stillen übt das Baby einen sanften, rhythmischen Druck auf die Milchseen aus, während es gleichzeitig einen Sog aufbaut. Versuche, dieses Muster beim Pumpen nachzuempfinden. Um die Milchproduktion gut in Gang zu bringen, solltest du häufiger als fünfmal pro Tag pumpen. Ein Baby würde jetzt mindestens acht- bis zwölfmal innerhalb von 24 Stunden an der Brust trinken. Versuche daher, etwa ebenso oft zu pumpen, also alle zwei bis drei Stunden. Ob du nachts eine längere Pause (etwa sechs Stunden) einlegst oder auch nachts pumpst, musst du für dich ausprobieren. Manche Mütter kommen mit einer Nachtpause besser zurecht, andere profitieren davon, auch nachts weiterzupumpen. Insgesamt solltest du auf mindestens 100 Minuten Pumpzeit innerhalb von 24 Stunden kommen. Häufigeres, kürzeres Abpumpen ist sinnvoller als seltenes, langes Pumpen. Als Frühchenmutter solltest du möglichst auf Überschuss pumpen, damit genug Milch vorhanden ist, wenn der Bedarf deiner Babys steigt. Außerdem kann es immer wieder zu vorübergehenden Einbrüchen der Milchmenge kommen, zum Beispiel durch Stress, Entmutigung oder unerwartete Probleme. Das erleben fast alle Mütter von Frühchen – diese Einbrüche sind jedoch nicht dauerhaft. Achte darauf, ausreichend und ausgewogen zu essen, insbesondere kohlenhydratreich, und trinke entsprechend deinem Durstgefühl. Eine übermäßig hohe Flüssigkeitszufuhr steigert die Milchmenge nicht – im Gegenteil. Solange du dich nicht ausgetrocknet fühlst, dein Urin hell ist und du keine Verstopfung hast, trinkst du genug. Für die Wirksamkeit von Milchbildungstees gibt es keinen eindeutigen Beweis. Wenn du sie trinken möchtest, dann bitte nicht mehr als zwei bis drei Tassen täglich, da größere Mengen beim Kind Bauchprobleme verursachen können. Versuche, trotz der belastenden Situation so viel Ruhe und Entspannung wie möglich zu finden. Mein Text ist jetzt sehr lang geworden, und ich hoffe, er ist gut verständlich. Zusätzlich möchte ich dich auf die Infobroschüre der La Leche Liga „Stillen von Frühgeborenen“ hinweisen. Auf knapp 60 Seiten findest du dort viele hilfreiche Informationen rund um das Stillen von Frühchen. Die Broschüre ist bei der La Leche Liga, bei jeder LLL-Stillberaterin oder über den Shop-Link auf der entsprechenden Seite erhältlich. Ich wünsche euch von ganzem Herzen alles Gute und stehe dir für weitere Fragen jederzeit und gerne zur Verfügung. Sei umarmt von Biggi


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