Lukelly76
Hallo, ich habe ein paar Fragen. Mein Sohn ist 8 Wochen alt und ich kann ihn nicht voll stillen. Am Anfang war er sehr schwach (2960g Geburtsgewicht bei 52 cm) und hat schlecht bei mir getrunken, ist immer eingeschlafen. Er hat nicht richtig zugenommen und hat deshalb schon im Krankenhaus zusätzlich Fläschchen bekommen. Mittlerweile ist er munter und trinkt auch besser - einschlafen tut er am Ende aber doch oft ;-) Wir füttern immer noch zu. Ich habe auch mal versucht, ihn nur zu stillen, aber da hat er gleich abgenommen und meine Hebamme hat dann davon abgeraten. Wir machen es nun so: ich stille ihn, etwa 15 Minuten jede Brust (mal am Stück, mal mit Wechsel, wenn er müde ist). Meist schläft er am Ende ein und wacht dann nach zwei Minuten wieder auf und hat noch Hunger. Dann bekommt er ein Fläschchen. Tagsüber verlangt er mittlerweile meist 60ml, mal auch 90ml, nachts 90ml. Nach dem Zufüttern pumpe ich dann noch ab, nur nachts nicht. Morgens erhalte ich somit nochmal 50ml Muttermilch, tagsüber eher 25ml pro Pumpgang, zum Abend hin weniger. Ich habe schon festgestellt, dass ich mittlerweile etwas mehr Milch habe. Aber es reicht immer noch nicht aus, um ihn ganz satt zu bekommen. Nun meine Frage: Ist das überhaupt noch möglich? Kann ich noch zum Vollstillen kommen? Wie? Sollte ich das Abpumpen weglassen? Meine Hebamme schätzt, dass es auch etwas mein Kopf ist, der da nicht mit macht, aber ich versuche schon, mich von allem frei zu machen und habe auch nichts gegen Fläschchen-Fütterung. Aber Stillen ist eben das Beste und noch habe ich ja etwas Milch. Nur diese 3fach-Belastung von Stillen, Füttern und Pumpen ist echt anstrengend und dauert ja auch jedes mal eine Stunde. Ich habe auch schon Hilfsmittel probiert wie Bockshornklee, Stilltee, Kümmelöl usw. Mittlerweile wiegt er 3900g mit 8 Wochen. Was ist Ihre Meinung? Vielen Dank im Voraus! LG
Liebe Lukelly76, ich würde langsam versuchen, vermehrt anzulegen und würde keine Flasche mehr geben, aber dafür Muttermilchsahne. Die Vorstellung, dass die Brust (ähnlich wie eine Flasche) nach dem Stillen leer ist und erst wieder aufgefüllt werden muss, ist so nicht richtig. Zwar wird zwischen den Stillmahlzeiten Milch produziert, der Hauptanteil der Milch wird jedoch erst während des Stillens gebildet. Das Saugen des Kindes gibt das entsprechende Signal zur Milchbildung, der Milchspendereflex wird dann ausgelöst. Deshalb ist es auch falsch zwischen den Stilmahlzeiten eine längere Pause einzulegen, damit sich die Milch in der Brust sammelt, sondern es muss häufiger angelegt werden, um die Milchmenge zu steigern. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut und der Organismus eines Babys ist auf häufige Mahlzeiten eingestellt. So kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl). Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys. Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Das Dauerstillen kann sehr anstrengend und auch nervend sein, aber es hat seinen Sinn. Rein wissenschaftlich gesehen ist es so, dass das Baby durch den Stillmarathon die Prolaktinausschüttung anregt und so dafür sorgt, dass die Milchbildung angeregt wird und genügend Milch für das Kind zur Verfügung steht. Wird in dieser Situation zugefüttert, wird der Brust kein erhöhter Bedarf signalisiert und die Milchmenge kann sich auch nicht auf den erhöhten Bedarf einstellen. Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wird gestört und es kann der Beginn eines unfreiwilligen Abstillens sein. Darum raten wir erst dann zur Gabe von künstlicher Milch, wenn keine andere Maßnahme geholfen hat - oder das Kind deutlich zu wenig zugenommen hat! Es kann sein, dass Ihr Baby durch die Flasche saugverwirrt ist und am Abend so müde ist, dass es besonders ausgeprägt erscheint. Eine Saugverwirrung ist für alle Beteiligten belastend und zerrt an den Nerven. Sie kann aber mit viel Geduld und der richtigen Anleitung überwunden werden. Ein Baby, das mit der Flasche gefüttert wurde, hat einen sofort einsetzenden, gleichmäßigen Milchfluss kennengelernt. An der Brust reagiert es dann frustriert, weil nicht der von ihm erwartete, sofortige und stetige Milchfluss einsetzt. Es ist daher wichtig, dass Sie Ihre Milch bereits vor dem Anlegen zum Fließen bringen. Versuchen Sie, den Milchspendereflex durch Ausstreichen, Brustmassage und Wärmeanwendung oder eventuell mit einer Pumpe auszulösen ehe Sie Ihr Baby anlegen. Warten Sie nicht, bis Ihr Kind sehr hungrig ist. Ein aufgeregtes, hungriges Baby ist nicht unbedingt bereit, etwas Neues (also das korrekte Trinken an der Brust) zu lernen. Wählen Sie eine bequeme Stillhaltung, um möglichst entspannt zu sein und achten Sie auf eine korrekte Anlegetechnik (eine gute Beschreibung der Anlegetechnik finden Sie in dem Info Blatt „Stilltechniken, die funktionieren", das Sie bei der La Leche Liga Deutschland und jeder LLL Stillberaterin (auch bei uns) bestellen können. Das Stillen im Rückengriff (auch Unter dem Arm Haltung genannt, in dieser Position ruht der Kopf des Kindes in Ihrer Hand und seine Beine liegen seitlich neben Ihrem Körper und zeigen nach hinten) eignet sich gut, weil Sie in dieser Haltung den Kopf Ihres Babys gut kontrollieren können und genau sehen, was es macht. Vermeiden Sie es, Ihre Kind am Gesicht oder seitlich am Kopf oder mit geringem Fingerdruck am Hinterkopf zu berühren. Derartige Berührungen können dazu führen, dass der Suchreflex beim Baby ausgelöst wird und es seinen Kopf in Richtung der Berührung dreht. Fester, gleichmäßiger Druck auf den Hinterkopf bedeutet normalerweise kein Problem für das Baby. Wenn Sie im Rückengriff stillen, können Sie eine Windel zwischen Ihre Hand und den Kopf Ihres Babys legen oder es fest in eine Decke einwickeln, deren obere Ecke Sie unter seinen Kopf legen. Stützen Sie den Kopf und den Nacken Ihres Babys in Höhe der Ohren mit Ihrer Hand. Will Ihr Kind nicht an der Brust bleiben, nachdem es sie zunächst erfasst hat, können Sie während des Stillens etwas zuvor ausgestrichene Milch auf die Stelle tropfen, an der seine Lippen Ihre Brust berühren. Es wird die Milch schlucken und dabei seine Zunge abflachen, so dass es die Brust richtig fassen kann. Vielleicht können Sie ja ein paar „Stilltage“ einlegen, das heißt Sie legen sich mit Ihrem Baby ins Bett und kümmern sich ausschließlich um Ihr Baby und das Stillen. Ich würde Ihnen zusätzlich noch empfehlen, ihm eine Kalorienbombe aus Muttermilchsahne zu geben, das gibt den Kleinen meist einen wirklich guten Zunahme- und Entwicklungskick. Schauen Sie, dass Sie Milch ausstreichen oder abpumpen, die Sie in 10 ml Spritzen aufziehen und dann kopfüber in ein Glas stellen (also mit der Spitze nach unten). Lassen Sie aber ein bisschen Luft, denn die Schwerkraft wird den Kolben vielleicht etwas weiter in die Spritze drücken... Oben auf der Milch wird sich eine Fettschicht absetzen, der Muttermilchrahm. Nach ca. 2 Stunden können Sie den wässrigen unteren Teil der Milch ausdrücken und Ihrem Kind die verbleibende Sahne in den Mund träufeln. Statt mit leeren Spritzen können Sie natürlich auch mit einer Tasse arbeiten, in die Sie die gewonnene Muttermilch geben. Oben wird sich der fetthaltige Rahm absetzen, Sie können ihn mit einem Löffel abschöpfen und Ihrem Baby geben. Wenn Sie das 3-4 Tage lang machen (je mehr, desto besser), wird Ihr Baby ganz sicher einen Schub machen. Probieren Sie es mal aus! Es wäre auch günstig, wenn Sie sich an eine Stillberaterin vor Ort wenden würden, die Ihnen im direkten Gespräch Tipps geben kann und eventuell auch sieht, wie Ihr Baby an der Brust trinkt. Adressen von Stillberaterinnen finden Sie im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). LLLiebe Grüße Biggi Welter
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