Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Baby 21 Wochen will nachts wieder öfter an die Brust

Frage: Baby 21 Wochen will nachts wieder öfter an die Brust

JennyS83

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Hallo Frau Welter, Meine Tochter ist 21 Wochen alt und hatte nachts eigentlich einen Super Rhythmus. Sie schlief von ca 20 Uhr bis 3 Uhr und dann noch mal bis 6/7 Uhr. Nun kann sie sich seit 5/6 Wochen auch in ihrem Schlafsack vom Rücken auf den Bauch drehen, kommt aber alleine noch nicht wieder zurück. Nun schläft sie immer so 2/3 Stunden und fängt an zu meckern, aber einfach nur umdrehen reicht ihr dann nicht, sie will dann auch an die Brust, oft trinkt sie aber gar nicht richtig, sondern trinkt nur die flüssige Milch und nuckelt dann und schläft wieder ein. Sie wird voll gestillt und kann tagsüber so oft und solange an die Brust wie sie will, aber das nächtliche "nuckeln" nervt mich langsam doch ein wenig. Was kann ich da machen. Ich kann mir ja auch nie sicher sein, dass sie nicht doch richtig Hunger hat. Gewöhne ich ihr das jetzt vielleicht an, das wenn sie nachts wach wird zu Mama an die Brust nuckeln kann? Wie gewöhne ich ihr das ab? Einen Nuckel nimmt sie nicht und ein familienbett haben wir ausprobiert, aber da schlafen wir alle drei nicht so gut. Wäre für ein paar tips sehr dankbar!


Biggi Welter

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Liebe JennyS83, es ist ein normaler entwicklungsphysiologischer Verlauf, dass Babys ab dem Alter von vier bis sechs Monaten nachts (wieder) vermehrt aufwachen. Dieses Aufwachen liegt nicht an der Ernährung des Kindes, sondern ist entwicklungsbedingt. Deshalb ist die Einführung von fester Nahrung oder künstlicher Säuglingsnahrung oder selbst das Abstillen auch keine Garantie für angenehmere Nächte. Die Kinder beginnen die Welt sehr konkret zu erleben, sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen. All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen, dass vielleicht die erste Erkältung kommt und, und, und ... Der scheinbare Rückschritt im Schlafverhalten ist eigentlich ein Fortschritt, denn er zeigt, dass die Entwicklung des Kindes voranschreitet. Abgesehen von den umstrittenen Schlaftrainingsprogrammen, die von Stillexperten nahezu einhellig abgelehnt werden, bleibt in dieser Zeit nicht viel, als geduldig zu bleiben und sich die Tage und Nächte so einfach wie möglich zu gestalten. Der immer wieder verbreitete Gedanke, dass ein Baby ab sechs Monaten (oder einer anderen Altersgrenze) nachts nicht mehr aufwachen darf und nachts keine Nahrung mehr braucht entspringt in keinster Weise dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen eines Babys oder Kleinkindes, sondern er entstammt dem (verständlichen) Wunsch der Erwachsenen, die gerne ihre Nachtruhe hätten. Eine Studie von Jelliffe und Jelliffe ergab, dass Babys im Alter von 10 Monaten mindestens 25 % ihrer Muttermilchaufnahme nachts zu sich nehmen. Das spricht eindeutig dafür, dass Babys auch nach den ersten sechs Monaten nachts noch hungrig sind. Es gibt Kinder, die nachts keine Nahrung mehr brauchen, aber es gibt eben auch sehr viele Kinder, die mit einem halben Jahr noch nicht so weit sind. So wie manche Kinder bereits mit elf Monaten laufen und andere damit erst mit 16 Monaten beginnen, so entwickeln sich auch alle anderen Dinge bei jedem Kind individuell verschieden und diese Entwicklung lässt sich begleiten, aber nicht beschleunigen. Es gibt kein Patentrezept, um ein Kind zu längeren Schlafphasen zu bringen. Hätte ich eines, das das Kind achtet, würde ich ein Buch darüber schreiben und damit einen Bestseller landen, an dem sich gut verdienen ließe. Wenn Sie gerne lesen und ein Buch lesen möchten, das sich mit dem Thema Schlaf auseinandersetzt und dessen Autor beim Thema Schlaf auch Achtung vor dem Baby zeigt und dessen Bedürfnisse ernst nimmt, kann ich Ihnen wärmstens „Schlafen und Wachen ein Elternbuch für Kindernächte“ von Dr. William Sears empfehlen, das Sie im Buchhandel, bei der La Leche Liga und jeder LLL Stillberaterin bekommen können. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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